Die Foo Fighters lassen Dampf ab

Foo Fighters bringen die Live-Energie in ihr neues Album

Dienstag, 21. April 2026 | 09:46 Uhr

Von: APA/dpa

Die unbändige, wilde Energie eines Konzerts im Studio einzufangen, ist für jede Rockgruppe eine Herausforderung. Die Foo Fighters lassen auf ihrem neuen Werk “Your Favorite Toy” – ab Freitag im Handel – von Anfang an wenig Zweifel daran, dass ihnen das gelingt. Es klingt, als würde die Band aus Seattle richtig Dampf ablassen. Ist es ein wütendes Album? “Ich denke, es ist eher introspektiv”, winkt Mastermind Dave Grohl im dpa-Interview in London ab.

“Aber in dieser Selbstreflexion steckt auch eine gewisse Angst. Es ist also eher unruhig, vielleicht rastlos”, sagt der US-Musiker, der mit den Foo Fighters eine Handvoll intimer Konzerte auf der Insel spielte – etwa im traditionsreichen Shepherd’s Bush Empire im Westen der englischen Hauptstadt. Im Sommer kommt die Formation für eine Stadiontournee zurück nach Europa und tritt am 3. Juli auch im Ernst-Happel-Stadion in Wien auf.

“Es gibt nichts Besseres, als diese Energie und Freude mit Menschen zu teilen. Es ist großartig”, sagt der 57-jährige Grohl, der auf der Bühne jedes Mal zum furiosen Antreiber wird, über das Live-Spielen. “Es ist so, als würdest du in einen See geworfen werden – und der einzige Weg ans Ufer ist, dass du schwimmen musst.”

Bühnenenergie im Studio

Die Bühnenenergie wurde ins Studio übertragen. Mit einem Stakkato-artigen Gitarrenriff und übersteuertem, aggressivem Gesang beginnt “Caught In The Echo”, der furiose Eröffnungstrack ihres zwölften Studioalbums. Wütend geht es weiter mit “Of All People”. Es geht um einen einstigen Drogendealer, den Grohl nach vielen Jahren zufällig wieder traf – und dabei gleichzeitig Freude und Wut empfand, weil so viele Bekannte in Folge von Drogenmissbrauch starben.

Explizit politisch sind die Foo Fighters zwar nicht. Aber die Botschaft im Song “Amen Cavemen” ist eindeutig. “Es ist so enttäuschend, dass wir als Menschen wieder in so ein Höhlenmenschen-Verhalten zurückfallen können”, sagt Grohl. “Manchmal denke ich: Echt? Sind wir schon wieder dort? Dabei sah es aus, als hätten wir große Fortschritte gemacht. Darin steckt also Frustration, auch Wut. Aber der Rest ist eher die Angst des Lebens, die Unsicherheit. Zum Glück gibt es Musik, um so etwas zu verarbeiten und auszudrücken.”

Einer der besten neuen Songs ist “Child Actor”. Es geht um Kinderstars und darum, welchen Einfluss die frühe Karriere auf ihr weiteres Leben hat – und generell um Bestätigung, die man von außen erfährt oder erwartet. “Bin ich gut genug? War das gut genug? Es gibt Menschen, die sich wirklich in dieser Denkweise verfangen.” Im Bereich der Kinderdarsteller gebe es nicht immer ein Happy End. “Weil deine prägenden Jahre davon abhängen, dass andere Menschen dir Bestätigung geben”, meint Grohl. “Deshalb ist es am besten, einfach die Kameras auszuschalten und die Person zu sein, die du wirklich bist.”

Schlagzeuger-Tausch mit Nine Inch Nails

“Your Favorite Toy” ist das erste Album mit Ilan Rubin am Schlagzeug, der zuvor für Nine Inch Nails trommelte. Nach dem Tod des langjährigen Drummers Taylor Hawkins hatten die Foo Fighters zunächst Josh Freese verpflichtet. Doch offenbar passte es menschlich nicht. Nähere Details zur Trennung wurden nicht genannt. Kurioserweise wechselte Freese zu den Nine Inch Nails.

Ob es mit Rubin auch langfristig klappt, wird die Zeit zeigen. Mit seinem wuchtigen Schlagzeugspiel passt der 37-Jährige jedenfalls perfekt zur Band und verleiht den neuen Songs den nötigen Druck. Auch live überzeugte er bei den bisherigen Konzerten.

Neue Musik fürs Stadion

Beim Auftritt in London spielten die Foo Fighters 22 Songs, aber nur einen von “Your Favorite Toy” – den Titelsong. Bei den kommenden Shows im Rahmen der “Take Cover Tour” garantiert anders werden. Denn auf dem neuen Album sind wieder zahlreiche Kracher, die wie gemacht sind für mitreißende Stadionkonzerte.

Dave Grohl glaubt, dass Musik auch in diesen Zeiten eine einende Kraft hat. “Der Grund, warum Musik so viele unterschiedliche Menschen erreicht, ist, dass sie auf ganz verschiedene Weise eine Verbindung dazu entwickeln”, sagt er. “Und wenn dann 80.000 Menschen ‘My Hero’ im Chor singen, dann ist es egal, wo sie ihre Differenzen haben, in diesem einen Augenblick sind sie alle durch genau diese eine Sache miteinander verbunden.”

(Das Gespräch führte Philip Dethlefs/dpa)

(S E R V I C E – Bandseite im Internet: https://foofighters.com – Infos zum Wien-Konzert: www.barracudamusic.at )

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