Von: ka
Bozen – Im Streit zwischen den Lehrern, die für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, und dem Land, das viele Forderungen des Lehrpersonals für überzogen hält, sind die Schüler und ihre Eltern die Leidtragenden. Die Lehrer „bestreiken” nämlich alle Ausflüge und außerschulischen Aktivitäten.
Für die Lehrer mag es ein „günstiges Mittel” sein, um Druck auf die Landesregierung auszuüben – im Gegensatz zum herkömmlichen Streik werden Gehaltsabzüge vermieden –, aber die Schüler werden um wertvolle Erfahrungen und Lerninhalte gebracht, die ihnen Besuche von Museen und Veranstaltungen aller Art im In- und Ausland bieten würden. Während viele Eltern und Schüler wütend und resigniert sind und von „unüberbrückbaren Gräben” sprechen, beginnen einige Oberschüler, Ausflugs- und Lehrfahrten in Eigenregie zu organisieren. „Wir haben ein Landhaus in der Toskana gebucht”, berichtet ein Schülervertreter dem Corriere dell’Alto Adige.

Mitte März: Während die Schulkalender auf das Schulende und die Sommerferien zusteuern, bedeutet der Lehrerstreik in Südtirol ein verlorenes Schuljahr. Seit sechs Monaten sind außerschulische Aktivitäten und Schulausflüge aufgrund gewerkschaftlicher Forderungen in der Schwebe, was bei den Schülern und ihren Eltern zu Ermüdung und Unmut führt.
Auslöser des Protests sind die Forderungen der Lehrkräfte nach einer besseren finanziellen Vergütung. Die Verhandlungen, die lange Zeit festgefahren waren, wurden vor einigen Monaten wieder aufgenommen, um dann erneut ins Stocken zu geraten. Es besteht die Gefahr, dass die „Bestreikung der außerschulischen Aktivitäten“ auch im kommenden Schuljahr andauert. „Sie haben alles getan, um zu verhindern, dass sich diese Situation auflöst”, kritisiert Marirò Pastore, die Vorsitzende des Elternbeirats, gegenüber dem Corriere dell’Alto Adige.

Das „Scheitern des Vermittlungsversuchs am Gymnasium Carducci, wo die Blockade total ist“, symbolisiert einen Dialog, der nie zustande gekommen ist. „Ich bin wirklich müde, demoralisiert und gekränkt. Wir haben versucht, Arbeitsgruppen einzurichten, um alternative Lösungen zu finden, aber das Projekt ist gescheitert. Man behandelt uns wie einen Fremdkörper. Die Lehrer sagen, es tue ihnen leid, bieten aber keine konkreten Lösungen an“, zeigt sich Marirò Pastore wenig zuversichtlich.
Pastore zufolge liegt der Knackpunkt nicht in den organisatorischen, sondern in den ethischen Fragen eines Protests, der für die „keine Kosten verursacht“: „Ich habe die Lehrkräfte gefragt: Warum streikt ihr nicht, bis ihr euer Ziel erreicht habt? Aber für sie war es nicht richtig, auf ihr Gehalt zu verzichten. Ich habe darauf hingewiesen, dass dies für den Rest der Arbeitswelt die einzige Art zu protestieren ist.“
Am meisten verbittert die Vorsitzende des Elternbeirats jedoch die soziale Bedeutung der verwehrten Lehrfahrten und Studienreisen: „Dieser Protest bestraft diejenigen, die keine Alternativen haben. Für viele Jugendliche ist die Schule die einzige Chance auf einen Neuanfang und Erfahrungen im Ausland. Wer aus gesicherten Familienverhältnissen stammt, unternimmt die Reise ohnehin, die anderen bleiben zu Hause. Die Lehrkräfte haben einen völlig falschen Weg eingeschlagen.“

