Südtiroler Weinernte 2019

Ein etwas turbulenter, aber vielversprechender Jahrgang

Mittwoch, 09. Oktober 2019 | 19:46 Uhr

Bozen – Südtirols Weinbauern blicken auf ein schwieriges Weinbaujahr zurück. 2019 hat von allen viel Einsatz und Fleiß bei der Arbeit in den Weinbergen abverlangt. Nach einem idealen Herbstwetter vor Erntebeginn rechnen Südtirols Kellermeister und Winzer aber mit einem guten und qualitativ vielversprechenden Jahrgang: mit lebendig-frischen, sportlich-dynamischen sowie charaktervollen Weinen.

Die Wintermonate 2018/2019 verliefen überdurchschnittlich warm mit teils schon frühlingshaften Temperaturen. Mit Ausnahme der starken Schneefälle Anfang Februar zeigte sich der Winter zudem sehr trocken. Nach einem ebenfalls trockenen und warmen März wurde es in den Monaten April und Mai recht nass und im Mai für die Jahreszeit zu kühl. Das Frühjahr 2019 zeichnete sich durch extreme Wetterphänomene aus: Erste Hagelschläge gab es bereits im April. Mehrere Kälteperioden brachten die Gefahr von Spätfrösten mit sich.

Der Austrieb der Weinreben fiel laut Landesversuchszentrum Laimburg im Vergleich zu den restlichen Jahren weder durch eine Verzögerung, noch durch extreme Verfrühung auf. Die Vollblüte allerdings verzögerte sich 2019 aufgrund des wechselhaften Wetters mit deutlich unterdurchschnittlichen Temperaturen vor allem im Monat Mai. Diese Verzögerung spiegelt sich auch im Reifebeginn wider, der sich im Vergleich zum langjährigen Mittel um zehn bis 14 Tagen verzögert hat.

Nach einem feucht-kühlen Frühjahr folgte ein hochsommerlich heißer Juni mit vereinzelten, spärlichen Niederschlägen. Hochsommerlich warm, aber nicht mehr so extrem heiß, verlief auch der Monat Juli. Die Niederschläge stellten sich wieder auf ein für diese Jahreszeit gewohntes Niveau ein. Schwere Hagelschläge am 6. August in Bozen und Umgebung haben die dortigen Anlagen in ihrer Reife und Entwicklung teils stark eingebremst. Während der sehr sonnigen Tage Ende August und Anfang September haben die Trauben dann aber einen kräftigen Reifeschub erfahren. Warme Tage und kühle Nächte begünstigten in dieser Phase zudem die Aromabildung in den Trauben.

„Aufgrund des Witterungsverlaufs standen die Weinbauern in diesem Jahr vor großen Herausforderungen. Die zeitgerechte Durchführung der verschiedenen Pflegemaßnahmen wie zum Beispiel der Laubarbeiten war besonders wichtig. Der Fleiß und Einsatz in den Weinbergen hat sich heuer deshalb besonders gelohnt“, erklärt Hansjörg Hafner, Bereichsleiter Weinbau beim Südtiroler Beratungsring für Obst und Weinbau.

Ende August, Anfang September hat in Südtirols Weinbergen die Ernte in einigen tieferen Tallagen sowie mit den Trauben für die Sektgrundweine begonnen. Mit der Hauptlese sind die Bauern Mitte September gestartet – um die zwei Wochen später als im Jahr zuvor.

Nach den heiß-schwülen Spätsommerwochen war so manchen Weinbauern und Kellermeistern schon etwas mulmig zu Mute. „Da es bei einigen Sorten leichte Fäulnisprobleme gab, war die gewissenhafte Arbeit im Weinberg und vor allem eine gezielte Selektion beim Wimmen heuer sehr oft ausschlaggebend für die Qualität der Trauben“, so Hans Terzer, Kellermeister der Kellerei St. Michael Eppan sowie Präsident der Südtiroler Kellermeister. „Das herrliche Herbstwetter hat uns in den letzten beiden Wochen vor der Ernte aber richtig unter die Arme gegriffen“, freut sich Terzer. Die Erntemenge liegt – abgesehen von den Schäden in den vom Hagelschlag betroffenen Gebieten – um die zehn bis 15 Prozent unter jener des ertragsreichen Vorjahres, aber im guten langjährigen Durchschnitt.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

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