ASGB-Landesbedienstete kritisieren Heiner Oberrauch

“Alte Vorurteile und keinerlei konkrete Vorschläge”

Donnerstag, 27. Mai 2021 | 15:33 Uhr

Bozen – Mit Unverständnis und Kritik reagieren die ASGB-Landesbediensteten auf die Angriffe des neuen Präsidenten des Unternehmerverbandes, Heiner Oberrauch. „Die Angriffe kommen nicht überraschend, es scheint leider Usus bei den Unternehmern zu sein, zuallererst gegen den öffentlichen Dienst zu schießen“, erklärt Landessekretärin Karin Wellenzohn, die auf ein in den letzten Jahren stetig erweitertes Aufgabenspektrum, auf den geltenden Aufnahmestopp und die gesellschaftliche Bedeutung eines funktionierenden öffentlichen Dienstes verweist.

Heiner Oberrauch, Neo-Präsident des Unternehmerverbandes, hatte zu seinem Amtsantritt einen Abbau des Verwaltungspersonals im öffentlichen Dienst gefordert:  Wenn beim Land die Arbeitsprozesse besser organisiert würden, dann würde es 30 Prozent weniger Angestellte brauchen.

„Es sind dieselben Vorurteile und Stereotypen, die auch alle seine Vorgänger schon bedient haben“, so Wellenzohn. „Schade ist, dass es immer bei allgemeinen Angriffen bleibt und nie konkrete Vorschläge gemacht werden, was wie verbessert werden könnte.“

So bleibe auch Oberrauch die Antwort auf die Fragen schuldig, welche Dienstleistungen der öffentlichen Hand er zurückfahren und welche Dienste er streichen wolle. „Was uns auch fehlt, ist eine Alternative“, so die Landessekretärin. „Sollen die Dienste, die die öffentliche Hand aufgeben soll, privatisiert werden?“ Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte hätten europaweit gezeigt, dass die Privatisierung gesellschaftlicher Aufgaben selten mehr Effizienz gebracht hätte. „Im Gegenteil: In vielen Fällen hat die Qualität unter der Privatisierung gelitten, zudem sind die Dienste wesentlich teurer geworden – für die öffentliche Hand und die einzelnen Bürgerinnen und Bürger“, so Wellenzohn.

Die Landessekretärin der ASGB-Landesbediensteten führt zudem an, dass – wenn man das Verwaltungspersonal des Landes heranziehe – die Rede von 2400 Personen sei. „Wir sind kein unüberschaubares Heer, das immer größer wird, wie die Unternehmer so oft glauben machen“, erklärt Wellenzohn. „Das Gegenteil ist der Fall.“ So sei das Aufgabenspektrum der öffentlichen Verwaltung in den letzten Jahren kontinuierlich breiter geworden, es seien stetig neue Aufgaben dazugekommen, während seit Jahren ein Aufnahmestopp gelte. Die Folge sei, dass viele Ämter unterbesetzt seien, das Personal immer älter und die Besetzung offener Stellen immer schwieriger werde. „Wenn man die Effizienz des öffentlichen Dienstes also steigern möchte, dann sind weitere Kürzungen genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen“, so Wellenzohn. „Das, was gefordert wird, gleicht einem Kaputt-Sparen.“

Die ASGB-Landesbediensteten sehen auch einen Widerspruch in einem von „der Wirtschaft“ immer wieder geforderten Ausbau des öffentlichen Beitragswesens und einem Abbau des Verwaltungspersonals. „Wer bearbeitet dann die vielen Gesuche, wer sorgt für eine zeitgerechte Auszahlung der Beiträge und wer kontrolliert, wohin die Steuergelder fließen und ob sie das gerechtfertigt tun“, fragt sich Wellenzohn.

