20 Minuten im Wald oder Park bewirken Wunder

Aufenthalt im Grünen – Natürlicher Stresskiller “Naturpille”

Mittwoch, 17. April 2019 | 07:02 Uhr

Im Alltag sind wir der Hektik ausgesetzt. Wir werden gefordert und es ist laut. Zudem gucken wir immer wieder aufs Handy. Eine Pause vom Großstadtlärm ist das Beste, was wir unserem Körper und unserer Seele zukommen lassen können: Wer sich dreimal pro Woche im Wald oder Park entspannt, reduziert messbar seinen Stress. Allerdings sollte man dafür das Handy auslassen und still die Ruhe genießen.

Blätterrauschen, Vogelgezwitscher, knospendes Grün und der Duft von Tannennadeln – im Frühling zieht es viele Menschen in den Wald. Schon ein kurzer Spaziergang dort kann Stress deutlich reduzieren, wie eine Studie der US-amerikanischen Universität Michigan zeigt. Demnach genügen 20 Minuten im Grünen, um das Level an Stresshormonen merklich zu vermindern. Die Forscherinnen und Forscher sprechen im Fachmagazin “Frontiers in Psychology” daher von einer “Naturpille”.

“Wir wissen bereits, dass es Stress reduziert, wenn man Zeit in der Natur verbringt”, sagt die Ökologin und Hauptautorin der Studie, Mary Carol Hunter. “Bislang war aber unklar, wie lange und wie oft man in die Natur gehen sollte und auch, welche Art von Naturerfahrung uns nützt.”

Mindestens zehn Minuten im Grünen

Die aktuelle Untersuchung hat jetzt ergeben, dass schon 20 bis 30 Minuten in einer Umgebung, die einem ein Gefühl von Natur vermittelt, ausreichen, um effektiv den Cortisolspiegel im Körper zu senken. Cortisol, auch als Stresshormon bezeichnet, wird in der Nebennierenrinde hergestellt und in der Leber abgebaut. Dauerhaft erhöhte Cortisolwerte, etwa durch chronischen Stress, können zu Übergewicht führen, das Immunsystem schwächen und Herz-Kreislauf-Störungen, Depressionen und eine Reihe weiterer Erkrankungen begünstigen.

Die Wissenschaftler der Universität Michigan hatten einer Gruppe von 36 Freiwilligen, darunter 33 Frauen und drei Männer, eine regelmäßige “Naturpille” verordnet: Die Probanden sollten mindestens drei Spaziergänge pro Woche in der Natur unternehmen mit einer Dauer von zehn Minuten oder mehr. Vor und nach den Experimenten entnahmen die Teilnehmer eine Speichelprobe, die sowohl auf die Cortisolwerte untersucht wurde als auch auf die sogenannte Alpha-Amylase. Dieses Enzym stammt aus dem Verdauungstrakt und ist bekannt dafür, dass der Körper es bei Stress vermehrt ausschüttet.

Weil sich die Biomarker physiologisch mit der Tageszeit ändern, wurden diese Tagesschwankungen bei der Berechnung berücksichtigt. Die Probanden durften zudem 30 Minuten, bevor sie die Speichelprobe entnahmen, nicht essen oder trinken, da Nahrungsmittel insbesondere die Alpha-Amylase stark beeinflussen können.

Die Freiwilligen konnten den Tag, die Dauer und den Ort ihres Naturerlebnisses selbst bestimmen, damit es zu ihrem individuellen Lebensstil passte. Sie mussten allerdings einige Stressfaktoren minimieren. “Sie sollten die ‘Naturpille’ bei Tageslicht nehmen, keine sportlichen Übungen machen und Social Media, das Internet, Telefonanrufe, Unterhaltungen und Lesen vermeiden”, sagt Hunter.

Waldspaziergänge als Therapie

Bereits nach 20 Minuten Naturerlebnis hatte sich der Cortisolspiegel bei den Probanden deutlich gesenkt. Am meisten reduzierte sich das Stresshormon, wenn die Teilnehmer etwa 20 bis 30 Minuten sitzend oder gehend im Grünen verbrachten. Hielten sich die Teilnehmer noch länger im Freien auf, nahm das Cortisol zwar weiterhin ab, allerdings nicht so stark wie in den ersten 20 Minuten. Bei der Alpha-Amylase war der Unterschied lediglich bei jenen Probanden deutlich messbar, die sich während der Zeit im Freien kaum bewegten, also zum Beispiel auf einer Bank saßen.

