Auf Mumienkongress präsentieren Forscher neue Erkenntnisse

Ötzi: Heimtückischer Mord und Kontakte nach Mittelitalien

Montag, 19. September 2016 | 15:18 Uhr

Bozen – Das Kupfer von Ötzis Beilklinge stammt nicht – wie bisher angenommen – aus dem Alpenraum, sondern wurde aus südtoskanischem Erz gewonnen. Ötzi war wahrscheinlich nicht in den Prozess der Metallverarbeitung eingebunden, wie es erhöhte Arsen- und Kupferwerte in seinen Haaren bislang vermuten ließen. Seine Ermordung vor über 5.000 Jahren scheint auf eine persönliche Konfliktsituation Tage vor seinem Tod zurückzugehen, und der Mann aus dem Eis litt trotz Normalgewichts und viel Bewegung unter etlichen Gefäßverkalkungen. Diese und andere neue Erkenntnisse präsentieren Wissenschaftler aus aller Welt in diesen Tagen auf dem internationalen Mumienkongresses in Bozen. Zum 25. Jubiläum von Ötzis Entdeckung sind alle drei Kongresstage, vom 19.-21. September,  dem Mann aus dem Eis gewidmet.

Seit der Mann aus dem Eis am 19. September 1991 gefunden wurde, zieht er Forscher aus aller Welt in seinen Bann – keine Leiche wurde eingehender untersucht. „Für die Forschung hat Ötzi nicht die Bedeutung eines isolierten Mumienfunds. Er ist vielmehr ein typischer Europäer aus der früheren Zeit und daher so wertvoll“, erklärt der Anthropologe Albert Zink von EURAC Research, der wissenschaftliche Leiter des Kongresses. „Dadurch, dass Ötzi als Gletschermumie so gut erhalten ist, dient er uns Forschern als Modell, an dem wir wissenschaftliche Methoden etablieren, die dann auch an anderen Mumien angewendet werden“, so Zink. „Heute beschäftigt uns vor allem, wer der Mann aus dem Eis war, welche Rolle er in der Gesellschaft hatte und was in seinen letzten Lebenstagen passiert ist. Verfeinerte Methoden, auf die die Forscher heute zurückgreifen können, liefern uns immer neue Hinweise“, sagt Angelika Fleckinger, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums, das den Kongress mitorganisiert.

Kontakte nach Mittelitalien

Eine überraschende neue Erkenntnis gibt es zu Ötzis herausragendstem Ausrüstungsgegenstand, dem wertvollen Kupferbeil. Anders als bisher vermutet, stammt das Kupfer der Klinge nicht aus dem Alpenraum – Ost- oder Nordtirol schienen Experten die wahrscheinlichsten Herkunftsorte – , sondern aus Mittelitalien: Die Forschungsgruppe Archäometallurgie um Professor Gilberto Artioli von der Universität Padua hat herausgefunden, dass das Metall aus südtoskanischem Erz gewonnen wurde.

Für die Herkunftsbestimmung entnahmen die italienischen Wissenschaftler eine winzige Probe der Klinge und verglichen die  Mengenverhältnisse der Blei-Isotope – eine Art „Fingerabdruck“ von Erzvorkommen, der unverändert an daraus gefertigte Objekte weitergegeben wird – mit den  entsprechenden Daten einer Vielzahl von Lagerstätten in Europa und im gesamten Mittelmeerraum; das Ergebnis zeigt eindeutig in die Südtoskana.

„Mit diesem Befund hatte niemand gerechnet. Wir werden weitere Analysen in Auftrag geben um diese ersten Ergebnisse abzusichern“, unterstreicht Angelika Fleckinger. Wird sie bestätigt, liefert die neue Erkenntnis der Forschung interessante Denkanstöße:  Kam Ötzi als Händler womöglich bis in die Gegend des heutigen Florenz? Wie sahen zu seiner Zeit die Handelsverbindungen und kulturellen Kontakte mit dem Süden aus? Waren mit dem Warenaustausch auch Populationswanderungen verbunden, zogen also Menschen aus dem Süden in den Alpenraum und umgekehrt? „Gerade was Fragen zur Bevölkerungsentwicklung angeht, ist das eine spannende Erkenntnis“, erklärt Albert Zink.

Doch kein Kupferschmelzer?

Eine andere in der Forschung seit langem diskutierte Frage ist jene, ob Ötzi womöglich selbst in der Kupferverarbeitung tätig war. Wissenschaftler haben diese These vertreten, weil in den Haaren der Mumie erhöhte Arsen- und Kupferwerte nachgewiesen wurden – erklärbar zum Beispiel durch den Rauch, der beim Schmelzen und Gießen von Metall eingeatmet wird.

Neu untersucht hat die Frage jetzt der Geochemiker Wolfgang Müller, der an der Londoner Royal Holloway University forscht und mittels Isotopenanalyse schon Ötzis Herkunft aus Südtirol klärte. Anhand hochentwickelter Analysemethoden wie Laser-Massenspektrometrie und Speziationsanalyse untersuchte Müller’s Team nicht nur Haare, sondern auch Nagel-, Haut- und Organproben Ötzis auf ihre Schwermetallbelastung.

