Invasive Arten

Asiatische Hornisse rückt Südtirol immer näher – und sie ist nicht allein

Dienstag, 13. Januar 2026 | 08:05 Uhr

Von: mk

Bozen/Wien – Der Klimawandel und eingeschleppte invasive Arten verändern auch bei uns die Tierwelt immer stärker. Typisches Beispiel ist die Asiatischen Tigermücke, aber auch die Asiatische Hornisse rückt Südtirol immer näher. 2024 wurde sie erstmals in Salzburg entdeckt, wie der Österreichischer Tierschutzverein erklärt.

Neue Tierarten breiten sich aus und stellen Mensch, Natur und heimische Tierarten vor neue Herausforderungen. Die Asiatische Tigermücke ist eines der auffälligsten Beispiele.

Sie stammt aus tropischen Gebieten und fühlt sich inzwischen auch in Österreich wohl. Diese kleine, schwarz-weiß gestreifte Mücke hat sich insbesondere in Wien und Graz etabliert. Sie kann Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya übertragen – ein Risiko, das wir früher nur aus Urlaubsländern kannten.

Problem: Klimawandel und Einschleppung

„Weltweiter Handel und Tourismus, gepaart mit dem Klimawandel, führen zu einer immer stärkeren Vermischung von Pflanzen- und Tierarten“, betont Biologe Kurt Kotrschal, Wissenschaftler des Jahres 2010. „Invasive Arten bedeuten selten etwas Gutes, etwa im Sinne der Bereicherung der lokalen Flora und Fauna.

Neue Räuber und ungebetene Gäste

„Die Ausbreitung neuer Tierarten in Österreich hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, erklärt Franz Essl, Ökologe an der Universität Wien. Der Wissenschaftler des Jahres 2022 ergänzt: „Die Asiatische Hornisse wurde 2024 erstmals in Salzburg entdeckt. Es ist zu erwarten, dass sie sich in den nächsten Jahren in Österreich ausbreiten wird.“

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) – nicht zu verwechseln mit der Asiatischen Riesenhornisse – wurde 2004, vermutlich durch Warenverkehr, unbeabsichtigt nach Europa eingeschleppt – zunächst nach Frankreich. Seitdem breitet sie sich kontinuierlich in Europa aus, in Deutschland ist sie seit 2014 anzutreffen.

Die Art macht vor allem den Imkern Sorge, da die Asiatische Hornisse, anders als unsere heimische Hornisse, vermehrt Bienen als Nahrungsquelle nutzt. Unsere westliche Honigbiene – Apis mellifera – hat ein nur schwach ausgeprägtes Abwehrverhalten gegen die Asiatische Hornisse.

Riesenzecke und gefräßiger Plattwurm

Die sich als Folge des Klimawandels nach Mitteleuropa ausbreitende Riesenzecke überträgt wie ihre kleinen heimischen Verwandten Krankheiten. Sie wurde wahrscheinlich mit Zugvögeln oder Autos eingeschleppt. Österreichische Wissenschaftler weisen auch auf eine heuer nach Niederösterreich eingeschleppte Plattwurmart aus Südamerika hin, die Regenwürmer, Schnecken und Insekten jagt.

Gefahr durch tödliche Krebspest

Der Amerikanische Signalkrebs wurde über den Handel mit Aquarien- oder Speisefischen eingeschleppt. Er bedroht einheimische Krebspopulationen durch Konkurrenz und Übertragung der für heimischer Arten tödlichen Krebspest.

Nosferatu-Spinne – groß und schnell

Auch die ursprünglich im Mittelmeergebiet heimische Nosferatu-Spinne, groß, dunkel und auffällig schnell, breitet sich rasant aus. Für Menschen bleibt sie harmlos, doch sie zeigt deutlich, wie stark der Klimawandel die Verbreitung von Arten verschiebt – nicht ohne Folgen für sensible Ökosysteme.

Invasive Arten befeuern weltweites Artensterben

Biologe Kotrschal: „Eingeschleppte Arten verdrängen oft gut angepasste heimische Arten, destabilisieren damit Ökosysteme und sind eine der Hauptursachen für das weltweite Artensterben. Sie sind Vektoren für neue Krankheiten und schaffen neue Probleme für die Land- und Forstwirtschaft.“

Neue Arten bringen neue Risiken

Die sich ausbreitenden Tiere folgen einfach ihrer Überlebensstrategie. Aber unsere heimischen Arten und auch wir Menschen sind auf diese Veränderungen nicht vorbereitet.
· Heimische Wildtiere geraten unter Druck, weil neue Räuber und Nahrungskonkurrenten auftauchen.
· Haustiere treffen auf Parasiten, die früher hier nicht überlebten.
· Tropische Krankheitserreger können sich festsetzen und uns Menschen schädigen.
· Unsicherheit auf die neue Situation ist die Reaktion vieler Menschen.

Was jetzt zählt: Wissen, Monitoring und Schutz

„Der Klimawandel und die zunehmende Verschleppung von Arten sind längst in unserer Tierwelt angekommen. Die neuen Arten zeigen uns, wie rasch sich vertraute Lebensräume verändern“, erläutert Universitätsprofessor Essl. Das macht vielen Menschen Sorgen – und genau deshalb braucht es verlässliche Informationen.

Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher vom Gesetzgeber eine österreichweite Erfassung aller neu auftretenden Tierarten sowie die Aufklärung für Bevölkerung und Gemeinden, damit Menschen Risiken richtig einschätzen können. Außerdem brauche es Schutzprogramme für bedrohte heimische Arten, die durch neue Konkurrenten unter Druck geraten.

„Der Klimawandel bringt neue Nachbarn. Wir müssen lernen, mit ihnen zu leben, Risiken zu erkennen und unsere Natur gezielt zu schützen. Unser Ziel ist klar: aufklären, schützen und vorbereitet sein“, erklärt der Tierschutzverein.

Jeder kann der Wissenschaft helfen

Die Wissenschaft braucht dabei die Hilfe aller: Von der Asiatischen Hornisse über Bisamratte bis Waschbär – Sichtungen sollen fotografisch dokumentiert und über Naturbeobachtungsplattformen wie die Plattform iNaturalist https://www.inaturalist.org/ oder direkt an Experten gemeldet werden. Nur so entstehe ein aktuelles und verlässliches Bild der Lage.

Bezirk: Bozen

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