Thema nach Corona-Ausbruch bei Tönnies wieder aktuell

Bioland Verband Südtirol will Lebensmittelkette für Biofleisch

Mittwoch, 24. Juni 2020 | 11:51 Uhr

Bozen – Durch den Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies in Nordrhein-Westfalen, der auch Fleisch für Südtirol verarbeitet, ist das Thema Billigfleisch und Fleischkonsum wieder in den Mittelpunkt gerückt. „Im Fleischbereich ist der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit vielleicht am größten in der gesamten Lebensmittelbranche“, analysiert Bioland Obmannstellvertreter Walter Steger.

Gerade in diesem Bereich versucht Bioland Südtirol seit Jahren eine Lebensmittelkette vom Bauern über die Verarbeitung bis zum Handel und zum Tourismus aufzubauen – bis jetzt leider ohne Erfolg, obwohl die Tiere im Bereich Landwirtschaft und anscheinend auch die Nachfrage bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern da sind. Und es gäbe Leuchtturmprojekte, die diese Lücke schließen: BioBeef von der Genossenschaft Bioregio ist eines der qualitativ besten Fleischprojekte in Südtirol mit Mutterkuhhaltung im Laufstall, die Tiere werden mit Heu und Muttermilch gefüttert, verbringen ihre Zeit im Freien, so wie sich der Kunde das vorstellt. Verkauft wird BioBeef als Mischpaket direkt an die Haushalte, an den Handel und den Tourismus. „Um wirtschaftlich für die Bauern und artgerecht für die Tiere zu arbeiten, braucht es faire Preise. Diese ist der Handel nur sehr bedingt bereit zu zahlen. Im Tourismus schaut es im Moment, mit Ausnahmen, ähnlich aus“, so BioBeef Obmann Paul Profanter.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verwendung von so genannten unedlen Teilen. „Der Mensch lebt nicht nur vom Filet allein“, meint Walter Steger. Steger, selbst Touristiker und Bauer im Ahrntal, verwendet sein Kalb- und Rindfleisch im eigenen Hotel. Soll das wirtschaftlich gelingen, braucht es auch den richtigen Koch dazu, so Steger.

Die Zielvorgabe bei Bioland ist klar: Weg von Tiertransporten nach Norditalien und Aufbau einer regionalen Lebensmittelkette von biologischem Fleisch für den Einzelhandel und den Tourismus. Dabei geht es auch um die Produktion von Hackfleisch z.B. für Hamburger. Leider gibt es nur ein bis zwei Großbetriebe in Südtirol, die die hygienischen Richtlinien dafür erfüllen. „So lange Verarbeitung und Handel dem Fleisch aus Österreich, Deutschland und Norditalien den Vorzug geben und an einer Südtiroler Lebensmittelkette nicht interessiert sind, beißen wir weiter auf Granit, und das, obwohl der Kunde unser Produkt haben möchte. Vielleicht kann die Politik an diesem Punkt helfen, die richtigen Rahmen zu setzen und v.a. die richtigen Menschen an einen Tisch zu bringen“, so Walter Steger.

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die dezentrale Schlachtung. Durch die zentralisierte Schlachtung gibt es ein kollektives Wegschauen und eine Entfremdung des Endkonsumenten vom Tier. Respekt und Wertschätzung schwinden, wie Bioland Geschäftsführer Reinhard Verdorfer erklärt. Deshalb sind alle Aktivitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die eine dezentrale, hofnahe Schlachtung ermöglichen, wie sie nun auch im Burggrafenamt praktiziert wird, zu begrüßen. „Wenn wir aus dem Fall Tönnies etwas gelernt haben, dann, dass eine dezentrale Schlachtung, v.a. im ländlichen Gebiet, wie es Südtirol ist, wohl die Zukunft ist“, so Geschäftsführer Verdorfer.
Und was kann der Konsument tun? Beispielsweise auf Siegel achten, welche die biologische Landwirtschaft und regionale Herkunft angeben. Mündliche Versprechungen können stimmen, müssen aber nicht. Zudem: Weniger Fleisch konsumieren, und wenn, dann von guter Qualität aus biologischer und regionaler Herkunft.

 

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Bioland Verband Südtirol will Lebensmittelkette für Biofleisch"


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andr
andr
Universalgelehrter
12 Tage 12 h

Fleisch sollte ein luxusartikel sein ich kann es nicht sehen wenn das halbe schnitzel im Müll landet denn dann sollte jeder einmal dabei sein wenn ein tier geschlachtet wird

Faktenschnecker
Faktenschnecker
Tratscher
12 Tage 12 h

sehe ich gleich… kein Produkt für die Massen.

