Zeit für Menschen in Not

Ein VinziBuddy kommt selten allein

Mittwoch, 23. Mai 2018 | 14:22 Uhr

Bozen – Die Südtiroler Vinzenzgemeinschaft sucht in Bozen volljährige junge und ältere Menschen, die als „Vinzibuddy“ monatlich zwei Stunden Zeit schenken. Ein „VinziBuddy“ ist ein Kumpel, eine Freundin, ein Pate für Menschen in Not.

Zusammen spazieren gehen, Kaffee trinken, gemeinsam Sport betreiben, jemanden besuchen, das eigene Talent unterstützend anbieten: Vielen Menschen in Bozen fehlen menschliche Kontakte. Die Südtiroler Vinzenzgemeinschaft lädt volljährige junge und ältere Menschen ein, als „VinziBuddy“ monatlich mindestens zwei Stunden ihrer Zeit zu schenken: als Kumpel, Freundin oder Pate von Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Das erste Treffen für Interessierte findet am 5. Juni in Bozen statt.

Die Wirtschaft in Südtirol brummt, doch die Not sitzt fest. Vor allem in der Landeshauptstadt geht die Schere zwischen Arm und Reich sichtbar auseinander. Freiwillige der Vinzenzgemeinschaft führen in Bozen den VinziBus am Verdiplatz, ein Fürsorge- und Beratungszentrum in der Kapuzinergasse, eine Kleiderkammer in der Rittner Straße und machen verschiedene Begleitdienste. Sie haben das Ohr bei jenen Menschen, die durch den sozialen Rost fallen. Die Südtiroler Vinzenzgemeinschaft sucht jetzt volljährige junge, aber auch ältere Menschen, die bereit sind, Zeit zu schenken, ihr Talent zu teilen und anderen Mut zu machen: Einsame freuen sich über einen Besuch, obdachlose Menschen über ein Gespräch, Alleinerziehende über Hausaufgabenhilfe für die Kinder, eingewanderte Menschen über sportliche Aktivitäten, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen.

Der Bozner Laurin Pobitzer ist ehrenamtlicher Leiter des Projektes „VinziBuddy“. Er kennt Zeitmangel junger Menschen aus eigener Erfahrung. Trotzdem will er „als einer, der viel Glück im Leben hatte“, ein wenig von diesem Glück verschenken. Vor allem die Einsamkeit vieler Menschen sei eine große Herausforderung, sagt er. Depression, Sucht- und Suizidgefahr seien die Folge. Mit geschenkter Zeit könne diesem Problem wirksam entgegengetreten werden.

Georg Oberrauch unterstreicht als Initiator des Projektes den niederschwelligen Zugang zum VinziBuddy: „Wir sind keine ausgebildeten Sozialarbeiter. Aber wir haben Herz, Hirn und Tatkraft“, sagt er. Not habe viele Gesichter und verstecke sich vielfach. Daher gelte es, den Menschen mit besonderer Sensibilität und auf Augenhöhe zu begegnen. Solidarität mit Menschen in Not gebe vieles vom Geschenkten zurück: Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Einblick in fremde Lebenswelten. Der Zentralratspräsident der Südtiroler Vnzenzgemeinschaft Josef Andreas Haspinger hofft auf viel Resonanz: „Wenn sich auch nur jeder 1.000ste Bozner meldet, haben wir schon mehr als 100 Buddies“, zeigt er sich optimistisch.

Schülerinnen und Schüler der Klasse 2A Medien der Bozner Landesberufsschule für Handel und Grafik J. Gutenberg haben Logo, Plakate und T-Shirts für die Freiwilligensuche entwickelt. Helga Kasseroler und Paul Plunger haben sie als Lehrpersonen begleitet.

Interessierte VinziBuddies können sich montags, mittwochs und freitags von 9 bis 11 Uhr telefonisch unter 0471 970 086 und jederzeit per Mail an info@vinzibuddy.it anmelden. Unter www.vinzibuddy.it erfahren sie mehr über das Projekt. Laurin Pobitzer und sein Team laden am Dienstag, 5. Juni um 19.30 Uhr zum ersten VinziBuddy-Informationsabend in den Ozanam-Saal beim Kapuzinerkloster in der Bozner Wolkensteingasse 1 ein.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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