Kritik des Dachverbands

Brennerverkehr: “Nichts aus der Krise gelernt”

Freitag, 08. Oktober 2021 | 11:26 Uhr

Bozen – Auf der Brennerautobahn sind in den Sommermonaten neue Höchstwerte sowohl beim Lkw- als auch beim Pkw-Verkehr erreicht worden. “Die Überschreitung der gesundheitsgefährdenden Stickoxid-Grenzwerte für dieses Jahr scheint damit unausweichlich. Und trotz allem verweigern sich Politik sowie Wirtschafts- und Transportlobbys jeglicher konkreten Maßnahmen, um die Verkehrsflut einigermaßen einzudämmen. Lieber kritisiert man Nordtirol, das bis dato als einziges seine Verantwortung zum Schutz der leidgeplagten Bevölkerung entlang des Brennerkorridors wahrnimmt”, so die Meinung des Dachverbands für Natur und Umweltschutz.

“Der Verkehr auf der Brennerautobahn nimmt zu. Zumindest bis zu den Lockdowns eine scheinbar in Stein gemeißelte Konstante. Mit den Lockdowns ging auch der Verkehr über den Brenner schlagartig zurück, wobei der Personenverkehr stärker abnahm als der Schwerverkehr. Damit in direkt zusammenhängend verbesserten sich die Luftwerte entlang des Brennerkorridors. Die kürzlich präsentierten Daten werfen diese positive Entwicklung aber wieder über den Haufen. In den drei Sommermonaten Juni, August und September nahmen sowohl der Lkw- als auch der Pkw-Verkehr erneut zu und lagen über den bisherigen Höchstständen aus dem Vor-Pandemie-Jahr 2019”, heißt es weiter.

“Mehr Verkehr, mehr Stickoxide”

“Damit einhergehend ist es absehbar, dass im heurigen Jahr die gesundheitlichen Grenzwerte für Stickoxide entlang des Brennerkorridors erneut überschritten werden. Die Politik hat es verschlafen, das Momentum des Pandemie-induzierten Verkehrsrückgangs für die Umsetzung von griffigen Maßnahmen zur grundsätzlichen Verlagerung und Reduzierung des Verkehrs zu nutzen. Denn Verkehr ist kein Zufall oder eine Naturkonstante. Er wird gemacht – von uns allen. Und er wird begünstigt, angelockt und subventioniert – von der Politik durch billigen Diesel in Nordtirol und günstige Mauttarife auf der Südseite des Brenners. Sofortmaßnahmen an diesen beiden neuralgischen Stellschrauben würden die Verkehrsbelastung und damit die Belastung für Mensch und Natur über den Brenner sofort, spürbar und nachhaltig vermindern. Die Anpassung der Mautpreise im gesamten Alpenraum an Schweizer Verhältnisse ist ein Muss, ebenso wie die Harmonisierung der Dieselpreise. Unumgänglich ist auch eine realistische CO2-Bepreisung. Angenehmer Nebeneffekt: Durch die Internalisierung dieser Kosten erhalten Produkte reale Preise und kleine Kreisläufe automatisch mehr Wert”, so der Dachverband.

“Endlich gemeinsame Maßnahmen setzen”

“Die Nordtiroler Politik hat reagiert und setzt konkrete Maßnahmen zur Verkehrsregulierung. In Südtirol schaut man hingegen nur untätig zu. Dabei sitzen wir mit Nordtirol in einem Boot. Daher sollte man sich endlich konstruktiv an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen zu einer Verkehrsminderung finden, anstatt den Nordtirolern immer nur Protektionismus vorzuwerfen. Die Euregio wäre eine gute Plattform dafür. Wenn die Südtiroler Politik nicht endlich aus ihrem Dornröschenschlaf in Sachen Verkehr, Transit und Emissionen erwacht, werden wir weiterhin einen ungebremsten Verkehrszuwachs auf der Brennerautobahn erleben – zum Schaden aller”, schließen die Umweltschützer.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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14 Kommentare auf "Brennerverkehr: “Nichts aus der Krise gelernt”"


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marher
marher
Universalgelehrter
18 Tage 19 h

Eine dramatische Situation, im Wipptal ist jeden Tag nur Stau, sei es auf der Autobahn als auch auf der Bundesstrasse. Am Wochenende irgendwo hinfahren ist eine Zumutung verbunden mit langen Wartezeiten und Stress.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
18 Tage 17 h

…nicht nur im Wipptal…

So ist das
18 Tage 15 h

Solange die LR keine nachhaltigen Massnahmen tatsächlich umsetzt, geht es weiter wie bisher. 🤔

Vranz
Vranz
Tratscher
18 Tage 19 h

Das ist die Folge der Kriese. Nach dem Lockdown wollen die Leute raus und das Leben genießen. Man weiß nie was wieder kommt. Da sind die Regelungen Schuld, und nicht die Leute.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
18 Tage 16 h

Seit wann ist das Leben zum Geniessen da?

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
18 Tage 14 h

@PeterSchlemihl
…nein, es ist dazu da, um ein Märchen über wundersame Lebensgeschichten zu erzählen 😉

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
18 Tage 19 h

Es bräuchte überall Obergrenzen: Tourismus, Schwerverkehr, Nahverkehr, Ausgang abends etc.

World
World
Tratscher
18 Tage 17 h

Du meinst also wirklich, die Lösung ist die totale Einschränkung.
Da wüsste ich was: Obergrenze bei den Gehältern aller. Zb.: 50.000 Euro.

faif
faif
Superredner
18 Tage 15 h

…es waret schun moll viel, wenn mehr in europa und wianiger in asien produziert wuret, des waren viel kürzere und umweltfreundlichere transporte möglich…ober asoo fohrn no mär containerschiffe manonder…

Dagobert
Dagobert
Kinig
18 Tage 16 h

Solong überoll ein dickes fettes Plus im Wirtschaftswochstum ongestrebt werd, konn sich a nichts ändern!

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
18 Tage 17 h

Der Präsident des Dachverbandes verkauft in Brixen Schuhe aus China. Die werden wohl per Maultier geliefert.

faif
faif
Superredner
18 Tage 16 h

…vor corona sein viele in urlaub gflogen…oder reisebus…jetzt wo viele auf nummer sicher giahn welln wärd holt der pkw/camper hergnummen um so wenig wie möglich und fast kontaktlos dee mehr oder weniger poorhundert km zum urlaubsdomizil zruggzulegn …isch jo kloor dass der verkehr nor zuanimp.
war kuan verkehr war a wianiger bis kuan tourismus… nor war a wieder zu jammern…..

Nightrider.
Nightrider.
Neuling
18 Tage 14 h

Wenn Sie lei amol die Mautheisln in Sterzing wegtatten, nor war wianiger Stau u wianiger Umweltbelostung

gustav
gustav
Grünschnabel
18 Tage 18 h

genau , alle PKW und LKW verbieten , es gibt ja schliesslich fahrräder und lastenfahrräder ……

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