Ausstellungseröffnung

„Lost & Found. Archäologie in Südtirol vor 1919“ eröffnet

Dienstag, 02. April 2019 | 17:40 Uhr

Bozen – „Lost & Found. Archäologie in Südtirol vor 1919“, die aktuelle Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum, wurde gestern Abend von Landeshauptmann Arno Kompatscher eröffnet. Der Landeshauptmann, der nun auch die Museen in seiner Agenda führt, unterstrich die positive und gelungene Zusammenarbeit der Museen aus den alten Teilen Tirols, der heutigen Europaregion. Dadurch sei es gelungen, eine große Anzahl herausragender archäologischer Funde wenigstens vorübergehend
wieder in Südtirol beziehungsweise in Bozen auszustellen.

Die Sonderausstellung ist ab heute (2.4.) bis 17.11.2019 täglich außer montags von 10.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen (in den Monaten Juli und August auch montags).

Die Anfänge der archäologischen Forschung in Südtirol liegen in der Zeit vor 1919. In den Jahrhunderten, die dem ersten Weltkrieg vorangehen, waren südlich der Alpen unzählige archäologische Funde ans Tageslicht gekommen. Viele von ihnen gelangten in private Sammlungen oder Museen außer Landes und wurden damit unerreichbar. Für die Sonderschau durchforstete das Südtiroler Archäologiemuseum Museumsdepots in aller Welt und trug bemerkenswerte und wertvolle Objekte aus dem heutigen Südtirol zusammen. Die meisten dieser Funde sind zuvor noch nie ausgestellt worden. Einige davon waren sogar der Archäologie unbekannt.

Zur Sonderausstellung ist ein umfangreich bebilderter Katalog erschienen. Die Erinnerung an den Vertrag von Saint-Germain (10.9.1919) und der damit verbundene Übergang Südtirols zu Italien veranlasste das Südtiroler Archäologiemuseum, weltweit nach Objekten zu suchen, die vor 1919 im südlichen Teil von Alttirol ausgegraben wurden. Die beiden Kuratoren der Sonderausstellung, Andreas Putzer und Günther Kaufmann, beide Archäologen am Südtiroler Archäologiemuseum, wählten knapp 1000 archäologische Funde mit eindeutiger Provenienz aus alten Museumssammlungen in Südtirol, dem Trentino, aus Österreich, aus Museen in Bayern, Berlin und Heidelberg, Hamburg, Moskau, England sowie aus einem Museum in Nordamerika.

Die Gründe und die Wege, über welche archäologische Funde aus Südtirol in die verschiedensten Sammlungen gelangten, sind teils abenteuerlich, oft auch nicht mehr nachvollziehbar. Was bleibt, ist ihre historische Bedeutung: die für die Sonderausstellung ausgewählten Objekte illustrieren eindrücklich das ganze Spektrum an handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten der lokalen Bevölkerung, die zwischen dem 4. Jahrtausend vor Christus (Neolithikum, Kupfer- und Bronzezeit) über die Eisen- und Römerzeit, sowie über das Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert nach Christus am Südrand der Alpen siedelte oder dort ihre Einflüsse hinterlassen hat.

Im Zentrum der Sonderausstellung stehen die wiederentdeckten Funde. Angelehnt an die historischen Schausammlungen des 19. Jahrhunderts werden sie nach ihrem aktuellen Aufenthaltsort geordnet gezeigt.

Die erste Beschäftigung mit archäologischen Denkmälern auf dem heutigen Gebiet von Südtirol geht auf einzelne, federführende Persönlichkeiten wie Johann Turmair, genannt Aventinus (15./16. Jahrhundert) und Anton Roschmann (17./18. Jahrhundert) zurück. Durch ihr Interesse an Altertumskunde dokumentierten sie, weit vor ihren Zeitgenossen, antike Objekte, römische Weihesteine oder zufällig geborgene archäologische Funde südlich der Alpen.

In der Folge der Napoleonischen Kriege wurde die Erforschung von Natur und Geschichte zu einer „vaterländischen“ Aufgabe. Beides sollte Wissenschaftlern und Interessierten zu Bildungszwecken in Museen zugänglich gemacht werden. Durch die Besinnung auf die eigene Kultur und Tradition kam es auch im Kronland Tirol zur Gründung von Museumsvereinen, später zur Errichtung erster Museen: 1823 eröffnete in Innsbruck unter der Schirmherrschaft von Thronfolger Erzherzog Ferdinand das „Tiroler Nationalmuseum Ferdinandeum“. Auch auf der Alpensüdseite entstanden eigene Museen und Bibliotheken: 1851 in Rovereto, 1856 in Trient, schließlich 1882/1905 in Bozen, 1900 in Meran und 1901 in Brixen mit jeweils eigener archäologischer Sammlung.

Ihre aktive Rolle in der Dokumentation antiker Funde führen die oben genannten historischen Persönlichkeiten posthum auch in der aktuellen Sonderausstellung weiter. Animierte Bilder zitieren aus ihren Reiseberichten und erläutern ihr Studium archäologischer Funde auf dem Gebiet des heutigen Südtirol. Persönliche und unterhaltsame Geschicke und Missgeschicke bei ihrer Forschungstätigkeit werden den Ausstellungsgästen dabei nicht verschwiegen.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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