Festival in Bozen

Feminismus und Sinneswahrnehmung im Tanz

Montag, 24. Juli 2017 | 12:57 Uhr

Bozen – Auf dem Festivalprogramm von Tanz Bozen stehen am Dienstag, 25 Juli zwei Veranstaltungen: Im Bozner Stadttheater zeigt die spanische Choreografin Marina Mascarell um 21.00 Uhr Three Times Rebel, ein Stück, in dem sie sich – gemeinsam mit der Cellistin Yamila Ríos – mit dem Thema Gleichberechtigung und dem feministischen Kampf um Gleichheit auseinandersetzt. Cristina Kristal Rizzo zeigt hingegen von 17.00 bis 20.00 Uhr im Cubo Garutti in der Sassari-Straße die ortsspezifische Performance ikea – site specific. Im Inneren des Cubo im Bozner Don Bosco Viertel lotet die Tänzerin Annamaria Ajmone ihre Sinnesgrenzen aus.

Marina Mascarell setzt neue Trends in der internationalen Tanz- und Choreografieszene. Die Spanierin verleiht sozialkritischen Themen über ihren Tanz Sichtbarkeit. In ihrem jüngsten Werk Three Times Rebel (2016), eine Koproduktion mit dem Nederlands Danse Theater, setzt sie sich mit dem Thema Gleichberechtigung und dem feministischen Kampf um Gleichheit auseinander.

Nach einer sorgfältigen Recherchearbeit setzt sich die Choreografin mit der nicht vorhandenen Gleichberechtigung in der heutigen Zeit auseinander, die sich in der Erniedrigung des weiblichen Körpers widerspiegelt, in einer stereotypen Erziehung, der direkten oder indirekten Gewalt.

Was gab den Anstoß zu diesem Stück?

In Three Times Rebel geht es um Feminismus und um die anhaltende Unterdrückung der Frauen in der Gesellschaft von heute. Feminismus ist ein unendlich breites Feld mit vielen Unterthemen. Ich habe in meiner Recherche versucht, das Thema so breit wie möglich zu fassen und recherchierte u.a. zu Stereotypen, sozialem Druck, Kapitalismus des weiblichen Körpers, Fürsorgeethik, symbolischer Gewalt, strukturellen Problemen, der Banalisierung von Gewalt gegenüber Frauen, der Wahrnehmung von Geschlecht … so ist schließlich das Stück entstanden.

Warum gerade jetzt?

Im Zentrum meines vorherigen Stücks steht das Gesetz von Jante – eine gesellschaftliche Verhaltens-Richtlinie im skandinavischen Kulturraum. Es geht darin um die Unterdrückung von Individualität durch die Gesellschaft. Ich sehe Three Times Rebel als Fortführung davon. In den jüngeren Generationen hat die Gewalt gegen Frauen wieder zugenommen: Das ist eine erschreckende Tatsache.

Wie haben Sie diese Thematik in eine Tanzsprache übersetzt?

Jede/r Performer/In hat unterschiedliche Qualitäten und bringt diese ins Stück ein. Während der Erarbeitung wurden Erfahrungen ausgetauscht und viel miteinander gesprochen. Ich glaube, für uns Frauen geht es darum wachzurütteln. Was bietet die Live-Musik von Yamila Ríos? Live gespielte Musik zu hören, hat an sich schon einen großen Wert. Aber in diesem Fall war Yamila von Anfang an in das Projekt involviert. Wir wollten einerseits mit den Stereotypen brechen, denen eine Cellospielerin bzw. eine Frau, die elektronische Musik macht, ausgesetzt ist, andererseits wollten wir die Stimme als Sprachrohr nutzen, um auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Die Tatsache, dass dies live auf der Bühne passiert, gibt dem Ganzen mehr Gewicht.

Marina Mascarell, geboren in Spanien im Jahre 1980, studiere zunächst Tanzpädagogik an der Universität Rey Juan Carlos, anschließend erwarb sie den Master in Performing Arts. Sie tanzte im Nederlands Dans Theater 1 und 2 und mit dem Cedar Lake Contemporary Ballet. Seit 2011 ist sie freischaffende Choreografin. Ihre Arbeiten sind Teil des Repertoires des Scapino Ballet (Twools), des Ballet Junior von Genf, des Göteborg Ballet (Mongrel) des Ballet de l’Opéra de Lyon, für das sie im September 2016 Le diable batte sa femme et marie sa fille geschaffen hat. Im Jahre 2015 wurde ihr der BNG Bank Dance Award for Excellent Talent verliehen.

Von: ao

Bezirk: Bozen

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