Exploring the North

Südtirol Jazzfestival mit „Gästen“ aus Finnland, Island, Schweden und Norwegen – VIDEO

Mittwoch, 23. Mai 2018 | 17:00 Uhr

Bozen – Exklusive Projekte, ein Nordeuropa-Schwerpunkt, neue Spielorte und viele Überraschungen – vom 29. Juni bis zum 8. Juli wirft das Südtirol Jazzfestival einen Blick in die Zukunft der improvisierten Musik – und entdeckt unerforschte Klanglandschaften.

Jazz bewegt – und ist selbst in Bewegung. Reisen, Sprünge, Ausflüge und Aufbrüche prägen auch das Südtirol Jazzfestival 2018 und das zeigt schon das Eröffnungskonzert am 29. Juni im Warenlager des Baumarkts TopHaus AG in Bozen. Dort vereint ein exklusives Konzertprojekt unter der Leitung des Saxophonisten Pauli Lyytinen Musikerinnen und Musiker aus der Europaregion Tirol mit „Gästen“ aus Finnland, Island, Schweden und Norwegen. Damit positioniert sich das Südtirol Jazzfestival auf der Schnittstelle zwischen Nord- und Südeuropa – wieder einmal – als Schmelztiegel für unterschiedliche musikalische Traditionen und Stile.

Viele Mitwirkende an dieser spannenden Versuchsanordnung spielen beim Festivalopening in der Industriezone zum ersten Mal zusammen. „Neues hören. Mit Fernsicht“: Die dezentrale Ausrichtung mit Locations im ganzen Land, der Verzicht auf Stars und Sternchen sowie eine in die Zukunft weisende Musik, die den Jazz mit Pop, Klassik, Rock und Noise anreichert, sind in der europäischen Festivallandschaft wohl einmalig. Das Südtirol Jazzfestival beschreitet selbstbewusst und sich über zerklüftete Felsrücken, Abgründe, steile Hänge und ungesicherte Routen vorantastend neue Wege. Routine? Nein danke! Dieses große Musikfest sucht das Unbekannte und Unerwartete und ist den aktuellen Trends eine Schrittlänge voraus.

Das trifft vor allem auf die Länderschwerpunkte zu. In den vergangenen Jahren „bewegte“ das Festival Musikerinnen und Musiker aus Frankreich, Großbritannien, Österreich, Italien und den Benelux-Staaten nach Südtirol. Auch in diesem Jahr umfasst dieser Kernbereich eine ganze Staatengruppe. Unter dem Motto „Exploring the North” stellt das Festival Solisten und Bands aus Dänemark, Schweden, Norwegen Finnland, Island und dem Baltikum vor. Dazu kommen Formationen aus Frankreich, Deutschland und Italien sowie Ensembles, die für ortsbezogene Projekte zusammengestellt wurden. „Wenn wir heute nordischen Jazz hören, erwarten wir uns sphärische Sounds, die der Weite skandinavischer Landschaften entsprechen. Wir haben bei unseren Recherchen aber entdeckt, dass die junge Generation einer grenzüberschreitend vernetzen Szene, die wir hier kaum kennen, dieser Vorstellung gar nicht mehr entspricht. Die Bands bauen Pop, Folk und Rock in ihre Musik ein und da kann es auch schon mal schräg und laut werden“, berichtet der künstlerische Leiter des Südtirol Jazzfestivals, Klaus Widmann.

In Südtirol geben dabei häufig Frauen – als „Sidewomen“ oder musikalische Projektleiterinnen – den Ton an. Bandleaderinnen sind etwa Maria Faust (sax, Estland), Hanna Paulsberg (sax, Norwegen), Kadri Voorand (voc, Estland), Natalie Sandtorv (voc, Norwegen), Hannah Tolf (voc, Schweden) und Anni Elif Egecioglu (voc, Schweden). Übrigens: Mit dem deutschen Ensemble SiEA stellt sich eine Bigband vor, die ausschließlich mit Musikerinnen besetzt ist.