Die Landessekretärin der ASGB-Landesbediensteten erinnert schließlich auch an die gesellschaftliche (und volkswirtschaftliche) Bedeutung des öffentlichen Dienstes, die sich auch und vor allem in Zeiten der Pandemie wieder deutlich gezeigt habe. „Während die Privatwirtschaft Kosten reduziert hat, indem Personal und/oder Arbeitszeiten abgebaut wurden, hat der öffentliche Dienst in vielen Familien dafür gesorgt, dass zumindest ein geregeltes Einkommen da war“, so Wellenzohn. „Und oft genug waren es die Frauen der Verwaltung, die für dieses Einkommen gesorgt haben – und damit auch für die nötigen Mittel, die Wirtschaft einigermaßen am Laufen zu halten.“

Indes wurde beim Land schon eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Prozesse und Leistungen genau untersuchen und anschließend einen Plan vorlegen will, wo und wie Einsparungen möglich sind.

Grüne: “Ein guter Start – leider mit Schönheitsfehler”

“Als überaus anregend kann man die Antrittsrede des neuen Präsidenten des Unternehmerverbandes, Heiner Oberrauch, bezeichnen. Sensibel und weitsichtig präsentierte er sich und fand wohltuende Worte, die zuversichtlich in seine Amtszeit blicken lassen: Mehr Qualität – weniger Quantität, ein Klimaschutz, der ernst genommen, Produktion, die zurück nach Europa geholt werden will – genau das, was es in dieser Zeit zu sagen gilt. Als Grüne stellen wir fest, dass wir gemeinsame Ziele haben, und vielleicht auch gemeinsame Wege dorthin finden werden, das stimmt uns optimistisch.”

“Seine Aussagen zu den öffentlichen Beschäftigten – zwar so nicht in seiner Rede, wohl aber in einigten Medienberichten zu lesen – können wir jedoch nicht vollends teilen. Die Mitarbeitenden der öffentliche Verwaltung kümmern sich nicht nur um Beiträge für die Wirtschaft, um Familien- und Sozialbeiträge oder um ein funktionierendes Straßennetz, sondern sie sind die wirklichen Wächter unserer Autonomie, dies darf nie vergessen werden. Die Wahl von Heiner Oberrauch war jedoch eine gute, Südtirol kann davon sicher profitieren. Wir sind gespannt welche Taten diesen überwiegend schönen Worten folgen werden”, so die Grünen.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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36 Kommentare auf "“Alte Vorurteile und keinerlei konkrete Vorschläge”"


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Maurus
Maurus
Tratscher
16 Tage 5 h

Wieviele Landdsbedienstete hat Südtirol denn? Ich denke auch es sind zuviele.

Will ja nicht sagen, sie arbeiten nicht. Aber die Bürokratie ist zu viel.

In der Privatwirtschaft würden diese Zahlenverhältnisse nicht funktionieren

alpenfranz
alpenfranz
Superredner
16 Tage 5 h

genau das ist das Problem. In der Privatwirtschaft entscheidet der Chef was und wo er kauft. Im öffentlichen Dienst (Altersheime, Schulen usw) braucht es für jeden Ankauf 3 Angebote und der Papierkram der entsteht ist gewaltig. Alles vom Gesetzgeber bzw. Rechnungshof vorgegeben. Deshalb ist ein Vergleich zwischen Privatwirtschaft und staatlichen Institutionen so und anders für die Katz.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
16 Tage 3 h

Bemerkenswert ist dass diesmal nicht die Bauern, Politiker oder Ausländer mit reinen Vorurteilen attackiert werden. Eine neue Gruppe ist als Pruegelknabe geschaffen, mit dem Klischee des “net viel leisten”.

corona
corona
Superredner
16 Tage 2 h

lieber maurus,
lies den artikel noch einmal aufmerksam durch. die von dir gefragte zahl steht da. und deine schlussfolgerungen sind falsch, wie du dann sicher mit scham feststellen wirst…