Seine – noch vorläufigen – Ergebnisse lassen die These, dass Ötzi in der Metallverarbeitung tätig war, voreilig erscheinen: Zwar fand Müller leicht erhöhte Arsenwerte im Nagel, aber nicht in den anderen Gewebeproben. Kupfer ist nur an den Rändern erhöht und korreliert mit anderen Alterationsindikatoren, und somit ist fraglich, ob man Ötzis Schwermetallbelastung zu Lebzeiten noch exakt bestimmen kann – erhöhte Werte könnten auch auf Umwelteinflüsse während der gut 5000 Jahre seit seinem Tod zurückzuführen sein.

Radiologische Untersuchung mit neuestem CT-Gerät

Eine neue Computertomografie (CT) am Mann aus dem Eis haben die Radiologen Paul Gostner und Patrizia Pernter im Jänner 2013 in der Röntgenabteilung im Krankenhaus Bozen durchgeführt. Dabei verwendeten sie ein CT-Gerät der neuesten Generation dank dessen großer Öffnung die Ärzte Ötzi trotz seiner abgewinkelten Armhaltung zügig von Kopf bis Fuß durch das Gerät fahren konnten. Neben den schon bekannten Gefäßverkalkungen an Bauch- und Beinarterien entdeckten die Mediziner durch die verbesserte Bildqualität drei kleine Verkalkungen nahe der Ausflussbahnen des Herzens, die ihnen bis jetzt entgangen waren. Das untermauert den früheren Befund von Molekularbiologen der EURAC, dass Ötzi eine starke genetische Veranlagung für Herzkreislauferkrankungen hatte und diese vermutlich auch der Hauptgrund für seine allgemeine Arteriosklerose war.

Ermittlungen eines „Profilers“

Ötzi ist ermordet worden, darauf deutet die 2001 entdeckte Pfeilspitze in seiner linken Schulter hin. Aber wie waren die Tatumstände? Das Südtiroler Archäologiemuseum hat Hauptkommissar Alexander Horn von der Kriminalpolizei München im Jahr 2014 damit beauftragt, im „Mordfall Ötzi“ mit neuesten kriminalistischen Methoden zu ermitteln. Horn befragte „Bekannte“ des Mordopfers, beispielsweise Archäologen des Museums, die Ötzi seit Jahren betreuen, sowie Experten aus der Rechtsmedizin, Radiologie und Anthropologie. Mitglieder des Projektteams nahmen auch einen Lokalaugenschein an der Fundstelle in Schnals vor. Das Ergebnis der  Ermittlungen: Ötzi fühlte sich kurz vor seiner Ermordung wahrscheinlich nicht bedroht, da die Situation am Auffindungsort am Tisenjoch auf eine Rast mit einer reichlichen Mahlzeit hindeutet. Tage vorher hatte er sich vermutlich bei einer körperlichen Auseinandersetzung eine Abwehrverletzung an der rechten Hand zugezogen. Es fanden sich keine weiteren Verletzungen, was ein Anzeichen dafür sein könnte, dass er in dieser Auseinandersetzung nicht unterlegen war. Der wohl tödliche Pfeilschuss kam aus größerer Distanz und für das Opfer überraschend, demnach heimtückisch. Weitere medizinische Befunde legen nahe, dass das Opfer stürzte und der Täter keine weitere Gewalt anwandte. Offenbar wollte der Täter keine körperliche Auseinandersetzung riskieren, sondern wählte einen Angriff aus der Distanz, um den Mann aus dem Eis zu töten. Da wertvolle Gegenstände wie die Kupferaxt am Tatort verblieben, fällt auch Diebstahl als Motiv aus: Der Grund des Delikts ist wohl in einer persönlichen Konfliktsituation zu suchen, in einer vorangegangenen Auseinandersetzung – „ein Verhaltensmuster, wie es sich auch heute noch bei der großen Masse der Tötungsdelikte zeigt“, erklärt Alexander Horn.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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36 Kommentare auf "Ötzi: Heimtückischer Mord und Kontakte nach Mittelitalien"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
herbstscheich
Grünschnabel
10 Tage 17 h

total spannend – aber wär es denn doch besser, das Forscherhirnschmalz für wichtigere Themen einzusetzen???

Tabernakel
Tratscher
10 Tage 13 h

Was ist denn wichtiger?

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

@Tabernakel hmm ja…..die fetternwirtschaft in dieser skurilen provinz

Gagarella
Grünschnabel
10 Tage 14 h

Ötzi war bestimmt Abgeordneter in Rom. Als er von dort flüchtete, weil er mit der Mafia nichts mehr zu tun haben wollte, flüchtet er Richtung  Norden, klaute in der Toscana einen Kupfer-Beil. Als er am Eingang ins Schnalstal das Schild Ötztaler – Alpen sah, folgte er diesen. Auch die Mafia war ihm auf den Versen. Am Gletscher, noch bevor er Österreich erreichen konnte, hat ihn die Mafia aus dem Hinterhalt mit einen Pfeil getötet. Er wollte Asyl, in Österreich, und der Reinhold Messner macht aus  ihn das, was er schon immer war, nämliche ein 100% er Italiener. R. I. P. 

