Roter Punkt an der Tür hilft gegen Einsamkeit

„Opendot“ – ein Projekt gegen die Einsamkeit

Dienstag, 18. September 2018 | 07:01 Uhr

Es ist eine einfache Methode und doch wirksam: In Augsburg werden rote Punkte gegen die Einsamkeit verteilt. Die Idee stammt von der Augsburger Künstlerin Juliane Stiegele.

Stiegele hat zusammen mit der Organisation “Utopia Toolbox” ein Projekt gegen Einsamkeit gegründet. Jeder, der Interesse an neuen Bekanntschaften hat, kann einen roten Punkt an seine Tür kleben und damit zeigen, dass er bereit für Gespräche ist. Im Idealfall klingeln Nachbarn oder völlig Fremde an der Tür und es entwickeln sich Freundschaften.

In den vergangenen Wochen wurden schon 7.000 Punkte in Augsburger Briefkästen gesteckt und an öffentlichen Plätzen verteilt.

„Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft wie ein Schwelbrand. Ein Phänomen, das sich langsam und unbeachtet immer weiter ausbreitet“, findet die Künstlerin Juliane Stiegele.

Bei ihrem aktuellsten Projekt ist der Künstlerin aufgefallen, welche Ausmaße das Problem bereits angenommen hat. Für das internationale Kunstprojekt “Utopia Toolbox” hat Stiegele Bürger befragt, wie sie sich die Zukunft vorstellen und was sie gerne verändern würden. Dabei hat sie festgestellt, dass viele alte Menschen, aber auch viele Junge von Einsamkeit betroffen sind.

Die Aussage eines alten Mannes habe sie zum Nachdenken bewegt. “Er sagte, er lebe in einer Wohnbatterie, in der die Menschen Zelle an Zelle wohnen, ohne miteinander zu sprechen”, erzählt Stiegele der HuffPost. “Und dass es sein größter Wunsch wäre, dass es eine Gemeinschaft gäbe.”

Einsamkeit ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft

Einem Untersuchungsbericht aus Großbritannien zufolge, ist Einsamkeit genauso gesundheitsschädigend wie täglich 15 Zigaretten zu rauchen. Der Psychiater Martin Spitzers geht sogar so weit zu sagen, Einsamkeit sei “die Todesursache Nummer eins in den westlichen Ländern”.

Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2017 zeigt, dass bei einsamen Menschen das Risiko, an Altersdemenz zu erkranken, um das Doppelte steigt.

Die Professorin für Psychologie Julianne Holt-Lunstad fand in zwei großen Meta-Analysen heraus, dass Einsamkeit ein größeres Gesundheitsrisiko für die amerikanische Bevölkerung darstellt als Fettleibigkeit.

Juliane Stiegele will es in Deutschland nicht so weit kommen lassen

Bisher habe das Projekt zwar schon viel Aufmerksamkeit bekommen, viele Menschen würden es aber den Einschätzungen von “Utopia Toolbox” zufolge noch nicht nutzen. Stiegele vermutet, dass die Scham groß ist.

Stiegeles Idee kann jedoch funktionieren. Die Künstlerin hofft, dass sich der rote Punkt über ganz Europa verbreitet. Bisher habe immerhin schon Helsinki Interesse gezeigt, außerdem Köln, Karlsruhe und Unna.

Manche Veränderungen benötigen einfach etwas Zeit und Mut.

Von: bba

Kommentare

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1 Kommentar auf "„Opendot“ – ein Projekt gegen die Einsamkeit"


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Staenkerer
1 Monat 2 Tage

an sich a supper idee, i hiff lei das des gute unterfongen in de heuting zeitn von “unbekannten” nit zu böse hintergedonkn führt und dementsprechend ausgenutz werd!
i wünsch das i desmol wirklich zu pessimistisch denk!

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