"Algenteppich wegen Mist und Gülle"

Der Haider See: Ein Natursee in Bedrängnis

Montag, 24. August 2020 | 12:47 Uhr

St. Valentin auf der Haide – Der Haider See im oberen Vinschgau steht, was touristisches Interesse anbelangt, im Schatten des Reschenstausees. Das Interesse von Naturfreunden und der Umweltschutzgruppe Vinschgau für den naturnahen Stausee ist dagegen groß, denn der ökologische Wert des Haider Sees ist sehr hoch. Genau deshalb organisierte die Umweltschutzgruppe Vinschgau am Samstag, 8. August eine Exkursion rund um den Haider See mit Thomas Wilhalm; der Biologe begleitet die Interessierten mit naturkundlichen Informationen. Bei diesem Lokalaugenschein trafen sich sogenannte „Paten für Schutzgebiete“ mit Maria Luise Kiem und Anton Egger, den Vertreter*innen des amtlichen Naturschutzes, sowie Georg Pircher vom Forstinspektorat Schlanders.

„Der See wartet mit einigen naturkundlichen Juwelen auf; vor allem das Südufer – neben dem Nordufer als Biotop ausgewiesen – besticht durch eine typische und gut entwickelte, ökologisch hochwertige Ufervegetation. Der Haider See ist ein Hotspot der Biodiversität von Flora und Fauna“, stellte Thomas Wilhalm fest. Für die Vinschger Paten für Schutzgebiete ist es wichtig zu verstehen und letztlich zu vermitteln, welche ökologischen Voraussetzungen es braucht, damit Biotope und Naturdenkmäler in unserem Land bestehen und ihre ökologische Funktion weiterhin ausüben können. Im Zuge von naturkundlichen Exkursionen treffen sie sich regelmäßig, um sich fortzubilden und um sich mit den für Schutzgebiete zuständigen Amtspersonen auszutauschen. Groß war das Staunen, als Thomas Wilhalm erklärte: „Fachleute sind sich einig: der Haider See hat eine der schönsten und best entwickelten Unterwasservegetation in Südtirol mit der größten Anzahl an verschiedenen Laichkraut-Arten“.

Das Biotop „Haider See Südufer“ setzt sich zusammen aus einem ausgedehnten Schilfröhricht, großen Beständen des Teich-Schachtelhalmes und von diversen Seggen, sowie Weidengebüsch; es bietet so einen wichtigen Rast- und Brutplatz für viele Vögel.  Der Haider See ist auch wichtigster Standort des Wasserschierlings in Südtirol, einer vom Aussterben bedrohten Blütenpflanze.

“Gerade deshalb ist es für die Umweltschützer sehr wichtig, sich einzubringen, wenn es darum geht, die anstehenden Sanierungsarbeiten an der Staumauer am Südende des Sees möglichst ohne bleibende ökologische Schäden durchzuführen. Der Konzessionär Alperia ist durch ein nationales Gesetz nämlich verpflichtet, die technischen Sanierungsarbeiten in Kürze, d.h. im September und Oktober 2020, durchzuführen. Dabei wird ein Teil des Biotops notgedrungen in Mitleidenschaft gezogen. Vorgespräche zwischen der ausführenden Alperia, dem für den Schutz des Biotops verantwortlichen Amt für Natur und der Umweltschutzgruppe Vinschgau verfolgen das Ziel, die Anforderungen an den Zivilschutz und an den Naturschutz auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die Zusammenarbeit soll garantieren, dass der Eingriff mit großer Achtsamkeit durchgeführt und die Unversehrtheit des Biotops gewährleistet wird. Die Biotope am Haider See sind aber durch einen weiteren Störfaktor beeinträchtigt:  Seit vielen Jahren bedeckt ein Algenteppich den nördöstlichen Teil des Sees; wie ein Mantel legt er sich über die Unterwasservegetation. Der Algenteppich ist – laut den Beobachtungen der Umweltschutzgruppe – in den letzten Jahren besonders stark herangewachsen”, so die Umweltschutzgruppe Vinschgau.

Umweltschutzgruppe Vinschgau

Auch wenn – nach Auskunft des Biologischen Labors – die Wasserqualität in Ordnung sei, wird diese Algenblüte von den Umweltschützern mit Sorge beobachtet, “ist sie doch letztlich nur mit dem Eintrag von Nährstoffen zu erklären. Der Eintrag von Mist bzw. Gülle ist tatsächlich auch dokumentiert. Dass sich der Algenteppich auf den Nordostteil des Sees beschränkt,  hat wohl damit zu tun, dass hier der See relativ flach ist und sich das Wasser entsprechend mehr erwärmt, als im Rest des Sees.Damit der Haider See, ein Kleinod in der Südtiroler Seenwelt, seine ökologische Bedeutung beibehalten kann, braucht er mehr Schutz vor solchen Nährstoffeinträgen, genauere Wasserkontrollen und entsprechende Maßnahmen.” Das sind die Erkenntnisse und Forderungen der Vinschger Umweltschützer an die Verantwortlichen der diversen Ämter, die für die ökologische Unversehrtheit des Haider Sees – des Wasserkörpers gleichermaßen wie der Uferbereiche – zuständig sind.