39 von insgesamt 55 Konzerten stellen Ensembles oder Solisten aus den nordischen Ländern vor. Nach Südtirol reisen im Sommer etwa der finnische Ausnahmetrompeter Verneri Pohjola, der dänische Schlagzeuger Kalle Mathiesen, der mit einer Loop-Station, bunten Luftballons, einem E-Bass und einer elektrischen Bohrmaschine eine skurrile One-Man-Show inszeniert, das französische Trio „Ikui Doki“, das die leuchtenden „Klangmalereien“ des musikalischen Impressionismus virtuos mit Free-Jazz-Elementen kombiniert, der „unwiderstehliche” (Rolling Stone) „Fellini des schwedischen Jazz“ Nils Berg, der Videoclips von Musikern aus aller Welt in die Konzerte seines Trios Cinemascope integriert oder die finnische Band „Immediate Music“, die auf der Bühne die Grenzen musikalischer Freiheit auslotet und neben einem Drum-Set, Synthesizern und Sound-Effekten auch die finnisch-karelische Leier Jouhikko einsetzt.

An zehn Tagen bespielt das Südtirol Jazzfestival 46 Spielorte bei zumeist freiem Eintritt: Straßen und Plätze, Ansitze und Parks, Hotels, die Dachterrasse der Brixen Tourismus Genossenschaft, Alm- und Schutzhütten, Museen oder Geschäfte. So treffen sich im Museion und auf den Talferwiesen Kunst und Jazz, im NOI Techpark in Bozen demonstrieren drei Bands musikalische Innovation und vor der Comici-Hütte unter dem Langkofel spielen sieben „nordische“ Schlagzeuger gleichzeitig auf. Im Parkhotel Laurin lädt das Festival zu einer rauschenden Jazzparty ein, im Batzen Sudwerk finden fünf Late-Night-Konzerte für Nachtschwärmer statt, am Würzjoch kommen die Musiker und das Publikum bei einer kulinarischen Jazzwanderung „ins Laufen“ und im Pacherhof in Neustift wird der schwedische Pianist und „Winecomposer“ Tuomas A. Turunen die komplexen Aromen von Eisacktaler Weinen live in „jazzige“ Melodien und Harmonien „übersetzen“.

Jazz „bewegt“: Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher fahren mit der Seilbahn nach Jenesien und zum Vigljoch in Lana, wandern zum Steinbruch Lieg in Kastelruth und zum Marmorbruch in Göflan, nehmen den Aufzug zur Grifoncino Rooftop Lounge Bar in Bozen, laufen zur Feltuner Hütte auf dem Rittner Horn, gehen durch die Altstädte von Brixen und Bruneck, schlendern zum Thermenplatz in Meran oder besuchen das Messner Mountain Museum in Sulden. Jazzfans sind also mobil und deshalb bietet das Südtirol Jazzfestival zum ersten Mal acht Jazztouren und einen Jazzpass an. Damit können Musikliebhaber sämtliche Konzerte, die Teil der ausgewählten Tour sind, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Shuttlebussen erreichen. Der Jazzpass gewährt wiederum viele Vergünstigungen wie reduzierte Ticketpreise, Gratisfahrten in den Shuttlebussen, Rabatte bei Weinverkostungen oder den freien Eintritt in das Museion.

Am 29. Juni „dirigiert“ der Finne Pauli Lyytinen das große Eröffnungskonzert – und schließt das Südtirol Jazzfestival am 8. Juli im Batzen Sudwerk mit seinem Quartett „Laser“ ab. Dieses skandinavische Ensemble bewegt sich auf der Grenzlinie zwischen Jazz und Rock und scheut vor ausgedehnten Improvisationen ebenso wenig zurück wie vor Abstechern in die Blasmusik des Balkan. Eine Grenzüberschreitung – und damit typisch für das Südtirol Jazzfestival 2018.

Info & Tickets
www.südtiroljazzfestival.com
Jazz Music Promotion
Lauben 46, Bozen
Mo – Fr : 9.00 – 17.00 Uhr

Von: mk

Bezirk: Bozen

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