Von: APA/dpa
Ab Dienstag wird es spannend für das österreichische Kino, wenn an der Croisette die 79. Filmfestspiele von Cannes eröffnen. Schließlich ist Marie Kreutzer mit ihrem neuen Werk “Gentle Monster” im Wettbewerb des Festivals vertreten. Und in der Schiene Un Certain Regard präsentiert Sandra Wollner ihren dritten Spielfilm “Everytime”. Ansonsten dominieren dann zwischen 12. und 23. Mai wieder die großen Namen der Zunft das Geschehen an der Cote d’Azur.
Marie Kreutzer erzählt als Drehbuchautorin und Regisseurin in “Gentle Monster” mit den französischen Filmstars Léa Seydoux und Catherine Deneuve sowie Laurence Rupp von einer Frau, deren bisheriges Leben durch die Verhaftung ihres Mannes in sich zusammenbricht. Am 15. Mai feiert der Film Weltpremiere im Grand Théâtre Lumière. Wollner setzt sich in ihrem Werk hingegen mit Trauerverarbeitung auseinander. Dafür konnte sie Schauspielstar Birgit Minichmayr als Hauptdarstellerin für eine Tragödie um eine Mutter, deren Tochter und einen Teenager gewinnen, die gemeinsam einen schweren Verlust verarbeiten müssen. Die Weltpremiere ist hier am 18. Mai angesetzt.
Viele Stars, aber Hollywoodstudios fehlen
Nicht nur Kreutzers neues Werk ist mit Stars besetzt – angekündigt sind Promis wie Penélope Cruz, Glenn Close, Bill Murray, Dustin Hoffman oder Sandra Hüller. John Travolta zeigt seinen ersten Film als Regisseur. Und Barbra Streisand und “Der Herr der Ringe”-Regisseur Peter Jackson werden mit einer Ehrenpalme ausgezeichnet. Bei all dem Glamour und den Promis fällt aber auch auf: Die großen Hollywoodstudios halten sich heuer zurück. Im Wettbewerb vertreten sind jedoch zwei US-amerikanische Regisseure aus dem Arthouse- und Independentkino: “The Man I Love” von Ira Sachs mit Oscarpreisträger Rami Malek und James Gray mit “Paper Tiger”, der wie erwartet jüngst nachnominiert wurde und mit Scarlett Johansson, Adam Driver und Miles Teller die vielleicht größte Stardichte im Rennen um die Goldene Palme aufweist. Hollywoodblockbuster wie “Mission: Impossible – The Final Reckoning” mit Tom Cruise, der 2025 in Cannes noch außer Konkurrenz präsentiert wurde, fehlen hingegen.
Festivaldirektor Thierry Frémaux führt das auf die Lage der US-Filmindustrie zurück. In einem Interview des Branchenmagazins “Screen Daily” sagte er, die USA habe die Coronapandemie, die Hollywoodstreiks und die Brände in Los Angeles erlebt. Hinzu komme eine politisch unsichere Lage sowie laufende Studioübernahmen. “All das sorgt nicht für die nötige Gelassenheit, um Entscheidungen zu treffen, geschweige denn Filme zu produzieren, die in der Regel Millionen von Dollar kosten”, sagte Frémaux.
Doch auch ohne die US-Studios zieht es Stars nach Cannes, zum Beispiel “Marvel”-Schauspieler Sebastian Stan an der Seite von Renate Reinsve im Drama “Fjord” des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu. In “Diamond” von Andy Garcia gehören Brendan Fraser, Bill Murray, Dustin Hoffman und Vicky Krieps zum Cast. Für die Komödie “Full Phil” (Quentin Dupieux) werden Kristen Stewart und Woody Harrelson in Cannes erwartet.
Internationales Autorenkino gewinnt an Bedeutung
Das zeigt auch, dass das internationale Autorenkino weiter an Bedeutung gewinnt. Damit war das Filmfest in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich. Bei den diesjährigen Oscars zum Beispiel liefen vier von fünf nominierten Produktionen in der Sparte Bester internationaler Film zuvor an der Croisette, darunter der Oscargewinner “Sentimental Value”. Die Cannes-Hits “Parasite” (2020) und “Anora” (2025) wurden bei den Oscars sogar als bester Film ausgezeichnet.
Auch in diesem Jahr konkurrieren internationale Schwergewichte im Wettbewerb, der mit 22 Filmen aufwartet. Der iranische Regisseur Asghar Farhadi kehrt mit dem in Paris gedrehten Film “Parallel Tales” zurück. Der spanische Starregisseur Pedro Almodóvar kommt mit seinem neuen Film “Bitter Christmas”. Und der Japaner Hirokazu Koreeda, der 2018 für “Shoplifters” die Goldene Palme gewann, zeigt “Sheep in the Box” – über ein Paar, das einen humanoiden Roboter wie ein Kind großzieht. Wer am Ende die Goldene Palme gewinnt, entscheidet eine Jury unter Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook (“No Other Choice”). Demi Moore und Stellan Skarsgård sind ebenfalls Teil der Jury.
Sandra Hüller und Lars Eidinger gleich doppelt
Eine Chance auf eine Auszeichnung hat auch die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach mit ihrer österreichischen Koproduktion “Das geträumte Abenteuer”, der im Wettbewerb läuft. Er spielt in der Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei und folgt einer Frau, die sich auf einen fragwürdigen Deal einlässt, um einem alten Freund zu helfen.
Sandra Hüller spielt in Pawel Pawlikowskis “Vaterland” über den Kalten Krieg Erika Mann, die Tochter von Schriftsteller Thomas Mann. Und Lars Eidinger mischt gleich doppelt mit: Im Wettbewerbsfilm “Moulin” von László Nemes verkörpert er den Gestapo-Chef Klaus Barbie. Zudem spielt er in “Heimsuchung” mit, dem neuen Film von Regiegröße Volker Schlöndorff. Die Literaturverfilmung nach Jenny Erpenbeck läuft in der Sonderreihe “Cannes Première”. Hier präsentiert auch John Travolta sein Regiedebüt “Propeller One-Way Night Coach”, ein von seiner Flugleidenschaft inspirierter Film.
(S E R V I C E – www.festival-cannes.com/ )




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