Von: luk

Bezirk: Vinschgau

Kommentare

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15 Kommentare auf "Der Haider See: Ein Natursee in Bedrängnis"


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Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
1 Monat 4 h

Die Bauern, sogenannte Landschaftspfleger.

neidhassmissgunst
30 Tage 10 h

@Gagarella
Grundsätzlich gilt, ein Bauer arbeitet in seinem Privatgrund und wenn er etwa vielleicht eine Wiese neben diesen See hat, kann er trotzdem normal wirtschaften und den Wirtschaftsdünger ausbringen. Da hat irgendeine halbstudierte Schlaumeiergruppe schon gar nix dreinzureden. Die können hergehen und eine konstruktive Kritik bringen, direkt mit dem Bauer reden und Hinweise geben. Sie brauchen aber nicht zu den Medien marschieren und mit dem Finger auf andere zeigen. Schlimm ist es wenn jemand nix von Landwirtschaft versteht und trotzdem mitredet, ähnlich wie bei der Wolf-und Bärdiskussion.

OrB
OrB
Universalgelehrter
1 Monat 2 h

Was der Tourismus nicht zerstört, dem helfen Spritzmittel und Gülle.

Oracle
Oracle
Grünschnabel
30 Tage 22 h

Spritzmittel und Algen, wo gibt es da einen Zusammenhang? Wo werden da oben Spritzmittel ausgebracht? Dort gibt es in der Gegend um den See ja nur Wiesen und Wälder, oder?

ikke
ikke
Superredner
30 Tage 19 h

@Oracle zum Glück!!

inni
inni
Tratscher
1 Monat 6 h

“Algenteppich wegen Mist und Gülle” … ist da niemand, der den Bauern Einhalt gebietet ?

Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
1 Monat 3 h

Hallo nach Südtirol,

faktenfreies Eindreschen auf Bergbauern.
Die Trinkwassergüte von Mals wird behördlich und engmaschig überprüft,an insgesamt 9 Stellen.
Bei Überdüngung ist das deutlich bemerkbar in Sachen Nitrat und Nitrit. Grenzwerte sind 50 mg/l bei Nitrat und 0,5 mg/l bei Nitrit.
Mals hat 9 Überwachungsstellen,bei Nitrat wird regelmässig 1 mg/l und bei Nitrit < 0,01 mg/l (was unterhalb der Nachweisgrenze heisst) entdeckt

Auf Wiedersehen in Südtirol

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 1 h

Gülle ist für die Bauern ein grosses Problem. Tatsache ist, dass so manche Bauern die Gülle überall und nirgens ausschütten, spritzen ohne oft auf das Wetter, den Nachbarn u.s.w. zu achten. Gülle wird von manchen auch noch bei Nebelaktionen in gewisse Bäche geleert. Kein Wunder dass auch dieser See mit Mist und Gülle gefüllt ist. Angebracht wäre mehr Kontrollen und saftige Strafen.

serafina
serafina
Tratscher
30 Tage 23 h

mahrer Kannst du nicht lesen?es wurden Wasserproben genommen und es war von bester Qualität und du bist da nicht alleine bei den Analphabeten wie mir scheint

Oracle
Oracle
Grünschnabel
30 Tage 22 h

See mit Mist gefüllt? Ich bin vorletzte Woche vorbeigefahren, da war noch Wasser drin. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand Mist (der feste Teil, der hinten herauskommt) in den See kippt. Hat wirklich keinen Sinn bei den ganzen Wiesen. Wenn ich mir aber die ganzen Boote anschaue, ist auch das eine große Belastung für das Ökosystem des Sees, oder?

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 5 h

Hoffentlich bekommen die das (wieder) in Griff. Habe dort von Fischern schon mehrfach Renken und Bachsaibling gekauft. Vor allem die Renken sind ein Gedicht 😋 Ich drücke den Fischern vor Ort die Daumen ✊

Oracle
Oracle
Grünschnabel
30 Tage 22 h

warum sind die Vinschger Umweltschützer gegen Algen? Haben diese Lebewesen keine Daseinsberechtigung? Wir reden hier nicht von einem Plastikteppich! Wer gibt den Umweltschützer eigentlich das Recht zu entscheiden, welche Lebewesen da hingehören und welche nicht? Die Natur entscheidet selber und so soll es auch bleiben!

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
30 Tage 22 h

Was ist mir den Exkrementen der künstlich eingesetzten Fische?

ghostbiker
ghostbiker
Superredner
30 Tage 12 h

Mancherorts werd auch sofort nach dem mähen wieder mit Gülle gespritzt wos des Zeug heb.stinkt bis zum Himmel ober sein jo die Landschaftspfleger…wehe wenn dagegn wos sogsch😞

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
22 Tage 22 h

Über eine Woche nichts Neues im Vinschgau…

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