Innovation und Liquidität zum Neustart

Covid-19: Auswirkungen sind stärker als bei Finanzkrise 2008

Montag, 18. Mai 2020 | 10:34 Uhr

Bozen – Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Südtiroler Wirtschaft sind stärker als die Effekte der großen Finanzkrise von 2008. Die Unternehmen haben im März mehr als ein Drittel des Umsatzes verloren. Das zeigt die Sonderbefragung des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen, die in Zusammenarbeit mit Eurac Research durchgeführt wurde. Die Krise betrifft fast alle Wirtschaftsbranchen und viele Aspekte der betrieblichen Tätigkeit. Trotzdem haben einige Unternehmen den Notstand auch als Chance genutzt und Innovationen angestoßen und umgesetzt.

Fast alle Südtiroler Unternehmen geben an, dass sich der Covid-19-Notstand sehr negativ auf Umsatz und Rentabilität ausgewirkt hat. Neben dem Tourismus sind die Automobilzulieferer, die Weinwirtschaft, die persönlichen Dienstleistungen sowie der Einzel- und Großhandel am stärksten betroffenen. Die Krise berührt alle Aspekte der betrieblichen Tätigkeit, von der Finanz- bis zur Personalverwaltung, von den Beziehungen mit den Lieferanten bis zur Logistik. Ganz besonders aber beklagen sich rund drei Viertel der Unternehmen über finanzielle Schwierigkeiten. Zumeist hängen diese Probleme mit mangelnder kurzfristiger Liquidität zusammen. Darüber hinaus belastet die Unternehmen die große Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung: Fast zwei Drittel der Betreiber und Betreiberinnen können nicht abschätzen, wann ihre Tätigkeit wieder ein normales Niveau erreichen wird. Nur 22 Prozent erwarten, dass dies bereits bis Ende des Jahres geschehen wird.

Die Reaktionen der Unternehmen auf die Krise sind je nach Größe und Tätigkeitsbereich sehr unterschiedlich. In dieser ersten Phase überwiegen aber kurzfristige Maßnahmen zur Bewältigung des plötzlichen Schocks. In jenen Sektoren, die offen halten konnten, reagierten Betreiber oft mit organisatorischen Neuerungen, wie z.B. Online-Handel und Hauszustellung. Die Krise veranlasste viele Unternehmen auch dazu, im Homeoffice zu arbeiten. Obwohl es nicht für alle Tätigkeiten anwendbar ist, kann man damit die Betriebskosten senken und den Bedürfnissen der Mitarbeiter entgegenkommen. In vielen Fällen wird sich dieses neue Arbeitsmodell auch dauerhaft durchsetzen können.

In den kommenden Monaten wird es notwendig sein, vor allem die kleinsten Unternehmen zu schützen, wie Handwerker und Einzelhändler. Einerseits meldeten nämlich diese Betriebe die größten finanziellen Schwierigkeiten, anderseits sind sie die Basis der Wertschöpfungskette, weil sie sowohl Lieferanten als auch Kunden größerer Unternehmen sind.

„Nach dem ersten Schock hat sich die Südtiroler Wirtschaft jetzt an die neuen Gegebenheiten angepasst und startet neu. In dieser Phase geht es vordringlich darum, den Unternehmen die notwendige Liquidität zu sichern. Langfristig ist wichtig, dass sowohl Unternehmen als auch der öffentliche Sektor weiter in die Digitalisierung investieren. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist entscheidend, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben”, so Handelskammerpräsident Michl Ebner.

Im Zuge der Umfrage wurden auch die Bedeutung der Globalisierung für Südtiroler Unternehmen sowie die möglichen Auswirkungen der aktuellen Covid-19-Krise auf Globalisierung und Digitalisierung genauer untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Globalisierung in erster Linie mit dem Zugang zu neuen Märkten, mit der Abnahme von Handelsbarrieren und einem besseren und schnelleren Austausch von Informationen in Verbindung gesetzt wird.

87 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die aktuelle Situation den Prozess der Globalisierung vorantreiben dürfte, insbesondere bezüglich technologischer Aspekte, wie etwa der Digitalisierung. Rund ein Viertel der Unternehmen setzen aufgrund der aktuellen Notsituation bereits jetzt verstärkt auf neue Technologien und Verfahren. Dazu gehören die Nutzung von Internetkommunikationstools, Onlinevertrieb und Hauszustellung oder der sozialen Netzwerke.

Was die Handelsglobalisierung anbelangt, rechnen Südtiroler Unternehmen mit einem geringen Einfluss der Krise. Lediglich 16 Prozent erwarten eine Dezentralisierung der Märkte.

