AFI-Präsident warnt vor falschem Weg

Dieter Mayr: “Keine Steuergeschenke!”

Freitag, 15. Mai 2020 | 20:36 Uhr

Bozen – Die Corona-Krise trifft Unternehmen und Wirtschaftszweige in Südtirol unterschiedlich hart, manche sogar überhaupt nicht. „Deshalb plädieren wir für eine Hilfe mit Augenmaß und nicht für pauschale Steuergeschenke“, sagt AFI-Präsident Dieter Mayr. „Die kolportierte Senkung oder Aussetzung der IRAP-Steuer für alle Unternehmen ginge in die falsche Richtung.“

Allgemein betrachtet durchtaucht Südtirol im Moment ohne Zweifel eine schwierige Phase. Einige Sektoren trifft es besonders hart, einige arbeiten mehr oder weniger im Normalmodus, in anderen wiederum herrscht regelrechte Goldgräberstimmung.

Der Negativblick: 11.500 Arbeitsplätze weniger in Beherbergung und Gastronomie

Man kann es so machen wie das Amt für Arbeitsmarktbeobachtung und auf den Wirtschaftszweig schauen, den es am härtesten trifft, nämlich das Gastgewerbe: Zwischen 9. März und 9. Mai seien dort 11.500 Arbeitsplätze verloren gegangen, heißt es in einer vorgestern veröffentlichten Meldung des Landespresseamtes. „Ist rechnerisch sicher korrekt, zeigt aber nur einen Teilaspekt der Südtiroler Wirtschaft“, schränkt AFI-Direktor Stefan Perini die Schreckensbotschaft ein.

Zu überlegen wäre auch, in welchen Bereichen Personen eingesetzt werden können, die seit einigen Monate ohne Arbeit dastehen. Das Gastgewerbe und die Hotellerie sind sicher Bereiche, wo es noch lange kriseln wird. Ein Umdenken, Umschauen sollte stattfinden und nicht nur ein Abwarten. Der Geldregen muss sicher irgendwann auch enden. Anpackende Hände sind im ganzen Land gefragt.

Die Krise hat auch Gewinner

In anderen Wirtschaftszweigen herrscht überaus reger Betrieb. Zu den Umsatzgewinnern der Krise zählen
Lebensmitteleinzelhandel, Online- und Versandhandel, Hauszulieferung, Software-Hersteller und –Händler, Streaming-Dienste, Online-Medien, Hersteller und Vertreiber von Desinfektionsmitteln, Hygieneartikeln und Schutzausrüstung sowie allgemein Reinigungs- und Desinfektionsfirmen.

„Ich behaupte, dass sich diese an der Covid-19-Pandemie gerade einen goldenen Zahn verdienen“, sagt AFI-
Direktor Stefan Perini.

Nein zu pauschalem IRAP-Geschenk

Gerade weil Auftrags- und Umsatzentwicklung der rund 42.000 gewerblichen Unternehmen in Südtirol völlig unterschiedlich sind, wäre ein pauschales IRAP-Steuergeschenk weit hergeholt. „Wer von der Krise arg gebeutelt wird, soll öffentliche Unterstützung erhalten, wer aber satte Gewinne schreibt, muss nicht zusätzlich mit Steuergeschenken belohnt werden – dafür fehlt jegliche moralische Legitimation“, äußert sich AFI-Präsident Mayr kategorisch. Differenzierung und nicht Pauschalisierung sei das Gebot der Stunde, unterstreicht das AFI.

Schöpferische Zerstörung

Was momentan (und nicht nur in Südtirol) abläuft, ist ein klassischer Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ im Sinn des Innovationstheoretikers Joseph Alois Schumpeter. Die Innovativen unter den Unternehmen überdenken ihr Geschäftsmodell, suchen neue Geschäftsfelder, experimentieren mit neuen Arbeitsmodellen, halten Ausschau nach neuen Märkten und testen neue Vertriebskanäle. In den letzten Wochen hat ein Digitalisierungsschub in ungeahnten Ausmaßen stattgefunden. „Wir werden in den nächsten Monaten Erholung erleben, wir werden aber auch sehr viel Strukturwandel erleben“, sagt Stefan Perini. „Durch den optimalen Einsatz von Mensch, Technologie und Organisation kann Südtirol jenen Produktivitätsschub erhalten, den es für die nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes braucht – mit weniger Fachkräften.“

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "Dieter Mayr: “Keine Steuergeschenke!”"


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Anubis
Anubis
Grünschnabel
20 Tage 3 h

Logisch und di varlieror sein di ungstelltn und a dei in reinigungsfirma odor lebnsmittl! Di sehl kregn koane 5 lire mehr fi der unstrengenden orbeit in der zeit😵

genau
genau
Kinig
20 Tage 2 h

Nicht nur Supermärkte hatten geöffnet.🙄

berthu
berthu
Superredner
19 Tage 12 h

Kein Wort zum unternehmerischen Risiko?
Immer mehr, immer größer und das mit höchst riskanter Finanzierung? Diese Seifenblasen sind von Natur her, und gesellschaftlich nicht tragbar. Komisch, von den Banken hört man zurzeit auch verdächtig wenig. Können sie ja fast sämtliche Risiken auf die Allgemeinheit abwälzen.

thomas
thomas
Universalgelehrter
19 Tage 11 h

sehr berechtigte Stellungnahme. Es braucht in vielen Bereichen eine differenziertere Sichtweise, zu Coronazeiten aber auch im Normalfall

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