Die Forscher hoffen nun, dass ihr Versuch die Wirksamkeit der “Naturpille” unterstreicht. Sie sehen den Aufenthalt im Freien als kostengünstiges therapeutisches Mittel, um die negativen Auswirkungen des Stadtlebens, wie etwa viel Zeit in geschlossenen Räumen und vor Bildschirmen zu verbringen, einzudämmen. “Ärzte könnten unsere Ergebnisse als evidenzbasierte Faustregel dafür verwenden, was in der Verschreibung einer ‘Naturpille’ enthalten sein muss”, fasst Hunter zusammen.

Mehr Bäume, weniger Herzinfarkte?

Die Daten reihen sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die die positiven Effekte eines Aufenthalts in der Natur oder speziell eines Waldspaziergangs belegen. So stellte der schwedische Forscher Roger Ulrich schon 1984 fest, dass sich möglicherweise allein der Anblick von Bäumen positiv auswirken könnte: Patienten, die nach einer Operation aus dem Krankenhausfenster auf Grün schauten, benötigten weniger Schmerzmittel und genasen schneller.

Eine japanische Studie ergab, dass regelmäßige und ausgedehnte Waldspaziergänge die Zahl der natürlichen Killerzellen erhöhte, eine Untergruppe der weißen Blutzellen und Teil des menschlichen Immunsystems.

2015 ergänzte der US-amerikanische Umweltpsychologe Marc Berman, dass die Anzahl von Bäumen in einer Wohngegend die Gesundheit der Bewohner beeinflusst. Wer in grüneren Gebieten wohnte, litt seltener an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Bei ihrer Studie versuchten die Wissenschaftler herauszurechnen, dass auch andere Faktoren die Gesundheit beeinflussen. Dazu gehören etwa ein höherer sozioökonomischer Status, der es den Menschen erlaubt, ins Grüne zu ziehen, und gleichzeitig oft mit gesünderer Ernährung und mehr Bewegung einhergeht.

Waldmedizin als Forschungszweig

In Japan ist das “Shinrin-yoku”, also das “Baden im Wald”, gar Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung, “Waldmedizin” ist seit 2012 ein eigener Forschungszweig an japanischen Universitäten. Hier wird auch erforscht, welche Faktoren genau für die positiven gesundheitlichen Effekte sorgen. So ist noch unklar, ob es etwa an der Luft des Waldes liegt oder an der speziellen Vegetation.

Wichtig dabei ist, die Natur zu schützen und respektvoll mit ihr umzugehen. Jeglicher Müll sollte im Rucksack verstaut werden und auf keinen Fall irgendwo liegengelassen werden.

Von: bba

Kommentare
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Mammy
Mammy
Tratscher
4 Monate 2 Tage

Super hoffentlich kriegt man das bald auf rezept verschrieben! 😉 Da leider viele den bezug zur natur total verloren haben oder wie erklärt es sich dass heute familien den sonntag im einkaufszentrum verbringen anstatt mit den kindern raus zu gehen in die natur? kein wunder das schon die kleinen kinder total reizüberflutet sind und sich die eltern dann noch wundern… finde ein abends schmutziges kind macht zwar mehr arbeit ist aber auch immer ein glückliches und zufriedeneres kind… aber schmutz ist heute ja nicht mehr erwünscht und muss mit desinfektionsmittel bekämpft werden… schade….

Sag mal
Sag mal
Kinig
4 Monate 2 Tage

ich bin Sonntags nicht im Einkaufszentrum und weiss somit nicht ob da Sich viele Kinder aufhalten.Ich seh aber in Wäldern sehr wohl ganzeFamilien.Noch nie war ich im Wald allein.Einen flachen Wald wie auf dem Photo wird hier nicht leicht zu finden Sein.Wir haben als Kinder auch im Wald gespielt.Keines Dieser Kinder ist heut gesünder als Die Andern.

Goldstandard
Goldstandard
Tratscher
4 Monate 2 Tage

“Einen flachen Wald wie hier auf dem photo wird nicht leicht zu finden sein”
Ich glaube du hast noch nicht viel Wald in Südtirol gesehen.
Ich war schon oft im Wald allein.
Auch das mit dem gesünder entbehrt jeder discussion!

