Von: apa
Mikaela Shiffrin hat zum sechsten Mal den Ski-Gesamtweltcup gewonnen. Ein elfter Rang im letzten Saisonrennen reichte der 31-jährigen US-Amerikanerin, um die junge Deutsche Emma Aicher (12.) um 87 Punkte auf Distanz zu halten. Den Riesentorlauf in Hafjell gewann am Mittwoch die Halbzeitführende Valerie Grenier (CAN) vor Mina Fürst Holtmann (NOR/+0,43 Sek.) und Kugelgewinnerin Julia Scheib (+0,57), die es zum achten Mal in zehn Riesentorläufen aufs Podest schaffte.
Shiffrin und Aicher machten es am Saisonende noch einmal spannend. Denn als 17. nach dem ersten Lauf war die US-Amerikanerin außerhalb der Punkteränge klassiert gewesen, während Aicher als Dritte sogar mit dem Ski-Wunder kokettieren durfte. In der Entscheidung aber spielte Shiffrin ihre ganze Routine aus, schaffte den Kugelgewinn aus eigener Kraft, indem sie sechs Plätze gut machte. Die 22-jährige Aicher hingegen fiel nach einem großen Fehler noch hinter Shiffrin zurück.
Shiffrin zieht mit Rekordfrau Moser-Pröll gleich
Im Gesamtweltcup hatte Shiffrin zuletzt Lara Gut-Behrami (2024) und Federica Brignone (2025) den Vortritt lassen müssen. Beide Konkurrentinnen verletzten sich aber vor dieser Saison und Shiffrin stemmte neun Jahre nach ihrem ersten Coup als damals 22-Jährige den großen Glasbecher zum sechsten Mal in die Höhe. Sechs Gesamtweltcupsiege bei den Frauen hatte zuvor nur Österreichs Sportlerin des Jahrhunderts Annemarie Moser-Pröll geschafft.
In den Armen ihres Verlobten Aleksander Aamodt Kilde ließ Shiffrin ihren Emotionen freien Lauf, dann sank sie in den Schnee und schlug die Hände ungläubig vors Gesicht. “Es ist sehr emotional. Das waren meine ersten Tränen seit Olympia. Ich bin so dankbar dafür, in dieser Position zu sein und ich bin auch dankbar für den Zweikampf mit Emma. Was sie im ersten Durchgang gemacht hat, war spektakulär und zeigt, dass sie es kann”, sagte Shiffrin.
Slalom-Queen setzt sich gegen Allrounderin durch
Für den neuerlichen Coup benötigte Shiffrin eine fast perfekte Slalomsaison, um die im Saisonfinish noch einmal aufdrehende Allrounderin Aicher in Schach zu halten. 980 von 1.000 möglichen Punkten wanderten durch ihre Paradedisziplin aufs Konto. Nur ein weiterer Podestplatz kam aus einer anderen Disziplin dazu. In Spindleruv Mlyn wurde Shiffrin Riesentorlauf-Dritte. Aicher stand in Abfahrt, Super-G und Slalom am Podest. Im Riesentorlauf hatte es die Deutsche noch nie aufs Weltcup-Stockerl geschafft – ein Ziel, das aufrecht bleibt.
Bei den Interviews im Ziel war Aichers erster Ärger bereits verpufft. “Der eine Fehler heute war halt dumm, aber der Riesentorlauf geht auch in die richtige Richtung. Ich kann mit einem guten Gefühl jetzt einmal Pause machen”, sagte der Shootingstar im ORF. “Die Shiffrin hat verdient gewonnen. Jetzt kann ich ja weiterarbeiten und hoffentlich kann ich sie nächste Saison von Anfang an ein bisschen nerven.”
Scheib hat bereits Lust nach mehr
“Es ist ein Supergefühl”, meinte indes Scheib, die erträumte Kristallkugel in Händen. “Es ist nach wie vor ein bisschen surreal, sie in der Hand zu haben. Ich hoffe auch, dass es nicht meine einzige Kugel bleibt. Es ist noch Luft nach oben – das ist aufregend, das motiviert mich”, sagte Scheib. Der Spannungsaufbau nach dem erreichten Ziel war ihr laut eigener Aussage nicht leicht gefallen. Zudem kommt der Frühlingsschnee in Norwegen ihrem Fahrstil nicht unbedingt entgegen. Trotz kleiner Schnitzer waren ihre Fahrten erneut podiumswürdig. “Ein Podium ist ein wunderbarer Abschluss dieser super Saison.”
Stephanie Brunner gelang als Fünfte die beste Klassierung seit ihrem vierten Platz beim Weltcupfinale in Saalbach vor zwei Jahren. “Das letzte Rennen ist da, und auf einmal geht es wieder. Ich verstehe nicht, warum es nicht früher gegangen ist, aber ich schließe die Saison gern so ab.” Gedanken an ein Karriereende nach der Olympia-Enttäuschung hat die 32-Jährige wieder verworfen. “Wenn ich sehe, dass es im Training gut funktioniert und im Rennen gar nicht, muss man alles hinterfragen. Aber irgendwas steckt noch in mir, ich möchte nicht aufgeben.” Nina Astner verpasste die Punkteränge als 16. um 2/100.




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