Staenkerer
Superredner
10 Tage 11 h

guat recherchiert 👍! der brenner wor wegn den asylantnstrom mit an zaun gsichert sem hattn de mafia nit derwischt mit seine rennpotschn .. oder so!
ach de italiener ..

Kurt
Grünschnabel
10 Tage 15 h

Unglaublich, was diese Mumie hergibt👍

Poppi
Grünschnabel
10 Tage 14 h

Öbr bi ins dou drklärnse VIELES net auf….

ando
Tratscher
10 Tage 15 h

heute im radio gehört: messner hat diesen mann in ägypten geklaut und und ihm in eis begraben, um das südtirol einen sesantionsfund hat😂

tresel
Tratscher
10 Tage 11 h

@ando des hon i a gheart, is geile isch lei dass des olls vor 5000 jahren passiert sein soll 😆

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

lol
gar nicht mal so abwegig!!!

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

@tresel haha sehr witzig!! reinhold messsner ist blöderweiße erst 900 Jahre alt!! also wie soll das gehen?

Staenkerer
Superredner
10 Tage 14 h

werd sechn de findn in mörder! de carabinierie sein ihn gonz dicht auf de versen .. des dauert ba de it. hold a bisl länger, ooooober kriegn tien sie ihn … wettn!!!!!

elmar
Grünschnabel
10 Tage 14 h

Interessant und Spannend zu gleich. Aber ich frage mich ob es richtig ist eine Leiche kommerziell so aus zu schlachten ??!!!

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

ja warum nicht!! die leiche selbst hat sich noch nie beschwert!!!

Sel woas i
Neuling
10 Tage 13 h

osti i hoff sie findn in Mörder

PI16
Neuling
10 Tage 15 h

so einen quatsch habe ich selten gehört!

Tabernakel
Tratscher
10 Tage 13 h

Kaum war er über die Grenze in Südtirol, schon hatte er einen Pfeil im Rücken.

dieLahne
Neuling
10 Tage 12 h

Kontakte nach Mittelitalien, ob er deswegn ermorded wordn isch? 😀

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

haha dachte ich auch

tommile
Neuling
10 Tage 11 h

Lasst ihn ruhen! In Frieden

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

wen? reinhold messner?

Der Boese
Grünschnabel
10 Tage 12 h

Die Millionen Mumie de bring Kohle Super für Südtirol

Tiroler
Grünschnabel
10 Tage 11 h

Olm interessant wos man so noch 5000 johr über an mensch olls wissn konn ” kontakte noch mittelitalien dass es a südtiroler isch ” usw. oanfoch lai unglablich

Jogl
Tratscher
10 Tage 11 h

Der Ötzi hätte nach Süden flüchten sollen, in Richtung Afrika.
🏃🏿. Dann wäre ihm einiges erspart geblieben.🏹

fritzol
Grünschnabel
10 Tage 57 Min

Das es lei möglich ist die leute jahrelang mit den sogenannten sensationen zu verarschen, morgen kimmt auser das er a homo war.

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

war ja ein homosapien!! so wie du!!!

fritzol
Grünschnabel
8 Tage 21 h

@genau lieber sapien als homo!

WM
Tratscher
10 Tage 10 h

Scheinbar hots damals a schun die mafia geben

silas1100101
Neuling
10 Tage 9 h

Worscheinlich hot ihn die Mafia umgebrocht!! Villeicht hot er net Schutzgeld gezohlt!! Den Täter 10 Jahre einsperren!!!

Missx
Grünschnabel
10 Tage 1 h

Ötzi ist der bestuntersuchte Mensch der Welt – und eine ! metallische! Pfeilspitze wird erst nach so langer Zeit entdeckt. Ein Lob an die Ärtzte und hoffentlich werde ich nie krank!

iv
Neuling
10 Tage 12 Min

Hoffentlich wor net der Yeti dr Mörder.

Karl
Grünschnabel
9 Tage 21 h

Nun ist es klar :  es war ein Auftragsmord der Ur-Mafia. :-))
Aber Spaß  beiseite. Was muss Ötzi noch alles über sich ergehen lassen bis er endlich seine  verdiente Totenruhe haben wird.

einstein
Grünschnabel
10 Tage 9 h

Die Arterienverkalkung sind wohl auf zu viel Speckkonsum zurückzuführen, vom Schweinefleisch, das bereits vor 5000 Jahren aus Holland importiert wurde.

genau
Grünschnabel
9 Tage 12 h

haha ha oder vom flaschenbier beim zeltfest

Grisu
Grünschnabel
10 Tage 1 h

Wenn se no länger so intensiev weiterforschen, kimmp zum Schluss no auser, daß Ötzi a Nepalaner mit Nomen Yeti isch.

knoflheiner
Grünschnabel
9 Tage 4 h

Wenn lossn sie endlich amoll den Zoch in ruha.
Leichter hattn sie ihn am berg obn glei ingrobn.

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