England träumt vom ersten Titel seit 60 Jahren

Titelhungriges England fordert Weltmeister Argentinien

Dienstag, 14. Juli 2026 | 12:57 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Es ist ein WM-Klassiker mit reichlich Historie: Am Mittwoch (21.00 Uhr/live ServusTV) duellieren sich Weltmeister Argentinien um Superstar Lionel Messi und das Mutterland des Fußballs England mit dem kongenialen Duo Harry Kane und Jude Bellingham um den Einzug ins Finale der Weltmeisterschaft. Die “Three Lions” wollen den Traum vom ersten Titel seit 1966 am Leben halten, die “Albiceleste” den vorletzten Schritt zur erfolgreichen Titelverteidigung tätigen.

Argentinien weist in bisher fünf WM-Halbfinals eine makellose Bilanz auf, schaffte jedes Mal den Finaleinzug. Dieser gelang England nur 1966, danach scheiterten die “Three Lions” 1990 und 2018 jeweils in der Vorschlussrunde. Der Weg unter die besten Vier bei der Endrunde in Nordamerika verlief für beide Fußball-Großmächte alles andere als souverän.

Spielerisch überzeugten weder England noch Argentinien durchgehend, bewiesen in der K.-o.-Phase aber enorme Widerstandsfähigkeit. Die “Three Lions” mussten gegen Kongo, Mexiko und Norwegen immer wieder Rückschläge verkraften. Besonders der jüngste 2:1-Erfolg nach Verlängerung gegen Norwegen ging an die Substanz. “Sie weigern sich einfach aufzugeben. Sie akzeptieren keine Niederlage”, sagte Teamchef Thomas Tuchel. Gleichzeitig verlangte der Deutsche eine spielerische Steigerung: “Wir haben einen Weg gefunden und stehen im Halbfinale. Aber wir können und müssen besseren Fußball spielen.”

Kongeniales Duo Bellingham – Kane

Dass England nur noch einen Sieg vom ersten WM-Finale seit 60 Jahren entfernt ist, liegt vor allem am kongenialen Duo Harry Kane und Jude Bellingham. Die beiden erzielten in der K.-o.-Phase sämtliche sieben englischen Treffer und halten im Turnier bei jeweils sechs Toren. Historisch: Noch nie zuvor hatten bei einer Weltmeisterschaft zwei Spieler derselben Nation mindestens sechsmal getroffen. Bellingham gelangen gegen Mexiko und Norwegen jeweils Doppelpacks. “Eine Weltklasseleistung eines Weltklassespielers in den ganz großen Momenten”, schwärmte Tuchel über den 23-Jährigen.

Wirklich überzeugend trat auch Argentinien in den letzten Spielen nicht auf. Vielmehr hielten Messis Geniestreiche den Weltmeister im Turnier. Ob gegen den krassen Außenseiter Kap Verde, gegen Ägypten oder zuletzt gegen die Schweiz: Argentinien stand jedes Mal am Rande des K.o. “Leid ist Teil unserer DNA”, sagte Teamchef Lionel Scaloni. Die Strapazen haben längst Spuren hinterlassen. “Wir kommen aus vielen kräftezehrenden Spielen und müssen uns bestmöglich erholen”, betonte Messi vor seinem dritten WM-Halbfinale.

Messis Premiere gegen England

Der mehrfache Weltfußballer ist einmal mehr der Mittelpunkt des argentinischen Spiels. Messi hält bei acht Turniertoren und führt gemeinsam mit Frankreichs Kylian Mbappe die Torschützenliste an. Im WM-Semifinale kommt es für den 39-Jährigen, der im Fußball scheinbar schon alles erlebt hat, doch noch zu einer Premiere. Erstmals trifft er mit Argentinien auf England. “Es ist etwas Besonderes, weil England eine große Mannschaft und eine Fußball-Großmacht ist”, sagte Messi.

Der argentinische Verband bezeichnete das Duell als “das Spiel, das das Schicksal Messi schuldete”. Neben Messi kann Scaloni in der Offensive auf Lautaro Martínez und Julian Alvarez zurückgreifen. Gerade diese Kaderbreite rettete Argentinien in den jüngsten K.-o.-Spielen. Dennoch offenbarte der Weltmeister Schwächen im defensiven Umschalten und tat sich gegen tief stehende Gegner immer wieder schwer, klare Chancen herauszuspielen.

WM-Klassiker mit Brisanz

Zusätzliche Brisanz erhält die Partie durch ihre Geschichte. England und Argentinien trafen bisher fünfmal bei einer WM aufeinander. Unvergessen sind Diego Maradonas “Hand Gottes” und sein Jahrhunderttor 1986, Argentiniens Erfolg im Elfmeterschießen 1998 nach der Roten Karte für David Beckham sowie Englands Revanche vier Jahre später. Scaloni wollte die politische und historische Dimension dennoch ausblenden. “Es ist ein Fußballspiel. Punkt. Mehr ist es nicht”, sagte der Weltmeistertrainer.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen