Ausstellung zeigt zeitgenössische Kunst

Grenzgänge: Julia Bornefeld und Michael Fliri in der Festung Franzensfeste

Donnerstag, 13. September 2018 | 16:12 Uhr

Franzensfeste – Mit der Ausstellung „Grenzgänge: Julia Bornefeld & Michael Fliri“ setzt die Festung Franzensfeste den roten Faden zur zeitgenössischen Kunst fort und schafft gleichzeitig ein neues Format: Zwei Kunstschaffende beschäftigen sich im Dialog mit den geschichtsträchtigen Räumen der Franzensfeste und mit einigen der großen Themen der geplanten Dauerausstellung und zwar Grenzen und Grenzerfahrungen.

Die Ausstellung kombiniert neu entstandene und ältere, für den Ort neu interpretierte Arbeiten von Bornefeld und Fliri auf Leinwand, Fotografien, Videoinstallationen und Skulpturen und setzt diese in ein Verhältnis zu den Räumlichkeiten der Festung und zueinander. Michael Fliri und Julia Bornefeld, beide zum Teil in Südtirol ansässig und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, stellten sich auf unterschiedliche Weise dieser künstlerischen Herausforderung.

Julia Bornefeld

Die Künstlerin arbeitete im Herbst 2017 und im Frühjahr 2018 mehrere Monate auf der Festung und ließ sich davon unmittelbar inspirieren. Für Bornefeld ist die Festung, die auf viele unnahbar und undurchdringlich wirkt, in diesen Monaten zu einer Verbündeten geworden. Der eisige Wind, der viele Schnee, der mit einer dicken Eisschicht überzogene Stausee, die winterlichen Temperaturen und Lichtverhältnisse in den im Schatten liegenden Innenhöfen ließen Julia Bornefeld in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen gehen. Es sei ein Ort „zwischen Knast und Kirche“ und hätte das Flair einer jener Ausstellungshallen, wie sie nach dem Mauerfall in Berlin Mitte in Fabrikshallen entstanden sind, sagt Bornefeld.

Ganz im Sinne der Theorie des Biologen Rupert Sheldrake, mit dem sich die Künstlerin intensiv auseinandergesetzt hat (die Theorie der morphischen bzw. morphogenetischen Felder besagt, dass sich Organismen gegenseitig durch ihre bloße Anwesenheit beeinflussen), sind in diesem Zeitraum verschiedene Werkzyklen mit dem Titel „morphic fields“ entstanden, die in ihrer monochromen Farbigkeit sich in die Atmosphäre der winterlichen Franzensfeste einfügen.

Eine Auswahl dieser Arbeiten auf Leinwand und ein in Zusammenarbeit mit dem Filmkünstler Michael Beyer entstandenes Video zu einer der Werkserien ist in der Ausstellung mit drei skulpturalen Arbeiten kombiniert: „Ephemere“, ein schillerndes Lichtobjekt, das in Größe und Glanz an die Kronleuchter der Belle Epoche erinnert und erst bei näherem Betrachten zu erkennen gibt, dass es aus tausenden kupferfarbigen Ein-Cent-Münzen zusammengesetzt ist; als solches steht es als prachtvolles Sinnbild für die Flüchtigkeit des Geldes und die Vergänglichkeit von Werten. „Alba“, ein in den Raum ragendes, aus verkohlten Holzlatten gezimmertes „Italien“, das in Referenz zur italienischen Kunstrichtung Arte Povera der endsechziger und siebziger Jahre auf die heutige Realität der aktuellen Migrationsströme anspielt. Und schließlich „Porifera“, eine schwebende Licht- und Soundinstallation, Hommage an die faszinierende Welt der Schwämme.

Michael Fliri

Wer Michael Fliris künstlerische Laufbahn bis heute verfolgt hat, kennt ihn vorwiegend als Performance-Künstler und weiß, dass der Begriff Grenzgänger (zwischen Orten, Künsten und Medien) auf ihn schon lange zutrifft. Grenzgänge vollzieht Fliri aber nicht nur zwischen den Kunstformen, indem er die Grenzen zwischen Film, Fotografie, Skulptur oder Sound auslotet, sondern vor allem innerhalb seiner Werke oder

Werkserien

Von einem Anspruch scheint Michael Fliri geradezu besessen zu sein: Er will den Zwischenraum immer wieder neu erfahrbar und sichtbar machen, etwa als der psychologisch hochspannende Hohlraum zwischen Gesicht und Maske in den Masken-Skulpturen von „Where do I end and the world begins“, oder als Hauch des Lebens in den beatmeten Bergspitzen der Fotoserie „My private fog II“. Beständig und mit feiner Ironie umkreist Fliri also das Thema der Verwandlung, des Übergleitens in unterschiedliche Zustände, des Bei-sich-Seins und des Außer-sich-Geratens und entwirft dafür magische Szenerien. Die Rauminstallation „Archeological inflation“, an der Michael Fliri zusammen mit seiner Art Direktorin Antoinette Bader und einem Tiroler Glasbläser bis wenige Tage vor der Eröffnung auf Hochtouren gearbeitet hat, feiert auf der Festung Premiere: Aufgebahrt auf lederbezogenen Podesten leuchten mundgeblasene Glasballons unter Gittern hervor und verwandeln den Raum (auch) in eine sakrale Kultstätte, oder, noch einmal, in einen Ort „zwischen Knast und Kirche“.

Kuratiert wurde die Ausstellung von der Koordinatorin der Franzensfeste Esther Erlacher, zu sehen ist sie bis 3. Juni 2019. Am Samstag, 29. September, um 11 Uhr, findet die Uraufführung von Michael Fliris Performance Polymorphic Archetypes im Rahmen des Festivals Transart statt.

Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Samstag, 15. September 2018 um 11.00 Uhr, im Landesmuseum Festung Franzensfeste, Brennerstraße, Franzensfeste in Anwesenheit der geschäftsführenden Direktorin des Betriebs Landesmuseen, Angelika Fleckinger, Richard Amort, Vizebürgermeister von Franzensfeste und Mitglied des Vereins Oppidum, Esther Erlacher, Koordinatorin der Festung Franzensfeste und Kuratorin der Ausstellung sowie Julia Bornefeld und Michael Fliri.

Von: mk

Bezirk: Eisacktal

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