PhilGrill
PhilGrill
Grünschnabel
15 Tage 22 h

Das Problem ist in der Privatwirtschaft ist der Chef der Entscheidet da es ja sein Geld ist, und das ist auch gut so. in der öffentlichen Verwaltung wird das Geld der Steuerzahler verwaltet und das muss nach gewissen Regeln passieren und der Raum für Entscheidungsfreiheit ist sehr begrenzt…. und das macht das alles sehr schwerfällig. Wenn das aber nicht so wäre würde kaum jemand im öffentlichen Dienst Arbeiten wollen weil es einfach um zu viel Geld geht

PhilGrill
PhilGrill
Grünschnabel
15 Tage 22 h

und das auch um das Geld der Steuerzahler zu schützen. wenn ich als öffentlicher Bediensteter Millionen verwalten und Freunderlwirtschaft betreiben würde weil mich die Gesetze ja nicht einschränken wäre damit keinem geholfen und die öffentliche Verwaltung würde erst recht … Freunderlwirtschaft

Neumi
Neumi
Kinig
15 Tage 13 h

Selbst in der Privatwirtschaft braucht man einen Plan oder zumindest eine konkrete Vorstellung. Keiner in der Privatwirtschaft wird einfach mal so “wir können 30% der Stellen einsparen” sagen, wenn er nicht weiß, welche das sind

Asou_nit_gewisst
Asou_nit_gewisst
Grünschnabel
16 Tage 5 h

Ich bin wirklich kein Fan von Heiner Oberauch, aber ich denke es nicht die Reduzierung von Dienstleistungen gemeint, sondern die Reduzierung von Personal unter beibehaltung aller Dienstleistungen.
Sprich effizienteres arbeiten im öffentlichen Dienst.

schwarzes Schaf
schwarzes Schaf
Superredner
16 Tage 2 h

Ja die Effektivität ist bestimmt auszubauen, und die privilegien zu kürzen.

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
16 Tage 5 h

Heiner Oberrauch würde staunen wenn der öffentliche Service nicht mehr gewährleistet wäre.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
16 Tage 3 h

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut!

Ober do hosch oan ausigschossn…

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
16 Tage 53 Min

Letztes Jahr ging es ohne Öffentliche Dienste auch

Neumi
Neumi
Kinig
15 Tage 13 h

@ nuisnix darf meinungs.freiheit keine freie Meinung haben?

Struppimaus
Struppimaus
Neuling
16 Tage 4 h

Ich bin auch Landesangestellte, aber in diesem Punkt muss ich Herrn Oberrauch Recht geben. Jedes Amt hat einen eigenen Direktor, Fizedirektor …..und so weiter

Savonarola
15 Tage 23 h

@ struppimaus

Fize oder Vize? 🤭

Struppimaus
Struppimaus
Neuling
15 Tage 21 h

@Savonarola 🤷‍♀️

Nichname
Nichname
Tratscher
16 Tage 4 h

Die Ausführungen dieses Herrn Oberrauch sind vor allem eine Beleidigung für die vielen Landesangestellten, die eine hervorragende Arbeit leisten. Drückeberger und Unfähige gibt es nicht nur im öffentlichen Dienst, sondern auch in der Privatwirtschaft. 

Lorietta12345678
Lorietta12345678
Superredner
16 Tage 4 h

Er hat Recht und das wissen wir alle, sogar die Landesbediensteten.

Savonarola
16 Tage 3 h

dann soll der Herr Oberrauch die Politik kritisieren und nicht die Bediensteten, denn die Bediensteten müssen sich bei der Arbeit an die Gesetze halten, die ihnen die Südtiroler und italienischen Politiker aufhalsen. Allles andere ist Populismus.

corona
corona
Superredner
16 Tage 1 h

zu 100% deiner Meinung! Nagel auf den Kopf getroffen.
Im Grunde gibt er viel Populistisches von sich und ein paar Gutmenschensätze, damit sogar die Grünen applaudieren…
Komödienstadel.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
16 Tage 51 Min

Nein die Gesetze machen die Amtsdirektoren. Schon vergessen?

