Von: luk
Bozen – Gebietsfremde, invasive Arten breiten sich in Italien immer schneller aus und verursachen erhebliche Schäden in der Landwirtschaft sowie an der Biodiversität. Das geht aus einem aktuellen technischen Bericht des nationalen Instituts für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) hervor, auf den der Südtiroler Bauernbund verweist.
Laut ISPRA sind in Italien derzeit rund 3.800 gebietsfremde Arten erfasst, etwa 600 davon gelten als invasiv. Diese Arten breiten sich stark aus und verursachen nachweislich große ökologische und wirtschaftliche Schäden. Während in den 1970er-Jahren jährlich etwa sechs neue Arten eingeschleppt wurden, liegt diese Zahl heute bei rund 25. Als Hauptursachen gelten der Klimawandel sowie der zunehmende internationale Waren- und Personenverkehr.
Der Südtiroler Bauernbund sieht sich durch die Zahlen in seinen langjährigen Erfahrungen aus der Praxis bestätigt. Landesobmann Daniel Gasser betont, dass invasive Arten sowohl die landwirtschaftliche Produktion als auch die biologische Vielfalt massiv gefährden. Um die Auswirkungen einzudämmen, sei ein koordiniertes Vorgehen notwendig. Landwirtschaft, Beratung, Behörden und Forschung müssten eng zusammenarbeiten, insbesondere bei Früherkennung, rascher Meldung neuer Schädlinge und klaren Zuständigkeiten.
Südtirol verfüge mit dem Versuchszentrum Laimburg und der Freien Universität Bozen über leistungsfähige Forschungseinrichtungen, betont Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Von zentraler Bedeutung sei zudem die Prävention, da sie wirksamer und kostengünstiger sei als eine spätere Bekämpfung. Gleichzeitig lasse sich die Ausbreitung invasiver Arten nicht immer verhindern. Daher brauche es künftig einen effizienten Pflanzenschutz. Aus Sicht des Bauernbundes müssten Bäuerinnen und Bauern ausreichend geeignete Mittel zur Verfügung stehen, um ihre Kulturen zu schützen und die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Die zuletzt rückläufige Zahl zugelassener Wirkstoffe sei problematisch.
Die wirtschaftlichen Schäden durch invasive Arten sind laut Schätzungen bereits enorm. Expertinnen und Experten beziffern die jährlichen Schäden in Europa auf über 116 Milliarden Euro, während sie 2008 noch bei rund 20 Milliarden Euro lagen. Ein bekanntes Beispiel ist die Marmorierte Baumwanze, die in Norditalien innerhalb eines Jahres Schäden von rund 350 Millionen Euro verursacht hat.
Neben der Landwirtschaft ist auch die Biodiversität stark betroffen. Schätzungen zufolge sind mehr als 600 heimische Arten durch gebietsfremde Organismen bedroht, einige gelten bereits als verschwunden. Als besonders problematisch gelten unter anderem die Asiatische Hornisse, die eine Gefahr für Bestäuber darstellt, sowie der Japankäfer, der mehr als 400 Nutz- und Zierpflanzen schädigen kann.
Angesichts der zunehmenden Bedrohung fordert der Südtiroler Bauernbund rasches und abgestimmtes Handeln, um Landwirtschaft, Biodiversität und Ernährungssicherheit langfristig zu schützen.




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