Arbeitsschutz wegen Zeitdruck egal?

Olympia-Baustelle unter Druck: Video zeigt Arbeiter ohne Sicherung

Donnerstag, 05. Februar 2026 | 07:08 Uhr

Von: idr

Mailand/Cortina – Die Olympischen Winterspiele in Mailand-Cortina stehen kurz vor der Eröffnung, doch die Seilbahn Apollonio-Socrepes, die täglich 2400 Zuschauer zu den Wettkampfstätten am Tofana-Massiv bei Cortina d’Ampezzo bringen soll, wurde nicht rechtzeitig fertig. Nun wirft ein Video schwere Vorwürfe gegen die Baustellenleitung auf: Ein Arbeiter kletterte in schwindelerregenden Höhen ohne Sicherung eine Drehleiter hinab. Wird der Arbeitsschutz in der Austragungsstätte aus Zeitgründen schleifen gelassen?

Die Aufnahmen, die in den sozialen Medien kursieren, sind erschreckend, insbesondere nachdem kurz vor Beginn der Spiele bekannt wurde, dass eben jene Baustelle nicht rechtzeitig fertig werden würde. Nach italienischem Arbeitsschutzrecht ist die Szene ein klarer Verstoß gegen den Arbeitsschutz. Das Gesetzesdekret 81 aus dem Jahr 2008 schreibt vor, dass bei Arbeiten ab zwei Metern Höhe zwingend Absturzsicherungen verwendet werden müssen.

Die Szene wirft die Frage auf, ob der massive Zeitdruck auf der Baustelle zu gefährlichen Kompromissen bei den Sicherheitsvorkehrungen führt. Bereits im vergangenen Herbst hatte es wegen fahrlässiger Erdrutschgefährdung und Missachtung von Arbeitsschutzbestimmungen Anzeigen gegen die Baustellenverantwortlichen gegeben. Ein 40 Meter langer Riss im Boden direkt neben der Baustelle hatte Anwohner und Experten alarmiert.

Bereits einen Monat Verzug

Bauleiter Michele Titton hatte noch im November beteuert, die Anlage bis Januar fertigzustellen. Ein straffer Plan sah vor, dass bis Weihnachten alle Träger und Rollenbahnen stehen sollten. Doch der Zeitplan konnte offensichtlich nicht gehalten werden. Ohne die funktionierende Seilbahn müssen die Organisatoren mit 27.000 Zuschauern weniger rechnen – 15 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität.

Das nun aufgetauchte Video nährt den Verdacht, dass auf der Olympia-Baustelle unter extremem Termindruck gearbeitet wird und das möglicherweise auf Kosten grundlegender Arbeitssicherheit. Eine offizielle Stellungnahme der Baustellenleitung oder der zuständigen Behörden liegt bisher nicht vor. Wann die wichtige Baustelle fertiggestellt wird, bleibt ebenfalls offen.

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