„Zwei Reaktionen stechen also deutlich hervor. Zum einen der Wille, regionale Kooperationen stärker auszubauen, zum anderen die Beschleunigung der Digitalisierung durch die Übernahme neuer Technologien“, fasst Harald Pechlaner, Leiter des Center for Advanced Studies von Eurac Research, zusammen.

Die Südtiroler Unternehmen gehen außerdem davon aus, dass die Krise Auswirkungen auf die gesellschaftliche und politische Dimension der Globalisierung haben dürfte. Fast ein Viertel gab an, dass die aktuelle Situation zu einer Neuordnung der Zivilgesellschaft führen könnte. Zudem gehen die Unternehmen davon aus, dass die Krise eher zu einer Schwächung als zu einer Stärkung der europäischen Integration beitragen dürfte.

Weitere Auskünfte erteilt das WIFO.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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13 Kommentare auf "Covid-19: Auswirkungen sind stärker als bei Finanzkrise 2008"


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meinungs.freiheit
12 Tage 9 h

Es wurde zu sehr zu lange alles herunter gefahren. Die italienische Regierung hinkte mit wichtigen Entscheidungen immer um einige Wochen nach. Bestimmte Betriebe hätten mit Sicherheitsauflagen früher öffnen gekönnt. Auch die Entscheidungen der Inps waren träge wie eine Schnecke.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
12 Tage 6 h

@meinungs.freiheit….genau die Sorte Leute, die diese Meinung vertreten, wären mutmaßlich die Ersten, die die Regierung für zu spätes Handeln an die Wand nageln würden. Bei der Wirtschaftskrise 2008 mussten von geldgierigen Menschen verursachte Folgen bekämpft werden. Hier geht es um eine Menschenleben gefährdende und tötende Pandemie. Und komm mir jetzt bloß keine*r mit Bill Gates. Dem werfe ich nur Eins vor, Windows 95 🤮

meinungs.freiheit
12 Tage 4 h

@Guenni
Für Südtirol war es von sehr großem Nachteil dass die Regierung in Rom lange keine Termine nannte und die Autonomie nicht respektieren will, auch das Inail war viel zu langsam.
Dadurch sind viele Probleme und Spannungen entstanden.
Dein Kommentar hat nicht’s mit dem zu tun was ich geschrieben habe.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
12 Tage 59 Min

@meinungs.freiheit…das sehe ich nicht so ! Erinnere an Pipi Langstrumpf : Ich mach mir Die Welt, wie sie mir gefällt…

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
12 Tage 51 Min

@meinungs.freiheit….sind an der Finanzkrise 2008 auch fast 32.000 !! Menschen in Italien gestorben ?? Es kotzt mich an, dass bei Vielen immer nur das ” liebe Geld ” im Vordergrund steht. Wer keine*n Tote*n in seinem persönlichen Umfeld zu betrauern hat, sollte Gott, oder wem auch immer, dafür danken. Und jetzt die Ärmel hochkrempeln und aktiv sein, Geld kann man wiederbeschaffen, das verlorene Leben nicht !!

Mistermah
Mistermah
Kinig
12 Tage 31 Min

Das ist erst der Anfang. Wer meint es geht wieder weiter wie vorher, der irrt. Die ganze Welt wurde auf Null gefahren für??

Lorietta12345678
Lorietta12345678
Grünschnabel
12 Tage 29 Min

Wartet mal was passiert, wenn Betriebe wieder kündigen können. 

genau
genau
Kinig
12 Tage 10 Min

@Guenni

Millenium war auch nicht besser😄

genau
genau
Kinig
12 Tage 5 h

Wie geht dieser bekannte Spruch?
Operation geglückt Patient tot.😄😄

Mistermah
Mistermah
Kinig
12 Tage 30 Min

Jep. Patient war nicht mehr zu retten. Jetzt hat man eine Todesursache

genau
genau
Kinig
11 Tage 23 h

@Mistermah

Ja diese Theorie klingt sogar plausiebel.
Wir werden es wohl niemals erfahren.

Sommerschnee
Sommerschnee
Tratscher
12 Tage 9 h

Mission accomplished 🤔

Mr.X
Mr.X
Grünschnabel
11 Tage 22 h

Olls drhäng homsi insre unfähigen Politiker! Die gonzen Auswirkungen wermr ober erst in die nächsten Monate/Johre zu spüren kriagen. Guat isch lei dasses mehr oder wianiger olle Länder betrifft. Ober am meisten drauzohlen tian olm die folschen.

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