Der 18-jährige Cesare Gallippi ist Schülervertreter am italienischen Carducci-Gymnasium in Bozen und steht somit auf der anderen Seite der generationsübergreifenden Kluft. Mit einer Ausgewogenheit, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, äußert er sich gegenüber Silvia M. C. Senette vom Corriere dell’Alto Adige. „Es gibt berechtigte Gründe, der Protest ist nicht aus dem Nichts entstanden“, stellt er einleitend fest, auch wenn er die Vorgehensweise ablehnt. „Das Wohlergehen der Schüler zu opfern, ist nicht richtig, und ein so undurchsichtiger Protest ohne einheitlichen Ansprechpartner führt nicht zu konkreten Zielen.“ Für Gallippi ist das Problem nicht nur finanzieller Natur, sondern betrifft auch die allgemeine Rolle der Schule: „Sie wird zu einer Art Kinderhort, in dem Eltern ihre Kinder abstellen und die Aufgabe der Lehrer darin besteht, sie zu beaufsichtigen. Wenn Lehrer gesellschaftliche Anerkennung wollen, müssen sie wieder zum Vermittler von Wissen werden und nicht zu Aufpassern auf einem Ausflug.“
Um aus der bürokratischen Sackgasse herauszukommen, schlagen die Schüler des Carducci-Gymnasiums einen pragmatischen Weg vor. „Wir haben uns überlegt, die Schulordnung zu überarbeiten, um Ausflüge weniger aufwendig zu organisieren. Vielleicht könnte man mehrere Klassen zusammenlegen und die lästige 90-Prozent-Teilnahmequote abschaffen, sodass Lehrfahrten und Ausflüge nicht mehr ausfallen, wenn zwei Schüler fehlen. Wir wollen das Ganze für Familien und Lehrer einfacher machen.“ Es handelt sich um eine Überlebensstrategie, die versucht, ein System zu korrigieren, in dem die Beziehungen drastisch zerbrochen sind. „Wer in der vierten Klasse ist und zuvor keine Lehr- und Studienfahrten erlebt hat, wird auch im nächsten Jahr keine unternehmen, denn in der fünften Klasse werden keine organisiert.“

Die wütenden Eltern hätten sich gewünscht, dass ihre Kinder gegen die Streichung aller Ausflüge und außerschulischer Aktivitäten protestieren und „die Schule in Schutt und Asche legen“. Die Jugendlichen scheinen jedoch einen entwaffnenden Realismus verinnerlicht zu haben. „Ich habe diese Pattsituation erwartet“, gibt Gallippi zu. „Für dieses Jahr wird sich nun nichts mehr ändern lassen.“ Die Antwort der Abschlussklassen lautet: Eigeninitiative. „Wir werden in ein Landhaus in der Toskana fahren, um ein letztes Mal zusammen zu sein, bevor wir uns trennen. Es wird eine selbst organisierte Reise ohne Schulgelder und Vergünstigungen sein. Wir werden ein paar Lehrer einladen. Sie findet außerhalb der Unterrichtszeit statt und wir sind alle volljährig. Es wird interessant sein zu sehen, ob sie zusagen.“
Bis zum Treffen der Schülervertretungen am 24. März, bei dem versucht werden soll, eine endgültige Klarstellung von Landesrat Marco Galateo, zuständig für italienische Schule und Kultur sowie Vizelandeshauptmann, zu erwirken, bleibt das Bild eines erstarrten Systems bestehen. „Die Schüler stecken in einem Labyrinth aus Regeln und Verfahren fest. Es gibt keine Lust mehr, sich so zu exponieren, wie es in den 80er- oder 90er-Jahren der Fall war“, sagt Pastore bitter. Es herrscht ein „Mangel an Biss“, der aus demselben Klima resultiert, das am Carducci-Gymnasium und in vielen anderen Südtiroler Schulen vorherrscht. In gewisser Weise haben die Schüler „gelernt“, dass es keine Ausflüge wie früher mehr geben wird.

Für das Lehrpersonal mag die „Bestreikung“ aller Ausflüge und außerschulischen Aktivitäten ein probates Mittel sein, um zu zeigen, was sie bisher praktisch kostenlos geleistet haben. Die Schüler werden jedoch um wertvolle Erfahrungen gebracht, die zudem die Klassen- und Dorfgemeinschaft gestärkt haben. Insbesondere Schüler aus ärmeren oder zerrütteten Familienverhältnissen sind von diesem Protest betroffen, denn im Gegensatz zu Mittelstandsfamilien können sich viele von ihnen privat organisierte Fahrten kaum leisten.




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