Coolpet
Coolpet
Grünschnabel
12 Tage 9 h

@Faktenschnecker des soll heisen nur der Geld kann sich ernähren🤔

Faktenschnecker
Faktenschnecker
Tratscher
9 Tage 9 h

Nein, es soll heißen nur wer Geld hat soll sich Fleisch leisten können 😉

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
12 Tage 12 h

Dann muss das Heu kaufen aus der Po Ebene aufhören,mit dem Heu wird dann Bio Milch Verkauft

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
12 Tage 10 h

Mir erschließt sich der Sinn nicht. Zu viel Milch getrunken?

Nik1
Nik1
Grünschnabel
12 Tage 12 h

Suppo Soche Obo lod die Bauern a epas vodiean! Und et wie ba do Milch 0,30 – 0,40 Cent in Liter und in Gschäft zohlt man 1, 40 €

Sopra
Sopra
Grünschnabel
12 Tage 12 h
Meines Erachtens sollte noch mehr Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden nicht nur um das Produkt zu stärken sondern auch aus ernährungsphysiologischer Hinsicht. Zu hoher Fleischkonsum ist, wie man seit längerem weiß, nicht gesund. Zu viel Fleisch von schlechter Qualität potenziert diesen Wert umso mehr, da die eingesetzten Medikamente aber vor allem Hormone auch den menschlichen Organismus erreichen. Außerdem sollte auch in praktischer Sicht das Tier und seine Teile erklärt werden. Was kann man wie von welchem Teil machen stellt sich hier die Frage. Wenn jemand weiß was und wie man besondere Gerichte von “weniger” besonderen Stücken macht, kann dies durchaus auch auf… Weiterlesen »
serafina
serafina
Tratscher
12 Tage 9 h

sopra Alles an zufiel ist ungesund,nicht nur Fleisch.Wäre gut,wenn die Konsumenten aufgeklärt würden über die ganzen Auflagen die südtiroler Bauern bei der Milch und Fleischproduktion haben,denn wie man hier zum Teil lesen kann haben viele überhaupt keine Ahnung

Sag mal
Sag mal
Kinig
12 Tage 13 h

Coronna hatt auch Sein Gutes.

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
12 Tage 10 h

War das nicht Corinna?

Sag mal
Sag mal
Kinig
12 Tage 8 h

@Faktenchecker 😉ja tatsächlich.

wellen
wellen
Universalgelehrter
12 Tage 10 h

Kein Fleisch keine Wurst, keinen” Südtiroler MarkenSpeck” mehr essen!!!! Gegen Sklaverei, grausame Tierausbeutung hilft nur mehr der totale Boykott.

Mikeman
Mikeman
Kinig
12 Tage 8 h

@ wellen
Hauseigener Bauernspeck,alles andere ist Schmarrn für unbelehrbare Glaubenstanten 🤮

Gescheide
Gescheide
Tratscher
12 Tage 10 h
Sorry aber BIO und Corona haben meiner Meinung nach gar nix miteinander zu tun… BIO heißt nicht, dass die Tiere ein besseres Leben hatten/haben als nicht BIO – das glauben die meisten die immer fein sagen „ah, bei an BIO Giggerle hon i a besseres Gewissen, weil sel hots fein kop“ – Fehlanzeige – BIO hat einige Einschränkungen bei Futter, Medikamenten,… usw… – aber das wars dann auch! Natürlich gibt es da Ausnahmen, aber die kann es auch bei nicht-BIO geben. BIO garantiert auch keine besseren Arbeitsverhältnisse für die Angestellten – so viel zu BIO ist besser… Es gibt auch… Weiterlesen »
snip
snip
Grünschnabel
12 Tage 8 h

Im Text steht ja regional. Das meiste Bio ist rrgional. Leider fällt der Schiffsweg im Vgl zum Lasterle der letzten 100km nicht so sehr ins Gewicht der Transportbilanz/ Co² weil das ungeheure Transportmengen sind. Regional und artgerechte Haltung müssen aber nicht bio sein, bio schadet meist aber nicht.

meinungs.freiheit
12 Tage 12 h

Der Einsatz von Antibiotika in Mastbetriebe wäre zu verbieten um Antbiotikaresistenzen von Bakterien zu verhindern. Starke Antibiotika werden aktuell in fast allen Ländern der EU eingesetzt um billig zu produzieren.

serafina
serafina
Tratscher
12 Tage 9 h

Meinungs….Aus welchen Grund werden in der Mast Antibiotika eingesetzt?

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
11 Tage 15 h

Finde ich eine wirklich tolle Idee !! Vor allem wenn dies von Verbandsseite aktiv gefördert wird, glaube ich auch, dass sich in Südtirol eine eigene, regionale Fleischproduktion entwickeln wird. Wird halt nicht von heute auf morgen passieren. 
Aber stehe voll und ganz hinter dieser idee!!

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