Siri Hustvedt trauert literarisch um Paul Auster

Siri Hustvedt trauert in neuem Buch um Paul Auster

Donnerstag, 12. März 2026 | 11:49 Uhr

Von: APA/dpa

Vor rund zwei Jahren starb der Bestsellerautor Paul Auster mit 77 Jahren an einer Krebserkrankung. Jetzt hat seine Ehefrau Siri Hustvedt, selbst Bestsellerautorin, ihre Trauer in einem Buch verarbeitet: “Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung”. “Dieses Buch ist eine Notwendigkeit”, schreibt Hustvedt. “Keine Entscheidung.” Es sei ihr “Buch des Trauerns um ihn”.

“Satz für Satz, Absatz für Absatz habe ich versucht, auf dem Papier etwas von dem Mann zurückzubringen, etwas davon, wer er für mich war.” Das Buch handelt von Auster – aber auch von Hustvedt selbst und wie sie durch ihn wurde, wer sie ist. “Wir alle sterben, aber ich hatte ihn in meinem Leben, und weil ich ihn hatte, bin ich nicht, die ich war, als ich ihn kennenlernte, sondern jemand anders – besser, robuster, klüger.”

Zwei Bestsellerautoren in einem Brownstone in Brooklyn

Der 1947 in eine jüdische Familie im US-Bundesstaat New Jersey hineingeborene Auster war mit Werken wie der “New-York-Trilogie” und “Das Buch der Illusionen” sowie Poesie, Essays, Songs und Drehbüchern weltberühmt geworden. Seine Bücher wurden in Dutzende Sprachen übersetzt und Auster vielfach ausgezeichnet. Die 1955 als Tochter norwegischer Einwanderer im US-Bundesstaat Minnesota geborene Hustvedt erlangte mit Büchern wie “Was ich liebte” und “Die gleißende Welt” Erfolge, zudem schreibt sie viel beachtete Essays zu Neurowissenschaften und Philosophie.

Die beiden lernten sich kennen, als Hustvedt noch Studentin war, bei einer Veranstaltung 1981 im New Yorker Kulturzentrum 92Y. “Für mich war er der süßeste Typ überhaupt”, erinnerte sich Hustvedt einmal in einem Interview. “Er wurde mir als Dichter vorgestellt und ich dachte: “Meine Güte, ein wunderschöner Dichter”. Alles ging sehr schnell. Noch heute ziehe ich Paul damit auf, dass er ein paar Stunden gebraucht hat. Bei mir hat es nur 30 Sekunden gedauert. Ich war sofort verliebt.”

Kurz darauf heiratete das Paar und bekam 1987 Tochter Sophie, die inzwischen erfolgreich als Sängerin und Schauspielerin arbeitet. Mehr als vier Jahrzehnte verbrachten Hustvedt und Auster dann gemeinsam in einem gründlich renovierten und gemütlich eingerichteten Brownstone-Haus im schicken Stadtteil Park Slope in Brooklyn – im Dauergespräch und als jeweils erster Leser und größter Fan des anderen. Hustvedt sei die “Intellektuelle in der Familie”, sagte Auster einmal der dpa. Am 2. April kommt in Österreich Sabine Lidls Dokumentarfilm “Siri Hustvedt – Dance Around The Self” in die heimischen Kinos. Darin widmet sich die Filmemacherin ebenfalls der Verbundenheit ihrer Protagonistin zu Auster und ihrem künstlerischen Abschied.

“Ghost Stories” quasi auch posthum das letzte Werk von Auster

Bereits davor, am morgigen Freitag, erscheint nun aber “Ghost Stories”, das das bisher persönlichste Buch von Hustvedt darstellt – und auf eine Art auch von Auster, der darin immer wieder zitiert wird. Hustvedt zitiert aus seinen Büchern und Schriften, aus Gesprächen mit ihm, aus seinen Briefen und Notizen an sie – und veröffentlicht quasi posthum auch sein letztes Werk. Ein Buch mit Briefen an seinen Enkelsohn Miles hatte Auster geplant, aber aufgrund seiner Krankheit nur noch einige wenige Briefe fertigstellen können. Sie finden sich nun zwischen den 400 Seiten von “Ghost Stories” – und sind mindestens genauso schön und gleichzeitig herzzerreißend zu lesen wie der Rest.

Das Buch ist zutiefst traurig, wunderbar klug und nie selbstmitleidig – eine ehrwürdige Hommage einer Weltklasseautorin an einen Weltklasseautoren und eine berührende Liebesgeschichte, die die schönen Zeiten feiert, aber die schwierigen Zeiten nicht verschweigt. Die Krankengeschichte von Auster wird bis ins kleinste Detail erzählt und auch auf “Pauls traurigste Story” geht Hustvedt ein – der Tod seines Sohnes aus erster Ehe, Daniel, der 2022 an den Folgen einer Überdosis Drogen starb. Wenige Monate zuvor war dessen zehn Monate alte Tochter Ruby an einer Drogenvergiftung gestorben. Die Behörden warfen Daniel Auster vor, für ihren Tod verantwortlich zu sein.

(Von Christina Horsten/dpa)

(S E R V I C E – Siri Hustvedt: “Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung”, Rowohlt Verlag, 25,70 Euro )

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