Jubiläumsfeier bei strahlendem Bergwetter

150 Jahre Julius-Payer-Hütte am Ortler

Mittwoch, 27. August 2025 | 10:55 Uhr

Von: mk

Sulden – Am vergangenen Montag feierte die Julius-Payer-Hütte auf 3.029 Metern ihr 150-jähriges Bestehen. Zahlreiche Bergsteigerinnen und Bergsteiger, viele Interessierte aus nah und fern sowie prominente Gäste nahmen bei strahlendem Bergwetter an den Feierlichkeiten teil.

Die erste Hütte wurde 1875 von der Sektion Prag des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins errichtet und nach dem Alpinisten und Polarforscher Julius Payer benannt. 1999 ging die Payerhütte schließlich in den Besitz des Landes Südtirol über und wird seitdem vom Amt für Vermögensgüter verwaltet.

Wie bereits vor 150 Jahren begleiteten die Klänge der Musikkapelle Prad die Feierlichkeiten. Den geistlichen Höhepunkt bildete die Heilige Messe, die Bischof Ivo Muser in der kürzlich renovierten Kapelle zum Hl. Antoninus zelebrierte. Nach der Messe richtete Alexander Ortler vom Hotel Cevedale/Sulden seine Grußworte an die Festgemeinschaft. Landeshauptmann-Stellvertreterin Rosmarie Pamer gratulierte dem Hüttenwirt Bernhard Wöll, dessen Familie die Hütte seit 105 Jahren bewirtschaftet. Auch Hanspeter Gunsch, Amtsdirektor des Amtes für den Nationalpark Stilfserjoch, würdigte die historische Bedeutung der Hütte und ihre Rolle als wichtiger Stützpunkt im Hochgebirge.

Hüttenwirt Bernhard Wöll, der die Julius-Payer-Hütte mittlerweile in vierter Generation führt, nutzte die Gelegenheit, um seiner Familie zu danken. Besonders hob er den Einsatz seiner Mutter Filomena Ortler hervor, die die Hütte bis 2016 36 Jahre lang gemeinsam mit ihrem Mann Hermann Wöll leitete und ihren Sohn bis heute tatkräftig unterstützt. Mit bewegenden Worten betonte er die persönliche Hingabe, die mit der Hüttenführung verbunden ist: „Den ganzen Sommer über lebe ich hier oben auf der Hütte, während meine Frau Elisa mit unseren beiden kleinen Söhnen im Tal bleibt. Ohne ihre Unterstützung wäre das alles nicht möglich.“ Darüber hinaus lobte Wöll seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich täglich mit Freude und Engagement den besonderen Herausforderungen des Hochgebirgsalltags stellen. Gleichzeitig wies er auf die hohen Kosten und enormen organisatorischen Aufwand für die Materiallieferungen per Hubschrauber hin, die er vollständig selbst tragen muss. Daher wäre der Bau einer Materialseilbahn dringend erforderlich, um die Hütte auch künftig professionell betreiben zu können.

Für alle Bergsteigerinnen und Bergsteiger wurden auf der Sonnenterrasse Getränke und Häppchen serviert, während die geladenen Ehrengäste im Speiseraum Hirschgulasch mit Speckknödeln und Marillenkuchen genießen konnten. Diese Bewirtung spendierte Bernhard Wöll persönlich – eine großzügige Geste, die die lange Tradition der Gastfreundschaft der Julius-Payer-Hütte würdigt.

Anlässlich des Jubiläums war auch die Autorin Karin Ortler vor Ort, Tante des aktuellen Hüttenwirts und selbst viele Sommer auf der Hütte tätig. Ihr Buch „Die Julius-Payer-Hütte – 150 Jahre Gastfreundschaft am Ortler“ (Effekt-Verlag, Neumarkt) erzählt die Geschichte des Schutzhauses anhand historischer Fotos, Originaldokumente, Zeitzeugenberichte und Presseartikel. Ergänzt wird die Chronik durch Porträts der Hüttenwirtinnen und Hüttenwirte, die Einblicke in den Alltag und die Herausforderungen in hochalpiner Lage geben. Das Buch ist im Handel erhältlich.

Mit dieser Jubiläumsfeier wurde insbesondere die lebendige Tradition und Bedeutung der Julius-Payer-Hütte für Alpinismus und Gastfreundschaft am Ortler gewürdigt.

Bezirk: Vinschgau

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