Warum Seegras unsere Küsten und das Klima rettet

Der grüne Schatz der Meere

Dienstag, 03. März 2026 | 07:01 Uhr

Von: luk

Seegräser wachsen auf sandigen Meeresböden im flachen Küstenbereich fast aller Kontinente. Ihr Ursprung geht vermutlich auf die Kreidezeit vor 110 bis 120 Millionen Jahren zurück. Weltweit sind vier Pflanzenfamilien, darunter die Seegrasgewächse und die Neptungrasgewächse, mit 72 Arten von Seegräsern bekannt. Mit den Gräsern an Land sind sie nicht näher verwandt.

Obwohl nur 0,1 bis 0,2 Prozent der Meeresböden mit Seegras bedeckt sind, sind diese Unterwasserwiesen für die Biodiversität der Meere, für die Ernährungssicherheit der Menschheit und für den Klimaschutz unverzichtbar. Aus diesen Gründen haben die Vereinten Nationen 2022 den Welttag des Seegrases (World Seagrass Day) an jedem 1. März ausgerufen.

Eine 4.000 Quadratmeter große Seegraswiese, das entspricht etwas mehr als der Hälfte eines Fußballfeldes, bietet etwa 40.000 Fischen und rund 50 Millionen wirbellosen Tieren Lebensraum und Nahrung. Insgesamt finden viele Tausend Tierarten, darunter Fische, Schildkröten, Seekühe sowie Zugvögel auf ihrem Flug, in den Seegraswiesen Lebensraum, Schutz und/oder Nahrung.

„Seegras dient dem Menschen direkt als Nahrungsmittel und nährt andererseits Meerestiere, die später als Nahrungsmittel auf dem menschlichen Teller landen oder ihrerseits in der marinen Nahrungskette größeren Speisefischen als Futter dienen“, weiß Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. Dank ihrer natürlichen Filterfunktion verbessern Seegraswiesen die lokale Wasserqualität und verringern die Schadstoffbelastung von Meeresfrüchten. Die Menschen an den Küsten nutzen Seegras traditionell zudem als Futter-, Dünge- und Arzneimittel sowie als Baustoff.

Doch fast noch mehr werden Seegraswiesen für ihre Ökosystem“leistungen“ geschätzt. Als natürliche Wellenbrecher schützen sie Küsten, Mangrovenwälder und Korallenriffe vor Erosion sowie menschliche Siedlungen an den Küsten vor Überschwemmungen und Stürmen. Obwohl sie nur einen kleinen Anteil des Meeresbodens bedecken, binden Seegraswiesen als natürliche Kohlenstoffsenken bis zu 18 Prozent des Kohlenstoffs in den Meeren. Seegräser lagern den Kohlenstoff auch unterirdisch in ihren Wurzeln und Wurzelstöcken ein, zudem können sie unheimlich alt werden: somit entziehen sie den Kohlenstoff viele Tausend Jahre lang der Atmosphäre. Auf dem Gebiet des UNESCO-Welterbes Ibiza beispielsweise gibt es zwei Neptungraswiesen, die 80.000 Jahre und noch älter sind.

Am Welttag des Seegrases machen die Vereinten Nationen sowie Meeresschutzorganisationen darauf aufmerksam, dass die Seegrasbestände seit den 1930er Jahren zurückgehen und zahlreiche Seegrasarten in ihrem Fortbestand gefährdet sind. Die größten Bedrohungen sind die Fischerei, vor allem mit Grundschleppnetzen, die Überdüngung durch landwirtschaftliche Abwässer, die steigenden Wassertemperaturen aufgrund der Klimakrise sowie der Tourismus, in dessen Namen Seegraswiesen gerodet werden, um stattdessen „sauberen“, sandigen Meeresgrund zu bekommen. Es ist daher ein Gebot der Stunde, Seegraswiesen besser zu schützen und zerstörte Seegraswiesen zu renaturieren. Erste Renaturierungsprojekte gibt es unter anderem in der Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer.

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