Johannes
Johannes
Grünschnabel
4 Monate 2 Tage

Aber ohne Mobiltelefon, ohne Musik und ohne Hund und ohne andere Menschen. Nur mit sich alleine! Wichtig dabei ist dass man den ersten Spaziergang mindestens eine Stunde lang machen sollte. Alle anderen folgenden können dann 20 bis 30 Minuten lang dauern um eine Wirkung zu erziehlen!

Alby
Alby
Neuling
4 Monate 2 Tage

Kenne den besonderen Effekt, vom Aufenthalt im Grünen. Fast Täglich, bei Anbruch des Tageslichtes(heute 05.45 Uhr) starte ich zu einer kleinen Runde ca.90 bis120 min im nahen Wald. Dadurch bin ich rechtzeitig zur Arbeit schon wieder zurück. Ich bekomme meinen Kopf frei genieße die Ruhe, den Duft der Erde und Sträucher zudem kommen mir sehr viele Ideen für meine Arbeit während dieser Runde. Kann ich nur empfehlen.

Vieldenker
Vieldenker
Superredner
4 Monate 2 Tage

@Alby sammelst du dann manchmal auch achtlos weggeworfenen Müll ein? Empfehle ich dir auch, sorgt für ein gutes Gewissen

Rosenrot
Rosenrot
Tratscher
4 Monate 2 Tage

Zu viele Menschen verbringen ihre Freizeit lieber vor dem Computer, ebenso die Kinder. Wäre schön, wenn endlich ein Umdenken stattfinden würde.
@Johannes: warum soll der Hund nicht mit? Er ist in der Natur der beste Begleiter, den man sich vorstellen kann.

Sag mal
Sag mal
Kinig
4 Monate 2 Tage

als Klo sollte der Wald aber nicht benutzt werden.

Mammy
Mammy
Tratscher
4 Monate 2 Tage

@sag mal
genau weil du selbst als kind in der natur warst zieht es dich auch als erwachsener dort hin, aber wenn kinder das nicht mehr vermittelt bekommen weil es die eltern nicht mehr machen dann verliert es sich weil sie es auch als erwachsener nicht mehr machen… es gibt stadtkinder die noch nie eine kuh gesehen haben und ich meine live und nicht im tv😉 … das ist bei uns hier schon verwunderlich oder?? ob es gesünder ist will ich nicht bewerten aber man sieht einfach den unterschied an den kindern….

Sag mal
Sag mal
Kinig
4 Monate 1 Tag

quatsch.Mich ziehts nicht dorthin sondern wenn ich irgendwo wandere durchquer ich halt mal Wald.Zwei -drei mal im Jahr.

Vieldenker
Vieldenker
Superredner
4 Monate 2 Tage

Viele der so gelobten älteren Generation, die so toll in der Natur aufgewachsen sind, schmeißen heute ihren Müll in den wald oder an den Straßenrand. Aber dann posten sie Freizeit Fotos von wanderungen…… 🤢 Siehe arnthaler af dem weg nach bruneck zur Arbeit!!! (nur 1 Beispiel) oder heute der bericht über die passer…..

lumpi
lumpi
Tratscher
4 Monate 1 Tag

Und wenn der böse Wolf dann mal auftaucht ?? Früher hatte man diese Sorge nicht.

Mammy
Mammy
Tratscher
4 Monate 1 Tag

@lumpi
😂 ach komm schon… da ist die wahrscheinlichkeit doch mittlerweile viel höher dass du in der stadt von einem bösen hund gebissen wirst als dass dir der wolf begegnet….

Sag mal
Sag mal
Kinig
4 Monate 1 Tag

es gibt nur böse Menschen.Kein Hund beisst grundlos, aus Bosheit.Schlechte Erfahrung bzw.Angst macht den Hund zum Zubeisser.

Alby
Alby
Neuling
4 Monate 1 Tag

Vieldenker, man kann alles ins lächerliche ziehen! Aber nur zur Information, ich bin meist nicht auf markierten Wege unterwegs und da findet sich Gott sei Dank, noch wenig Müll. Aber ich nehme auch mal was mit, wenn etwas herum liegt, nicht für das gute Gewissen, sondern weil es mich ärgert wenn man überall seinen Dreck liegen lässt.

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