„Alphabet der Farbe“

Am Europatag auf den Spuren von Plattner von Bozen nach Schönberg und Salzburg

Montag, 11. Mai 2026 | 11:07 Uhr

Von: mk

Bozen – Zunächst eine Einführung zum Fresko im Plenarsaal des Südtiroler Landtages, dann eine Busfahrt mit Etappen an der Europakapelle in Schönberg im Stubaital und im Großen Festspielhaus in Salzburg – und alles im Zeichen der Werke von Karl Plattner: Das haben am Europatag am 9. Mai die rund 50 Kunstinteressierten an der Exkursion erlebt, die vom Südtiroler Landtag in Zusammenarbeit mit den Landtagen von Tirol und Salzburg organisiert worden ist. An der Veranstaltung hat auch Arnold Schuler, Präsident des Südtiroler Landtages, teilgenommen. „Karl Plattners Kunst zeigt: Europa entsteht dort, wo Verbindungen gelebt werden – zwischen Orten, Menschen und Ideen. Diese Verbindungen sichtbar zu machen und zu stärken, ist der Auftrag des Landtags“, kommentiere Schuler die Exkursion, die Teil der Reihe „Alphabet der Farbe“ im Rahmen des 40. Todesjahres des renommierten Vinschger Künstlers ist.

„Meine Malerei entsteht wie ein Alphabet“, sagte Karl Plattner einst. Bei der Deutung dieses Alphabets unterstützten die Interessierten am 9. Mai die Kunsthistorikerin und Kuratorin Ursula Schnitzer sowie – in Vertretung des Karl Plattner Archivs – der Kurator Alessandro Casciaro. Die Fachleute empfingen die Gäste im Plenarsaal des Landesparlaments und erläuterten ihnen die Geschichte und Besonderheiten des wertvollen Wandgemäldes, das den Raum dominiert. Mit dem Werk ging Plattner als Gewinner aus der Mitte der 1950er-Jahre ausgeschriebenen Wettbewerb zur Gestaltung des Plenarsaals als Sieger hervor. „Im politischen Kontext des Landtages“, erklärt Casciaro, „hat das Fresko, das in klassischer Technik und mit einer Farbpalette aus Erdtönen ausgeführt und formal vom Modernismus inspiriert ist, auch eine symbolische Funktion: Es bildet den sichtbaren Hintergrund für demokratische Entscheidungsprozesse und steht zugleich für die Einheit und Vielfalt Südtirols.“

Anschließend ging es für die Exkursionsteilnehmer mit dem Bus zur Europakapelle in Schönberg im Stubaital. Diese Kapelle ist dem hl. Johannes Nepomuk, dem Patron der Brücken, und Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden, geweiht sowie den beim Bau der Autobahn tödlich verunglückten Arbeitern als Gedenkstätte gewidmet. Letztere wollte auch Plattner mit seinem dort zwischen 1963 und 1964 entstandenen Freskenzyklus ehren. „Was an der Europakapelle besonders beeindruckt“, unterstrich Schnitzer, „ist das Zusammenspiel zwischen Architektur der Kapelle und Malerei: Die moderne, geometrische Struktur mit ihrem offenen, dreieckigen Grundriss und den freien Blickachsen – wie etwa der Blick auf die Brücke – wird durch die Fresken unterstrichen und hervorgehoben. Das Werk dient somit nicht nur als Dekoration, sondern als bedeutungsvolles visuelles Universum, das den Ort an der Schnittstelle zwischen Erinnerung, Religion und europäischem Ideal verortet.“

Die letzte Station der „Kunstfahrt“ war Salzburg: Dort besuchten die Teilnehmer das Große Festspielhaus, das eine bedeutende, 1964 realisierte Malerei von Plattner beherbergt. Sie zeigt eine Stadtansicht, eine Szene mit kirchlichen Figuren und einen Flügel – Elemente, die die Stadt Salzburg prägen. „Das monumentale Gemälde“, hoben Casciaro und Schnitzer unisono hervor, „befasst sich mit dem Thema der Verbindung zwischen Stadt, Kunst und Musik, ähnlich wie andere Kunstwerke im Gebäude, und Plattner trägt dazu bei, das Festspielhaus als ein ‚Gesamtkunstwerk‘ in Szene zu setzen, in dem Architektur, bildende Kunst und Musik eine Einheit bilden – ein zentrales Ziel der Nachkriegsmoderne im institutionellen Kulturbau.“ Damit wurde die Tour an drei Orte, an denen Plattners Poesie besonders deutlich zum Ausdruck kommt und die die internationale Bedeutung seines Werks unterstreichen, abgeschlossen.

Die Veranstaltungsreihe „Alphabet der Farbe“ wird im Herbst mit Führungen im Landtag in Bozen fortgesetzt, bei denen das Fresko und weitere Werke von Karl Plattner entdeckt werden können.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen