Internationale Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember

„Das Ehrenamt ist wertvoll!“

Mittwoch, 02. Dezember 2020 | 08:08 Uhr

Bozen – Der 5. Dezember ist der Internationale Tag des Ehrenamtes. Anlässlich dieses Tages hat sich Gottfried Oberstaller, der Landespräsident der Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund, Gedanken zum Thema „Ehrenamt“ gemacht.

Der Internationale Tag des Ehrenamtes wurde von den Vereinten Nationen vor 35 Jahren eingeführt. Ziel war bzw. ist die Anerkennung und Förderung des ehrenamtlichen Engagements weltweit. Gottfried Oberstaller ist seit Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht als Freiwilliger im Einsatz: Seine ehrenamtliche Laufbahn umfasst soziales und kulturelles, schulisches und kirchliches sowie wirtschaftliches und politisches Engagement; ausgeübt hat er dieses sowohl als Mitglied als auch als Funktionär in verschiedenen Vereinen, aber auch als Freiwilliger abseits von Organisationen. Im folgenden Interview verrät der Landespräsident der Seniorenvereinigung unter anderem die Motivation für seine lange und bunte Ehrenamtsgeschichte und schildert, wie sich die Corona-Pandemie seiner Meinung nach auf die Tätigkeit von Vereinen auswirkt.

Herr Oberstaller, wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen und was hat Sie motiviert, immer wieder neue freiwillige Aufgaben zu übernehmen?

Gottfried Oberstaller: Es hat mich eigentlich schon immer interessiert, ehrenamtlich in einem Verein mitzuarbeiten. Ich wollte mitentscheiden und mittun. Der erste Verein, bei dem ich als Funktionär tätig war, war der Braunviehverein Taisten. Als sie mich gefragt haben, ob ich mitarbeiten möchte, habe ich gleich Ja gesagt. Sie haben mich dann sofort zum Kassier und Schriftführer gemacht. Und so ist es immer weitergegangen und das eine hat irgendwie das andere ergeben. Mir war es im Leben immer wichtig, für andere Leute etwas zu tun und dadurch auch für mich selbst, denn so hat man das Gefühl, dass man nicht nur ein Mitläufer ist, sondern wirklich etwas bewegen kann. Und dabei wollte ich immer vielseitig interessiert bleiben. Das Leben ist breitgefächert und dem entsprechend wichtig waren mir Tätigkeiten in allen Lebensbereichen.

In Südtirol hat das Ehrenamt eine lange Tradition. Spielt es auch in der heutigen Gesellschaft Ihres Erachtens nach wie vor eine große Rolle?

Auf jeden Fall! Ohne das Ehrenamt wäre nämlich auch die heutige Gesellschaft arm dran. Wenn zum Beispiel alles „von oben herab“ organisiert oder bezahlt werden müsste, dann wäre unser Land ein anderes. Zwei Punkte liegen mir diesbezüglich sehr am Herzen: die Bürokratie und die Verantwortung. Sie müssten unbedingt verbessert werden! Es bräuchte eine Vereinfachung des bürokratischen Teils, denn sonst laufen wir Gefahr, dass sich irgendwann niemand mehr auskennt und es jedem bald einmal zu viel ist. Weiters bräuchte es eine Haftpflichtversicherung, die vom Land aus gemacht wird, und die Verantwortung der Funktionäre wenigstens zum Teil absichert. Oft ist das nämlich ein Grund, warum jemand nicht den Vorsitz in einem Verein übernehmen will und kann. Wenn das Ehrenamt bestehen bleiben soll, dann müssen die Freiwilligen unterstützt werden!

Es gibt Vereine, die tun sich leichter, Freiwillige zu finden, und andere, die tun sich schwerer. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Grundsätzlich freut es mich, dass es im Allgemeinen immer wieder Leute gibt, die wirklich anpacken wollen und sich mit Herz für die Gesellschaft einsetzen. Mir kommt es vor, dass sich Vereine, deren Angebot breitgefächert ist und die viel machen, eher leichter tun, neue Funktionäre und Mitglieder zu finden, als andere. Ich glaube, es braucht einfach die Akzeptanz für einen Verein und die Freude an den Themen, um mitzumachen.

Die Corona-Pandemie wirkt sich „zwiespältig“ auf das Ehrenamt aus: Einerseits gibt es Vereine, die dadurch besonders gefordert sind, und andererseits andere, die fast nichts mehr tun können. Wie erleben Sie das – speziell in der Seniorenvereinigung?

Ja, man sieht, dass sich beispielsweise Vereine, die sozial ausgerichtet sind, zurzeit leichter tun. Sie können den Leuten vor Ort helfen und ihnen eine wichtige Stütze sein. Die Seniorenvereinigung konnte dieses Jahr hingegen leider nur sehr wenig unternehmen. Den Seniorinnen und Senioren macht vor allem zu schaffen, dass sie sich nicht mehr persönlich treffen können. Wir versuchen halt, mit unseren Mitgliedern telefonisch in Kontakt zu bleiben. Ich sehe in dieser Krise aber auch eine Chance, und zwar für einen Neubeginn. Durch dieses „Herunterfahren“ der Tätigkeit warten die Leute darauf, dass die „normale“ Arbeit wieder losgeht, und freuen sich, dann wieder mitmachen zu können. Ich bin zuversichtlich, dass es nach dieser Zeit in den Vereinen eine Aufbruchstimmung geben wird.

Zum Abschluss eine Frage an Sie als Ehrenamtlicher mit viel Erfahrung: Warum soll das ehrenamtliche Engagement auch zukünftig anerkannt und gefördert werden?

Das Ehrenamt, wie es in Südtirol gelebt wird, ist für die Allgemeinheit unbezahlbar. Durch die gemeinsame Tätigkeit von Menschen wird das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander gestärkt und es entstehen neue Freundschaften. Die Werte, die in den Vereinen wichtig sind, sind für jeden Menschen und auch für die Zukunft unseres Landes wichtig: der Zusammenhalt und das Allgemeinwohl. Aus diesem Grund ist das Ehrenamt so wertvoll!

Von: mk

Bezirk: Bozen

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