Savonarola
15 Tage 23 h

@Spiegel

du scheinst ein Wissen zu besitzen, das der Allgemeinheit vorenthalten ist.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
15 Tage 13 h

@Spiegel
Die Amtsdirektoren machen viel, aber sicher keine Gesetze… wenn dann sind es die Abteilungs- und Ressortdirektoren…
Die Amtsdirektoren sind nicht Fisch und nicht Fleisch, ich denke sie müssen nach oben kuschen und nach unten treten… Aber ob es wirklich so ist… ist nur die Meinung eines Freundes 😉

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
16 Tage 3 h

A: “Ich arbeite den ganzen Tag auf der Baustelle – und was machst du?”

F: “Ich arbeite nichts, ich bin beim Land!”

Savonarola
15 Tage 13 h

@ nuisnix

nein, das ist der Witz über die Influencer

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
15 Tage 7 h

Ja stimmt, die sind noch schlimmer, wirklich das Allerletzte… aber die werden nicht von meinen Steuergeldern erhalten!

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
16 Tage 4 h

Oberrauch hat Recht, 30% weniger, dafür effektiver, müsste passen.
Das Bundesland Tirol, machts vor .

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Superredner
16 Tage 5 h

Lasst Herrn Heiner Oberrauch einmal anfagen zu Arbeiten, danach kann man ihn immer noch kritisieren! 

wellen
wellen
Universalgelehrter
16 Tage 4 h

Wo viel Geld zu verteilen ist, braucht es auch viele Verwalter. Sonst blüht Vetternwirtschaft ubd Korruption. Wäre das besser? Übrigens, auch Kranken- und Altenpflegerinnen sind öffentlich Bedienstete…

Savonarola
15 Tage 13 h

@ wellen

er spezifiziert ja “wohlgemerkt nur in der Verwaltung”. Offensichtlich hat er vom Enzianer etwas dazugelernt. Populismus bleibt es allemal, denn Herr Oberrauch bleibt die Erkärung schuldig, was mit den 30% geschehen soll.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
16 Tage 4 h

…Witze über überflüssige Landhäusler sein jo meeralt…
🤪

jochgeier
jochgeier
Superredner
16 Tage 2 h

obbo leido koan witz 😉

Dagobert
Dagobert
Kinig
16 Tage 45 Min

Logisch sein noch so einer Aussage viele ongfressn, obr genau diese wos am wenigsten leistn, am meisten!

Savonarola
16 Tage 1 h

man könnte ja damit beginnen, die im Land angestellten Familienangehörigen der Unternehmer zu reduzieren bis die 30% erreicht sind, denn daheim gibt es ja offenbar ein üppiges Einkommen, und dann lasten sie nicht einmal auf dem Sozialstaat.

Savonarola
15 Tage 23 h
Von den Landesräten für Personal hört man immer wieder von der “sozialen Verantwortung des Landes als Arbeitgeber”. Wenn damit gemeint ist, all jene anzustellen, die von der Privatwirtschaft hinausgeworfen wurden, oder die, die ein komottes Nebeneinkommen für ihre Familie suchen, in der der Ehepartner das meiste verdient (etwa ein Unternehmer, Freiberufler oder Handwerker oder Bauer?), oder die, sich dann schnell und mehrfach in den dreijährigen Mutterschaftsurlaub verabschieden, oder die geschützten Kategorien, oder die, die einfach nur eine ruhige Kugel schieben wollen, dann kann der sich gerne sozial genbende Herrr Oberrauch diese Elemente gerne übernehmen, aber sie dürfen nicht auf dem… Weiterlesen »
andr
andr
Universalgelehrter
15 Tage 14 h

Viele wissen gar nicht wie es im öffentlichen Bereich aussieht ich bin 35 Jahre im öffentlichen Bereich bin ein gelernter Elektriker darf aber keine lichtbirne austauschen🥵 ich bin froh in Pension zu gehen denn diesen sauhaufn Pack ich psychisch nicht mehr tut mir leid.

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