Caracas schickte bunten LKW, Österreich läutet die Glocke

Schlussproben im Austro-Pavillon in Venedig eingeläutet

Dienstag, 05. Mai 2026 | 12:56 Uhr

Von: apa

Pünktlich um 11 Uhr sind am Dienstag die letzten Proben für die “Seaworld Venice”, die Florentina Holzinger im Österreich-Pavillon der Kunstbiennale Venedig etabliert, von der Starperformerin persönlich eingeläutet worden – und das im buchstäblichsten Sinne. Wer sich davon ein Bild machen möchte, kann das Cover von Eva Dichands neuem Kunstmagazin “Crack-a-Jack, The Art Magazine” (auch online) studieren. Der Körpereinsatz ist jedenfalls rückhaltlos.

Während der gesamten Dauer der Biennale soll hier zu jeder vollen Stunde die Glocke geschlagen werden. “Wir läuten damit eine neue Zeit ein”, strahlt Kuratorin Nora-Swantje Almes im Gespräch mit der APA, “und machen damit dem Campanile Konkurrenz. Und den anderen Glockentürmen. 200 gibt es davon in Venedig, wie wir bei unseren Recherchen herausgefunden haben.”

Publikum ist zur aktiven Teilnahme aufgefordert

Bis zur offiziellen Eröffnung am Mittwoch sollen keine Details über einen Auftritt veröffentlicht werden, der spektakulär ist. Schon wird diskutiert, ob die Tatsache, dass die Biennale-Löwen heuer aufgrund des Jury-Rücktritts nicht von Fachleuten, sondern vom Publikum vergeben wird, das – soviel kann verraten werden – mit seiner aktiven Mitwirkung zum Gelingen des Konzepts beitragen kann, die Chancen auf eine Auszeichnung steigen lässt. Anders als sonst üblich werden die Preise aber diesmal erst am Ende der Kunstausstellung im November vergeben.

Nicht die Jury, aber die Biennale-Leitung habe bereits vorbeigeschaut, erzählt die Kuratorin stolz. Die Offiziellen hätten anerkennend gestaunt, dass praktisch alles, was im ersten Konzept für die ungewöhnliche Bespielung des Hoffmann-Pavillons eingereicht worden war, auch verwirklicht werden konnte. Tatsächlich scheinen Probleme in den Genehmigungsverfahren, von denen zwischenzeitlich die Rede war, mit Hartnäckigkeit überwunden worden.

25 Performerinnen im Dienstrad

Der erste Previewtag ist auch zum Sammeln von Erfahrung im Umgang mit dem Publikum wichtig. Derzeit geht man von rund 100 Besucherinnen und Besuchern aus, die gleichzeitig im Pavillon zugelassen werden, eine Zahl, die sich noch ändern kann. Die “Seaworld Venice” ist personalintensiv – von den Betreuern und Betreuerinnen, die auch zu Animateuren werden, und von der Riege der Performerinnen. 25 von ihnen stehen am Dienstplan, verrät Almes, schließlich soll “körperliche Präsenz” dauerhaft gewährleistet werden.

Thematisch ist der Österreich-Beitrag mit seinen vielfachen Bezügen zu dem unreflektierten Umgang des Menschen mit Ressourcen, zu Verunreinigung und Wiederaufbereitung von Wasser, aber auch mit zur Bedrohung durch Ansteigen des Wasserspiegels – in der Lagunenstadt Venedig ein lebenswichtiges Thema – auch im engeren Umfeld der Giardini bestens aufgehoben. So hat sich der benachbarte Brasilien-Pavillon um eine Art Zaubergarten erweitert (ironischerweise gesponsert vom Energiekonzern Petrobras) und wachsen ein paar Schritte weiter in einer Urban Farming Installation von Linda Goode Bryant Salat, Tomaten und Okraschoten. Der Gemüsegarten ist Teil der Hauptausstellung “Minor Keys” (Moll-Tonarten) der kamerunisch-schweizerischen Kuratorin Koyo Kouoh, die vor einem Jahr gestorben ist und deren Team ihr Konzept realisiert hat.

Eröffnung des Österreich-Pavillons am Mittwoch

Die Preview-Tage für Kunstszene und Fachpresse dauern bis Freitag, ab Samstag ist die 61. Kunstbiennale in Venedig für das Publikum geöffnet. Der Österreich-Pavillon wird, nach einer vorherigen ortsspezifischen Etude, zu der es mit dem Schiff geht, am Mittwoch um 12.30 Uhr eröffnet.

(S E R V I C E – www.seaworldvenice.at ; www.inyourpiss.at; www.labiennale.og )

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