Von: apa
Österreichs Fußball-Nationalteam hat nach 36 Jahren wieder ein WM-Spiel gewonnen. Die ÖFB-Auswahl setzte sich am Dienstag (Ortszeit) in Santa Clara gegen Außenseiter Jordanien mit 3:1 durch und machte zum Auftakt des Turniers in Nordamerika einen wichtigen Schritt in Richtung K.o.-Phase. Die Entscheidung brachten ein Eigentor von Yazan Al Arab (76.) und ein Elfmeter von Marko Arnautovic (102.). Zuvor hatte Ali Olwan (50.) die ÖFB-Führung durch Romano Schmid (21.) egalisiert.
ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick gab vor 68.527 Zuschauern dem zuletzt in Hochform befindlichen LASK-Angreifer Sasa Kalajdzic im Sturmzentrum den Vorzug gegenüber Arnautovic und Michael Gregoritsch. Dahinter rückte in Abwesenheit des verletzten Christoph Baumgartner etwas überraschend Bayern-München-Allzweckwaffe Konrad Laimer auf die Zehner-Position, als linker Außenverteidiger agierte Phillipp Mwene. Viele gelernte Offensivspieler hatte Rangnick dadurch nicht in seiner Startformation.
Jordanien gefährlich, Schmid treffsicher
Die Jordanier wurden bereits nach 90 Sekunden erstmals vorstellig. Kapitän Ihsan Haddad schoss nach einer Umschaltsituation ans Außennetz. Ihr Offensivstar Mousa Al-Tamari prüfte nach acht Minuten erstmals ÖFB-Goalie Alexander Schlager. Dieser musste sich bei einem leicht abgefälschten Schuss von Odeh Al-Fakhoury erstmals richtig auszeichnen (17.). Die Österreicher, als 24. in der Weltrangliste 41 Positionen vor Jordanien, wurden in der Anfangsphase nur durch Kalajdzic ansatzweise gefährlich.
Dann schlug Schmid zu: Der 1,68-Meter-Mann nahm sich nach Zuspiel von Xaver Schlager aus 20 Metern ein Herz und platzierte den Ball im rechten oberen Eck. Für den Werder-Bremen-Legionär war es im 35. Länderspiel das vierte Tor. Österreich bejubelte seinen ersten WM-Treffer seit jenem von Andreas Herzog beim bisher letzten Auftritt 1998 in Frankreich gegen Italien (1:2). Schmid stürmte daraufhin zur Ersatzbank und suchte den am Oberschenkel operierten Baumgartner, um mit ihm gemeinsam zu feiern.
Ein Gegentor mit Vorwarnung
WM-Debütant Jordanien blieb gefährlicher. Ali Olwan köpfelte an die Latte (23.). Einen Schuss von Al-Tamari blockte Philipp Lienhart mit dem Rücken (35.), ein weiterer nach einer Einzelaktion ging neben das Tor (45.+1). Nach der Pause schlug es dann im ÖFB-Gehäuse ein: Nach einem Ballverlust von Xaver Schlager hatte Olwan auf der linken Seite viel Platz. Jordaniens Mittelstürmer schlenzte den Ball von der Strafraumgrenze via Innenstange ins Tor.
Rangnick hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Arnautovic für Kalajdzic ins Spiel gebracht. Der 37-Jährige ist nun auch Österreichs bisher ältester WM-Spieler. In der 59. Minute kamen neben Kevin Danso für den offenbar nicht mehr ganz fitten Kapitän David Alaba auch die erst im Frühjahr vom deutschen bzw. englischen Verband zum ÖFB gestoßenen Paul Wanner und Carney Chukwuemeka. Xaver Schlager und Mwene gingen aus der Partie, Laimer rückte auf die Linksverteidiger-Position zurück.
Arnautovic-Treffer zählt nicht, Eigentor schon
Chukwuemeka brachte einen Abpraller nicht im Tor unter, sein Schuss wurde geblockt (63.). Nach einem Corner gelang Arnautovic aus einem Getümmel das vermeintliche 2:1. Der ursprünglich anerkannte Treffer wurde nach Video-Studium aber zurückgenommen, weil Stefan Posch den von Jordaniens Keeper Yazeed Abulaila unzureichend weggefausteten Ball mit dem Arm zu Arnautovic gelenkt hatte (67.). Das Eigentor von Al Arab wenig später zählte. Der Verteidiger bugsierte einen Corner von Marcel Sabitzer leicht bedrängt von Arnautovic mit dem Nacken bzw. Hinterkopf ins eigene Netz.
Zu Beginn der zehnminütigen Nachspielzeit scheiterte Arnautovic mit einer Topchance auf das 3:1 an Abulaila (92.). Auf der Gegenseite rauschte ein Fernschuss von Ali Azaizeh am rechten Eck vorbei (93.). Arnautovic kam im Finish aber noch zu seinem Treffer: Salim Obaid lenkte einen Schuss des ÖFB-Rekordnationalspielers nach Doppelpass mit dem eingewechselten Patrick Wimmer mit der Hand ab. Der mauretanische Schiedsrichter Dahane Beida zeigte nach VAR-Intervention auf den Punkt, Arnautovic versenkte das Leder sicher im linken Eck.
Erster WM-Sieg seit 1990
Arnautovic und Schmid avancierten zu den ersten beiden Österreichern nach Ivica Vastic, die bei einer EM und einer WM getroffen haben. Ihren bisher letzten WM-Sieg hatte die ÖFB-Auswahl am 19. Juni 1990 in Florenz gegen die USA eingefahren – damals mit 2:1. Erstmals seit 1982 startete Österreich mit einem vollen Erfolg in eine WM. Bei jener in den USA, Kanada und Mexiko geht es am Montag (19.00 Uhr MESZ) in Dallas gegen Weltmeister Argentinien weiter. Der Titelverteidiger hat seinen Auftakt in Gruppe J gegen Algerien dank dreier Tore von Lionel Messi mit 3:0 gewonnen.




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