Von: mk
Bozen – Das Auerhuhn gilt aufgrund der imposanten Erscheinung, des scheuen Wesens und der spektakulären Balz – die gerade zu Ende geht – als eine der eindrucksvollsten Vogelarten der Alpen. Um herauszufinden, wie gut die Auerhuhnbestände in Südtirol miteinander verbunden sind oder ob es bereits isolierte Teilpopulationen gibt, hat Eurac Research eine umfassende Erhebung vorgenommen.
Bereits bei einer Schulung im Dezember 2025 im Forschungszentrum Eurac Research in Bozen nahmen mehr als 100 Fachleute aus Forst und Jagd aus ganz Südtirol teil. Die Veranstaltung war der Auftakt zu einer landesweiten Zusammenarbeit. Das große Interesse und die Bereitschaft zur Mitarbeit zeugen von der anhaltenden Faszination des Auerhuhns.
Rund 300 Proben in guter Qualität – Losungen und Federn – gingen aus allen Landesteilen ein. Möglich war die umfassende Erhebung im Rahmen des Projekts „Auerhuhn im Fokus“ durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Verwaltung und Praxis: Koordiniert vom Amt für Wildtiermanagement beteiligten sich alle Forststationen des Landes, Jagdaufseher sowie passionierte Fachleute vor Ort an der Sammlung. Ziel des Projekts unter der Leitung von Eurac Research ist es, neue Grundlagen für ein langfristiges, flächendeckendes und ressourcenschonendes Management des Auerhuhns zu schaffen.
Die gesammelten Proben sind derzeit in einem Tiefkühlfach des Amts für Wildtiermanagement in Bozen zwischengelagert, damit die DNA erhalten bleibt. In Kürze werden sie genetisch untersucht.
„Für den langfristigen Schutz des Auerhuhns reicht es nicht zu wissen, wo die Art vorkommt. Wir müssen auch verstehen, ob die einzelnen Bestände noch miteinander in Austausch sind“, erklärt Benjamin Kostner, Wildtierökologe bei Eurac Research und Koordinator des Projekts. „Wenn eine Population nicht mehr mit anderen in Kontakt ist und genetisch verarmt, bedeutet dies langfristig das Ende für diese isolierte Teilpopulation.“
Das Auerhuhn zählt heute zu den bedrohten Vogelarten im Alpenraum. Es braucht lichte, strukturreiche Berg-Nadelwälder in denen sich auch Heidelbeerbestände gut entwickeln können. Die Art reagiert äußerst empfindlich auf Störungen und braucht großflächige, ruhige Lebensräume. Dichter werdende Wälder, die Zerschneidung von Habitaten durch Infrastruktur und Skigebiete, häufige Störungen durch Freizeitaktivitäten wie Skitourengehen oder Mountainbiken sowie die Folgen des Klimawandels setzen den Beständen zunehmend zu. Das Auerhuhn gilt zudem als sogenannte Schirmart: Schutzmaßnahmen für seinen Lebensraum kommen auch vielen anderen Arten zugute, etwa Spechten, Eulen oder Insekten.
Ein weiteres wichtiges Ziel des Projekts „Auerhuhn im Fokus“ war es, die Verbreitungskarte des Auerhuhns in Südtirol auf den neuesten Stand zu bringen. Die Karte war zuletzt 2014 aktualisiert worden. Sie beruhte vor allem auf lokalem Expertenwissen, das drohte, nach und nach verloren zu gehen. Im Rahmen der Schulung im Dezember 2025 wurde das Wissen aus ganz Südtirol erstmals wieder zusammengeführt und die Karte flächendeckend überarbeitet.
Neben genetischen Analysen setzt das Projekt auch auf digitale Werkzeuge und innovative Monitoringmethoden. So werden einerseits Lebensraummodelle als Instrumente für eine gezielte waldbauliche Planung zur Förderung der Lebensräum erstellt und andererseits an ausgewählten Balzplätzen Audiorekorder installiert, um Auerhühner während der Balzzeit akustisch zu erfassen. Die Tonaufnahmen – mehrere hundert Stunden lang – werden mit Hilfe Künstlicher Intelligenz analysiert: Die Programme durchforsten die Daten in wenigen Minuten, erkennen Muster und können so dabei helfen, Tierpopulationen effizienter und genauer zu überwachen. Das Projekt zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure für den Artenschutz ist.
Wissenschaftliche Daten, lokales Erfahrungswissen und praktische Arbeit im Gelände greifen ineinander: Forstpersonal, Jagdaufseher und lokale Experten und Expertinnen kennen die Gebiete, Forschende analysieren die Daten und entwickeln gemeinsam mit Verwaltung und Praxis mögliche Schutz- und Managementmaßnahmen. Auf dieser Grundlage sollen langfristig Prioritäten für den Schutz und die Förderung geeigneter Lebensräume festgelegt und Lösungen dafür entwickelt werden, wie Wälder weiterhin genutzt und bewirtschaftet werden können, ohne wertvolle Lebensräume zu verlieren, sondern diese zu fördern.
Das Projekt „Auerhuhn im Fokus – Smarte Schutzstrategien für die subalpine Biodiversität“ wird von Eurac Research koordiniert und läuft von April 2025 bis Oktober 2027. Ziel ist es, neue Grundlagen für ein langfristiges, flächendeckendes und ressourcenschonendes Management des Auerhuhns zu schaffen. Dazu werden genetische Analysen, bioakustisches Monitoring und Lebensraummodelle kombiniert. Projektpartner sind das Amt für Wildtiermanagement des Landes Südtirol, das Wildbiologische Büro Veronika Grünschachner-Berger, die FH Kärnten, das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU, der Südtiroler Jagdverband, die Vorarlberger Jägerschaft, das Forstinspektorat Bozen 1 und die Forstschule Latemar.




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