Online-Angebot der öffentlichen Verwaltung "zu kompliziert"

Digital ist nicht automatisch bürgernah

Donnerstag, 14. Oktober 2021 | 10:24 Uhr

Bozen – Eine technisch versierte Arbeitnehmerschaft mit einem Hang zum eGovernment, die aber unzufrieden ist mit dem als zu kompliziert erachteten Online-Angebot der öffentlichen Verwaltung – dies sind im Kern die Schlüsse aus dem Sonderteil der Herbstausgabe des AFI-Barometers. „Besonders überrascht hat uns die ausgeprägte Neigung zur Nutzung telematischer Dienste, die sich aber anscheinend nicht positiv auf die Beziehung zwischen der öffentlichen Verwaltung und den Bürgern ausgewirkt hat“, kommentiert AFI-Direktor Stefan Perini die Ergebnisse.

Die Herbstausgabe 2021 des AFI-Barometers richtet ihr Augenmerk auf die technische Affinität der Südtiroler bei der Nutzung der Online-Dienste der öffentlichen Verwaltung, im Hinblick auf ein qualitativ noch hochwertigeres und effizienteres eGovernment-Angebot.

Südtirols Arbeitnehmer verfügen über ein hohes Maß an Computerkompetenz

Die große Mehrheit (75 Prozent) der Südtiroler Arbeitnehmer hält sich für kompetent im Umgang mit Computern (25 Prozent „sehr“, 50 Prozent „eher“). Die restlichen 25 Prozent halten sich im Umgang mit Computern hingegen für „wenig“ (21 Prozent) oder „überhaupt nicht“ kompetent (vier Prozent). Wie zu erwarten, findet sich der höchste Anteil der Arbeitnehmer ohne Computerkenntnisse in der Altersgruppe zwischen 50 und 65 Jahren (33Prozent) und bei Arbeitnehmern im ländlichen Raum (32 Prozent).

Vielseitige Nutzung der Dienste und ausgeprägte Neigung zum eGovernment

Die technische Kompetenz der Südtiroler Arbeitnehmer wird von den Umfrageergebnissen zur Nutzung der telematischen Dienste im Umgang mit der öffentlichen Verwaltung untermauert. 4 von 5 Südtiroler Arbeitnehmern haben in den vergangenen zwölf Monaten das Internet genutzt, um mit der öffentlichen Verwaltung in Kontakt zu treten. Öffentliche Angestellte neigen eher zur Inanspruchnahme solcher Dienste als Angestellte im Privatbereich (88 Prozent gegenüber 78 Prozent). Dass sich 25 Prozent der Befragten für nicht IT-kompetent halten, verdeutlicht auf signifikante Weise, dass auch jene Arbeitnehmer ohne entsprechende Kenntnisse eGoverment-Dienste nutzen.

Weiter noch: Im Umgang mit der öffentlichen Verwaltung – etwa um eine Rechnung zu bezahlen oder einen Antrag zu stellen – bevorzugen 42 Prozent Online-Dienste, während 29 Prozent den Schaltergang bevorzugen und weitere 29 Prozent je nach benötigtem Dienst für beide Möglichkeiten offen sind.

Wunsch nach Vereinfachung der eGovernment-Dienste

Wenngleich ein wesentlicher Teil der Arbeitnehmer den telematischen Zugang dem Schaltergang vor-zieht, ist ein Großteil (45 Prozent) der Befragten überzeugt, dass die angebotenen Online-Dienste nicht zur Verbesserung der Beziehung zwischen den Bürgern und der öffentlichen Verwaltung geführt haben; ein Viertel (25 Prozent) macht dies von der Art der Dienstleistung abhängig, nur 30 Prozent sehen das Ziel von mehr Bürgernähe erreicht.

22 Prozent der Befragten sagen, die eGovernment-Dienste seien allgemein schwierig zu nutzen. 41 Prozent geben an, dass diese Schwierigkeit von der Art der benötigten Dienstleistung abhängt. Nur 37 Prozent der Arbeitnehmer bewerten die neuen Online-Dienste als leicht nutzbar. „Die Probleme bei der Inanspruchnahme der Online-Dienste der öffentlichen Verwaltung scheinen daher nicht an der mangelnden technischen Aufgeschlossenheit der Anwender zu liegen, sondern in der Komplexität der angebotenen Dienste selbst“, sagt AFI-Forscher Matteo Antulov.

