An einigen Südtiroler Schulen bereits Realität

Handyverbot an Schulen – eine pädagogisch sinnvolle Maßnahme

Montag, 24. September 2018 | 08:20 Uhr

Handys stören erheblich den Unterricht: Es piepst, klingelt und vibriert im Klassenzimmer. So manche Lehrperson erträgt dies nicht mehr. Es kursieren auf Youtube einige Videos von Lehrpersonen und Universitätsprofessoren, die von der Handynutzung ihrer Schüler und Studenten genug haben. Es ist kein Zufall, dass die extremen Reaktionen einiger Lehrer und Professoren von deren Schülern und Studenten gefilmt und ins Netz gestellt wurden. Die Handys sind griffbereit.

In Deutschland spricht sich der Lehrerverband klar für ein Handyverbot an Schulen aus, wie es künftig in Frankreich gilt

Das Handy ist zum treuen Begleiter vieler Menschen geworden und ist überall mit dabei – auch im Klassenzimmer. Dies zum Leidwesen des unterrichtenden Personals und auf Kosten der Qualität des Unterrichts. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger erläutert: “Die Erfahrung zeigt, dass Handys im Unterricht fast nie ausgeschaltet werden. Die meisten sind nur stumm geschaltet. Das mindert die Aufmerksamkeit. Konzentrierter Unterricht ist da nur eingeschränkt möglich.”

Ein weiteres Argument dafür, die Handys aus den Klassenstufen zu verbannen ist Mobbing: “Fast jedes körperlich-direkte Mobbing wird überdies heute begleitet von Mobbing im Internet und den sozialen Netzwerken”, führt der Verbandspräsident aus. Damit seien dem Mobbing keine örtlichen oder zeitlichen Grenzen mehr gesetzt, es könne jederzeit betrieben werden und bei den Opfern schwere Schäden anrichten – bis hin zum Suizid.“

Manche sprechen davon, dass es sich beim Handyverbot in der Schule um ein „realitätsfernes Verbot“ handle und dass man Kindern lehren solle, mit Handys richtig umzugehen. Wer jedoch selbst unterrichtet – oder unterrichtet hat  – weiß, dass Handys den Unterricht erheblich stören, den Unterricht gar verunmöglichen.

In so mancher Schule in Südtirol besteht bereits ein Handyverbot im ganzen Schulgebäude. Dank der Weisung der Schuldirektoren und -direktorinnen sorgen die Lehrpersonen dafür, dass die Schüler/innen ihre Handys vor Unterrichtsbeginn ausgeschaltet in eine Handybox legen. Nur in den großen Pausen dürfen die Schüler/innen das Handy verwenden. Dies ist eine pädagogisch wohl durchdachte Entscheidung. Die Schüler/innen lernen, dass es auch ohne Handy geht und dass Lehrer/innen dafür sorgen, dass sinnvolle Regeln eingehalten werden. Die Lehrer/innen hoffen nicht darauf, dass das Handy im Schulranzen bleibt, sondern sie verwahren die Handys der Schüler/innen in einer Handybox. Sollten Eltern ihre Kinder dringend erreichen wollen, so können sie im Schulsekretariat anrufen – im Ernstfall natürlich.

Es reicht also in der Regel nicht, dass man darauf vertraut, dass das Handy im Schulranzen bleibt. Lehrer/innen wissen, dass sich die Handys dann doch auf wundersame Weise ihren Weg ins Freie bahnen. Die Schüler/innen lenken sich mit dem Handy ab.

Handys im Klassenzimmer bergen auch die Gefahr, dass Schüler/innen heimlich Videoaufnahmen von ihren Lehrpersonen machen. Dies zeigte ein Fall in Torino, wo Schüler/innen Lehrpersonen im Unterricht heimlich filmten und fotografierten und die Videos und Fotos auf Whatsapp und dergleichen verbreiteten. Die 22 Schüler/innen wurden zwar suspendiert, die gefilmten und fotografierten Lehrpersonen waren jedoch schon öffentlich lächerlich gemacht worden. Sie müssen damit leben, dass ihre Privatsphäre nicht respektiert wurde und sie im World Wide Web verewigt sind.

Auch in Lucca verewigte eine Videoaufnahme in einer Schulklasse das respektlose Benehmen eines Schülers gegenüber einem Lehrer. Das sind eindeutig vermeidbare Fälle. Lehrer/innen haben das Recht darauf, dass ihre Privatsphäre geschützt wird:

Dass das Verhalten von Schüler/innen ihrer Lehrerschaft gegenüber zunehmend respektloser wird, zeigen etliche Videos, die im World Wide Web kursieren.

So manche/r Lehrer/in wird von der Schülerschaft so lange provoziert, bis er/sie “die Nerven verliert”. Die Reaktion wird gefilmt und auf “Scuola Zoo” online gestellt. Hier finden sich etliche Videos von Lehrern in kritischen Unterrichtssituationen. Manche Lehrer/in weiß das und bleibt ruhig, obwohl der Ton und das Verhalten der Schüler darauf ausgerichtet ist, die Lehrperson “aus der Reserve zu locken”:

Frankreich hat bereits begriffen, dass Handys im Unterricht hinderlich sind. Im Juli hatte das französische Parlament ein Handyverbot für Vorschulen, Grundschulen und weiterführenden Schulen beschlossen. Es betrifft Kinder und Schüler/innen im Alter von drei bis 15 Jahren. Französische Gymnasien haben die Möglichkeit, ebenfalls ein Handyverbot einzuführen, sind aber nicht dazu verpflichtet. Damit hat Frankreich ein bestehendes Gesetz verschärft: Das Handy im Unterricht ist bereits seit 2010 tabu.

Von: bba