Von: ka
Trient – Im Trentino ist derzeit geplant, die zahlreichen Kriegerdenkmäler für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des jeweiligen Ortes zu sanieren beziehungsweise zu restaurieren.
„Eine lobenswerte Initiative, um auch nach mehr als hundert Jahren an die damals jungen Söhne des Dorfes zu erinnern, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten”, meint der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Roland Lang.
Es wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, auch die derzeit dort angebrachten nationalistischen geschichtsverfälschenden Tafeln auszutauschen oder am Fuße des Denkmals zu erklären bzw. richtigzustellen, so Marcello Delucca aus Mezzolombardo, der den Südtiroler Heimatbund in Welschtirol vertretet.
Delucca erinnert dazu an die Entstehung der Kriegerdenkmäler in der Faschistenzeit. Die Texte wurden vom damaligen faschistischen Präfekt Giuseppe Guadagnini und dem Quästor von Trient Panini im Oktober 1923 in einem Rundschreiben festgelegt. So durfte auch an die Welschtiroler Gefallenen in österreichischer Uniform erinnert werden, aber mit einem geschichtsverdrehenden Text und das nicht auf öffentlichen Plätzen, sondern nur versteckt auf den Friedhöfen.
So ist zum Beispiel im Friedhof von Dro-Ceniga zu lesen ist: „Die Einwohner von Dro-Ceniga errichteten dieses Kenotaph in frommer Erinnerung an ihre Söhne, die im Krieg von 1914 bis 1918 in fernen Ländern fielen, Opfer der jahrhundertealten Unterdrücker, die sich nach der Befreiung ihres Heimatlandes sehnten.“ Dann folgt natürlich eine faschistische Heroisierung der italienischen Soldaten „Ruhm und Dankbarkeit der patriotischen Armee, die dieses Land mit immensen Opfern und ebenso viel Tapferkeit aus seiner harten und langen Knechtschaft befreit hat.“
In Mezzolombardo ist bereits das Geld für die Renovierung des Kriegerdenkmals genehmigt, stellt Marcello Delucca fest. Auch hier ein ähnlicher geschichtsverdrehende Text: „Mezzolombardo erlöst (?) erinnert sich mit Mitleid an seine Söhne, die im Krieg starben und denen der erhabene Trost verwehrt blieb, für ihr Vaterland (= Italien) zu sterben.“ Danach folgt natürlich eine faschistische Heroisierung der italienischen Soldaten „Ruhm und Dankbarkeit der patriotischen Armee, die dieses Land mit immensen Opfern und ebenso viel Tapferkeit aus seiner harten und langen Knechtschaft befreit hat.“
Dabei waren die meisten Welschtiroler mit dem österreichischen Kaiserreich eng verbunden. Dies spürte auch Cantore, Kommandeur des V. Armeekorps, als er am 29. Mai 1915 in Avio einrückte, von mehreren Schüssen empfangen wurde und drückte dann auch gegenüber dem Vizebürgermeister seinen Unmut über die mangelnde Begeisterung der Bevölkerung der befreiten Dörfer aus: „Ihr Trentiner, ihr seid alle pro-Österreicher […] Meine Soldaten sind überzeugt, dass sie einen Befreiungskrieg und keinen Besatzungskrieg führen, und wenn sie wüssten, dass ihr nicht glücklich über die Befreiung von Österreich seid, wäre das demoralisierend für sie.“
SHB Obmann Roland Lang erinnert auch an eine überlieferte Aussage von Alcide Degasperi. Am 6. Oktober 1914 berichtete der k. u. k. Botschafter in Rom, Baron Macchio, an den Außenminister Graf Berchtold, von einem Gespräch mit dem christlichsozialen Reichsratsabgeordnete Dr. Degasperi aus „Südtirol“ (dem heutigen „Trentino“). Degasperi sei „von der unbedingten Reichstreue, insbesondere der Südtiroler Landbevölkerung überzeugt“ und habe die „bezeichnende Äußerung“ getan, „man sollte doch ein Plebiszit veranstalten, man würde sehen, daß 90 Prozent für Österreich optieren.“ (Wiedergegeben in: Feldmarschall Conrad: „Aus meiner Dienstzeit 1906 – 1918“, Band. 5, Wien-Leipzig-München 1925, S. 112f).
Dass die überwiegende Mehrheit der Welschtiroler dem österreichischen Vaterland treu gegenüberstand, zeigte sich im Ersten Weltkrieg, als rund 60.000 Welschtiroler in den Kaiserjäger- Kaiserschützen- und anderen Regimentern der k.u.k. Monarchie sowie 3.442 freiwillige (!) Welschtiroler Standschützen an der Front Beweise ihrer Opferbereitschaft und Tapferkeit lieferten. Zu Ehren der Welschtiroler Vaterlandsverteidiger erinnert auf dem Heldenfriedhof in Amras bei Innsbruck eine im Jahre 2009 errichteter Gedenkstein in deutscher, ladinischer und italienischer Sprache an die mehr als 13.000 gefallene Welschtiroler. Jeder sechste ausgerückte Vaterlandsverteidiger hatte sein Leben lassen müssen.
Es ist deshalb eine Geschichtslüge, dass die Welschtiroler Soldaten in einer ihnen fremden Uniform kämpfen mussten. Diese Unwahrheit an den vielen Kriegerdenkmälern im Trentino muss endlich richtiggestellt werden. Eine gut sichtbare Erklärungstafel neben dem Kriegerdenkmal im Friedhof, der der jeweiligen Gemeinde gehört, wäre 100 Jahre nach der Errichtung eine Lösung im europäischen Geist, so Marcello Delucca und Roland Lang.
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