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Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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11 Kommentare auf "Digital ist nicht automatisch bürgernah"


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der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
10 Tage 2 h

Fängt ja schon beim ,,Spid,, einrichten an. Komplizierter gehts wohl nicht und noch dazu der Zeitaufwand, das man sogar frei nehmen muss um auf irgend einen Amt zu gelangen. Kann nur sagen Schweinerei wie der Bürger von den Politikern schikaniert wird.

lissi81
lissi81
Grünschnabel
9 Tage 23 h

@der echte Aaron
Der SPID genau das war mein erster Gedanke als ich meinen ersten Kommentar gepostet habe

LouterStyle
LouterStyle
Superredner
9 Tage 10 h

ja stimmt! Warum muss das so kompliziert sein. Und dann funktioniert er auch nur die halbe Zeit, plus ist mycivis eine der unübersichtlichsten Seiten die ich kenne.

Storch24
Storch24
Kinig
9 Tage 7 h

Stimmt, wenn man ihn einmal hat , alle Monate Passwort neu aufrufen. Komplizierter geht’s wohl nicht. Wenn Jugend schon Probleme hat, Senioren getrauen sich fast nicht mehr dran

lissi81
lissi81
Grünschnabel
10 Tage 6 h

Das stimmt vollkommen! Wahnsinnig viele Dienste werden nur noch digital angebotenen, das ist praktisch für junge Leute die solche Dinge in der Schule gelernt haben aber fragt mal meine Mutter oder Schwiegermutter (die ist fast 90) die können kaum ihr Handy bedienen geschweige denn dass sie Internet bedienen können (oder einen Computer haben)

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
10 Tage 3 h

Viele digitale Dienste sind nicht nur für digital nicht affine Personen kompliziert.
Viele Dienste oder Portale sind schlichtweg viel zu umständlich.
Manchmal fragt man sich, ob jene Programmierer und Gestalter solche Portale selber noch nie genutzt haben – anders ist es vielfach nicht zu verstehen!

PuggaNagga
9 Tage 9 h

Alles Pfeifen. Das sind absolute Nieten der Branche.
Jede Shopping App bzw. OnlineShop Weboberfläche macht im Prinzip das selbe und selbst Kinder können mit Kreditkarte Online einkaufen. Und Shopping Apps oder Webshops sind sogar schön und intuitiv gestaltet. Wie sollte es auch anders funktionieren? Wer würde Online einkaufen wenn man Augenkrebs bekommt oder ein IT-Studium zur Bedienung des Portals benötigen würde?

Savonarola
10 Tage 5 h

“Entbürokratisierung durch Digitalisierung” ist eine der größten Trugschlüsse, eine der größten Lügen des letzten Jahrzehntes, die die Politiker immer noch verzapfen. Tatsache ist, dass in sehr vielen Ämtern immer noch nicht digital gearbeitet, sondern digitalisiert wird, d.h., immer weniger werdendes Personal ist damit beschäftigt, Papier einzuskannen und paralle, doppelte Faszikelführung zu betreiben. Anstatt dass Informatik und der Umgang mit der gängigen Hard- und Software zur kulturellen Grundausstattung/Voraussetzung wird, sind Beamte auch mit Matura oder höherer Ausbildung dazu verdammt, materielle Arbeiten wie Einskannen und gleichen mehr zu betreiben. Das kann es nicht sein.

Mikeman
Mikeman
Kinig
10 Tage 4 h

kann man sich vorstellen,warum einfach wenns auch kompliziert geht,Bürokratismus und und parallel sehr oft Schusterei haben in Europa weitgehend das sagen und obendrein Kompetenz lässt grüßen.

Server
Server
Superredner
9 Tage 19 h

Was ist denn mit älteren, betagten oder Menschen ohne Internet? Und ja, die gibt es, mehr als ihr glaubt. “Bürgernah” heißt “Vorort sein , Dasein, wenn es braucht, nicht Verordnungen und Gesetze schaffen, die Nichts bringen”. Menschsein und Individualität sind gefragt.

Hobby
Hobby
Neuling
9 Tage 21 h

Und dabei müssten alle Internetseiten der öffentlichen Verwaltung digital barrierefrei und für alle Bürger inklusiv nutzbar sein: https://www.agid.gov.it/it/design-servizi/accessibilita

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