Ein Eintauchen in die Geschichte der Heavy-Metal-Band "Iron Maiden"

“Burning Ambition”: Iron Maiden als Dauerbrenner

Samstag, 09. Mai 2026 | 07:22 Uhr

Von: APA/dpa

Iron Maiden sind eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Heavy-Metal-Bands der Musikgeschichte. Alben wie “The Number Of The Beast” oder “Fear Of The Dark” gelten als Klassiker. Weltweit füllen die Briten Stadien. Nun kommt ein Dokumentarfilm über sie: “Burning Ambition” blickt auf ihre lange Karriere zurück. Ab Donnerstag im Kino.

“Man wird niemals die ganze Wahrheit über ein 50-jähriges Leben in einer Dokumentation erzählen können, die eine Stunde und 40 Minuten lang ist”, sagt Maiden-Sänger Bruce Dickinson (67) im Interview der dpa in London. “Aber man muss eine Geschichte erzählen. Und ich finde, es ist eine tolle Geschichte.”

Anfänge in den 70er-Jahren im Londoner East End

Sie beginnt in den 70er-Jahren im rauen Londoner East End. Dort gründet Bassist Steve Harris die Band. Damals regieren Punk und New Wave die Musikszene. “Ich hatte keine Lust auf bescheuerte Kleidung und Igelfrisuren”, sagt der kompromisslose Antreiber im Film. “Ich hätte lieber die Straßen gefegt, als Musik zu spielen, die mir nicht gefällt.”

Iron Maiden erspielen sich in Clubs und Pubs eine wachsende Fangemeinde. Mit furiosen Songs wie “Running Free”, “Wrathchild” oder “Killers” entwickelt sich das Quintett um den damaligen Sänger Paul Di’Anno zum Aushängeschild der aufkommenden New Wave Of British Heavy Metal.

Oscar-Gewinner Javier Bardem ist Iron-Maiden-Fan

Die Bandmitglieder sind in “Burning Ambition” aus dem Off oder in Archivaufnahmen zu hören. Vor der Kamera sprechen nur Fans, darunter bekannte Musiker wie Tom Morello (Rage Against The Machine), Lars Ulrich (Metallica) oder Gene Simmons (Kiss). Und Oscar-Gewinner Javier Bardem (“No Country For Old Men”).

“Ich liebe es, dass nicht wir die Geschichte erzählen, sondern die Fans”, sagt Dickinson. “Für mich ist der herausragende Moment, wie Javier Bardem den Text (des Iron-Maiden-Kultsongs) ‘Run to the Hills’ liest.” Er lacht. “Der Typ sollte Schauspieler werden!”

Bandmanager war gegen Bruce Dickinson

Dickinson wird 1981 Nachfolger von Paul Di’Anno. Dessen Drogen- und Alkoholprobleme werden erstaunlich offen thematisiert. In einer älteren Aufnahme klingt Di’Anno, der 2024 im Alter von 66 Jahren starb, reumütig. “Ich muss zugeben, dass ich wirklich ein Problem hatte.”

Der langjährige Manager Rod Smallwood ist anfangs gegen Dickinson. Doch mit dem Sänger, der wegen seiner Stimme den Spitznamen “Air Raid Siren” (Luftangriffsirene) bekommt, werden Iron Maiden zu Weltstars – obwohl ihre komplexen Songs kaum im Radio oder beim Musiksender MTV laufen.

Auch Maskottchen Eddie hilft. Die ikonische Horrorfigur macht auf den morbiden Albumcovern und Bandshirts Eindruck. “Diese Band hat ihr eigenes Universum erschaffen”, sagt Rapper Chuck D von Public Enemy, ebenfalls ein Maiden-Fan. “Ich musste die Platte gar nicht erst hören – das Artwork hat mich sofort in den Bann gezogen, noch bevor überhaupt der erste Ton erklang.”

Surrealer Auftritt in Polen, Schallplattenverbrennung in den USA

Beeindruckend sind die Szenen hinter dem Eisernen Vorhang. Singende Menschen, Blumen, Umarmungen – die Ankunft der britischen Rocker 1984 in Polen wird gefeiert. “Burning Ambition” zeigt auch Videoaufnahmen von einer Hochzeit, auf der Iron Maiden spontan “Smoke On The Water” von Deep Purple spielten. Schade, dass keiner der Hochzeitsgäste zu Wort kommt.

Der Film blickt zurück auf die Hysterie in den USA der 80er-Jahre, als konservative Gruppen Heavy-Metal-Bands als satanisch brandmarkten und Schallplatten verbrannten. “Je mehr Platten sie verbrannten, desto mehr mussten sie kaufen”, sagt Dickinson und lacht. Die Debatte sei “absurd” und “lächerlich” gewesen.

Hitzige Konfrontation mit Konzertbesuchern

Unangenehme Kapitel der Bandgeschichte werden nicht ausgespart. Der Nonstop-Zyklus aus Album und Tournee bringt die Mitglieder nah an den Burn-out. “Natürlich war es finanziell lohnend”, sagt Dickinson. “Aber war es das wert, seine Seele zu verlieren?”

1993 steigt er im Streit aus. In alten Aufnahmen wird deutlich, wie verärgert die anderen seinerzeit sind. Dickinson war es wichtig, auch das zu zeigen. “Sie fragten, ob sie gewisse Szenen rausnehmen sollen. Ich sagte: Seid ihr verrückt? Warum? Genau so haben die Beteiligten das damals empfunden. Das ist echt.”

Mit Nachfolger Blaze Bayley schwindet der kommerzielle Erfolg. In der Doku ist zu sehen, wie es bei einem Konzert zur Konfrontation zwischen Band und Zuschauern kommt, nachdem Bayley bespuckt worden sein soll. 1999 kehrt Bruce Dickinson zurück und es geht wieder steil bergauf.

Kurzweilige Zeitreise ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Um die gesamte Geschichte von Iron Maiden zu erzählen, bräuchte es eine Serie. Anspruch auf Vollständigkeit erhebt “Burning Ambition” nicht. Manche Kapitel wirken überhastet, andere ziehen sich zu lang. Für langjährige Fans hat der Film nicht allzu viel Neues zu bieten. “Burning Ambition” ist unterhaltsam, aber weniger eine Chronik als eine Hommage an Iron Maiden.

Iron Maiden kann man heuer auch live in Österreich erleben: Die Metalband gastiert am 13. Juni am Nova Rock in Nickelsdorf.

(S E R V I C E -www.ironmaiden.com – www.ironmaidenfilm.com – www.novarock.at )

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