Von: apa
Ein Skateboard, Gummistiefel, ein Liegestuhl aus den 1970ern: Auf den ersten Blick wirkt der Dachboden unweit der Wiener Nästlberggasse ganz normal. Auf den zweiten Blick drängen sich Fragen auf: Was macht das Loch im Boden? Wer schläft im wackeligen Einzelbett? Das leer stehende Haus mutierte in den letzten Wochen kurzerhand zum Filmset. Für den TV-Film “Der von oben” standen u.a. Stefanie Reinsperger, Emily Cox, Jonas Nay und Devid Striesow vor der Kamera.
Die Geschichte kurz zusammengefasst: Paul (Robert Stadlober) lebt in Scheidung von Elke (Emily Cox) – und bewohnt einstweilen noch den Dachboden des einst gemeinsamen Zuhauses. Er liebt seine Ex-Frau noch immer, auch wenn die ihr Bett schon längst mit ihrem neuen Lover Gerd (Jonas Nay) teilt, den er leider wirklich nett findet. Als ihm dieser beim Ausmisten auf dem Dachboden hilft, kommt es zu einem tödlichen Unfall. Und Paul sitzt in der Klemme. Wie soll er die Leiche beseitigen? Wie kann das Leben weitergehen? Blöd, dass Elkes Schwester (Stefanie Reinsperger) Polizistin ist und krude Gestalten aus Gerds Vergangenheit auftauchen.
Dunkelschwarzer Stoff
Bei einem Setbesuch am Montagnachmittag fiel wie in Dauerschleife der Begriff “schwarzer Humor” für diese Komödie. Regisseur Christopher Schier bezeichnet den Humor im Interview mit der APA als “sehr schwarz und dunkel”. Komödien zu drehen sei “die Königsdisziplin”. Er habe sich sehr gefreut, dass diese Geschichte auf dem “schwärzesten Humor basiert, den man finden kann”. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Peter Bruck. “Im Herzen der Geschichte geht es darum, dass es sich der Pauli in seiner Beziehung zu gemütlich gemacht hat, worauf diese zerbrochen ist. Durch dramatische Umstände muss er lernen, wieder in die Gänge zu kommen”, erklärt er.
In die Titelrolle schlüpfte der unlängst mit einem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnete Robert Stadlober. Seine Figur charakterisiert er so: “Er ist nicht der ambitionsreichste Mensch der Welt. Er ist mit sehr wenig zufrieden. Und zwar so zufrieden, dass es andere Leute unzufrieden macht.” Als der tödliche Unfall passiert, setze das “ungeahnte Kräfte” in dieser Figur frei, von außen sehe es aus, als hätte Paul neuen Antrieb gefunden. Dabei versucht er nur, eine Leiche zu vertuschen. “Das geht gar nicht so einfach, wie man es im Fernsehen immer sieht”, schmunzelt Stadlober. Das Schwarzhumorige speise sich aus der “Absurdität der Situation”. Nach Drehtagen im eigenen Bett zu schlafen, hat der Schauspieler sehr genossen.
Ein bisschen wie Heimkommen
Ebenso wie Emily Cox, die nach vielen internationalen Projekten wie “The Last Kingdom” oder “Der Medicus 2”, endlich wieder in Österreich drehte. Es sei ein bisschen “wie Heimkommen”, sagt sie. Auch in puncto Humor. Über “Der da oben” sagt sie: “Es ist ein sehr lustig geschriebenes Buch.” Ihre Figur sei eine willensstarke Frau, die sich oft aufregen müsse. Das sei aber nicht zickig erzählt worden, sondern habe “eine gewisse Kraft”. Elke, so Cox, will, dass ihr Ex-Freund weiterzieht. Gleichzeitig sei es ihr wichtig, dass es ihm gut gehe. Beim ersten Besuch in dem Haus habe sie sofort verstanden, warum ihre Figur hier nicht bleiben wolle.
Traumrolle: die Mörderin
Burgtheaterstar Stefanie Reinsperger, die soeben mit dem Elisabeth-Orth-Preis ausgezeichnet worden ist, schlüpfte nach ihren Rollen in “ORF-Landkrimis” und als “Tatort”-Kommissarin in Dortmund erneut in eine Polizeiuniform. Ist das für sie schon Routine? “Nein. Für mich ist keine Rolle, die ich spiele, Routine. Es ist immer wieder neu und anders”, sagt die Schauspielerin zur APA. Nachsatz: “Ich würde sehr gerne auch einmal Mörderinnen spielen.”
Ihre Figur sei eine Streifenpolizistin, die im eigenen Umfeld ermittelt. Apropos Umfeld: “Ich bin so froh, endlich einmal wieder in Wien zu drehen.” Das habe sie zuletzt vor 15 Jahren gemacht. Nach der letzten Klappe in Wien-Hietzing und einigen Drehtagen in Niederösterreich gönnt sich Reinsperger nun ein wenig Theaterferien.
Erschwerte Hitzebedingungen
“Wir hatten Glück mit diesem leer stehenden Haus”, betont Produzentin Constanze Schumann von der rundfilm. “Das Haus kommt sehr nahe daran, wie es geschrieben worden ist”, betont Bruck. Nach dem Filmset wird es vermutlich abgerissen. Deswegen konnte die Crew auch das Dach durchbrechen. Dass ein Dachboden nicht die kühlste Location ist, liegt auf der Hand. Eine eigene Klimaanlagenkonstruktion und eine Gartendusche schafften Abhilfe. Die Koproduktion von ORF und Bayerischem Rundfunk soll vermutlich 2027 auf ORF 1 ausgestrahlt werden.




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