Großes Interesse am SABES-Open-Day

„Es braucht einen Paradigmenwechsel“

Montag, 20. März 2017 | 16:38 Uhr

Bozen – Im Bereich EDV wird sich in den nächsten drei Jahren viel ändern im Südtiroler Sanitätsbetrieb: Dies beweisen unter anderem die Ausschreibungen zu Neuankäufen und Anpassungen, wie im EDV-Masterplan angekündigt. Um gebündelt allen interessierten Firmen die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, fand heute in Bozen ein „Open Day“ zum Thema statt.

Über 150 interessierte Fachleute und Firmenvertreter aus Südtirol, Italien, Deutschland und Österreich waren der Einladung gefolgt. Die große Resonanz ist nicht weiter verwunderlich, geht es doch um ein Budget von 20 bis 24 Millionen Euro, das in den nächsten Jahren für diverse Projekte in Auftrag gegeben wird. „Da wir vor allem darauf schauen müssen, dass unsere Bevölkerung – in Südtirol mit den Touristen mitgerechnet täglich rund 600.000 Personen – gut versorgt wird, müssen wir mehrere Wege andenken: Unsere EDV-Abteilung wird einige Projekte hausintern betreuen, aber in Zukunft muss dieser Bereich vor allem strategische Entscheidungen treffen und überwachen. Die anderen Anwendungen werden von SAIM oder SIAG entwickelt, oder zugekauft von spezialisierten Fachfirmen, was Betrieben in Südtirol und darüber hinaus eine Chance gibt“, erklärte Generaldirektor Thomas Schael.

Das integrierte Gesundheitsinformationssystem, allen voran die Integrierte Digitale Patientenakte, wird von der PPP-Gesellschaft SAIM entwickelt. Jedoch sind weitere Neuerungen geplant, wofür der heutige Treff ins Leben gerufen worden war: Auftraggeber und Anbieter konnten sich in strukturierter und transparenter Form zu den Ausschreibungen informieren.

Landesrätin Martha Stocker begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sie freut sich auf ein innovatives und einheitliches EDV-System und gab allen Anwesenden einen Wunsch mit: „Bei allem, was Sie entwickeln, anbieten – bitte stellen Sie den Patienten in den Mittelpunkt.“

Generaldirektor Schael und Massimo Mangia, Berater der Federsanità ANCI, konnten dem nur zustimmen: „Wir kaufen heute online ein, wir buchen unsere Reisen digital, wir gestalten unsere Freizeit am Tablet – aber im Bereich öffentliche Gesundheit ist dies nur bedingt möglich. Wir müssen serviceorientiert werden, müssen Dienste anbieten, die sich an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientieren. Die Überwindung dieses ‚gaps‘, dieses Grabens, muss in der nächsten Zeit vorangetrieben werden.“ Aber Achtung: Es reicht nicht, nur neue Technologien zu entwickeln, moderne Anwendungen anzubieten – „Wir müssen auch die Prozesse neu modulieren, es ist wichtig, dass sich die Anwendungen an den veränderten Bedürfnissen der Menschen orientieren. Es braucht deshalb auch einen Paradigmenwechsel.“ Mangia erklärte einige Ausschreibungen, die in nächster Zeit starten werden, so z.B. zum Ankauf eines CRM-System, eines sog. Patient Data Management-Systems und der Verwaltung der Impfungen und Screening-Programme. Dabei möchte man im Sanitätsbetrieb auch das Potenzial junger Menschen nutzen: Es sind Ideenwettbewerbe zu bestimmten Themen in Zusammenarbeit mit der Universität geplant, sog. „Hackathons“.
Paolo Colli Franzone, ebenfalls Berater der Federsanità ANCI und Vize-Koordinator der Vereinigung Assinform, erklärte die Rolle der Stakeholder im Gesundheitswesen und fühlte sich an seine Zeit in Kanada vor rund 15 Jahren zurückerinnert: „Dort stellte man sich zu Beginn dieselben Fragen wie bei uns, heute ist Kanada, zusammen mit den skandinavischen Ländern und Singapur, führend im digitalen Gesundheitswesen. Diese Veränderung kostet, doch wir werden sehr genau schauen, wofür das Geld ausgegeben wird.“ So ist es Südtirol, durch die Zusatzfinanzierung der Landesregierung, möglich, im Bereich Gesundheits-EDV schon ab 2017 pro Kopf rund 52 Euro auszugeben, im Gegensatz zum restlichen Staatsgebiet, wo der Wert bei mageren rund 16 Euro liegt.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam organisiert mit der Südtiroler Handelskammer und der Vereinigung „Assinform“ von Confidustria. Antonello Busetto von Assiform stellte diese Vereinigung vor und zeigte eindrucksvoll auf, welche Auswirkungen digitale Entwicklungen oder auch Nicht-Entwicklungen auf das Leben des Einzelnen haben können.

Thomas Mathà von der Vergabeagentur des Landes Südtirol erklärte die Abläufe und Methoden für öffentliche Ankäufe in Südtirol, immerhin ist der Sanitätsbetrieb nach der Landesverwaltung der größte Ankäufer.

Der Nachmittag war sog. „technischen Thementischen“ gewidmet, bei denen konkret Auskünfte zu den einzelnen Ausschreibungen gegeben wurden.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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2 Kommentare auf "„Es braucht einen Paradigmenwechsel“"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
thomas
Superredner
5 Tage 14 h

Des wert nix werrn

Paul
Grünschnabel
4 Tage 20 h

wenn mal die Turisten nicht bald ausbleiben …Thema Sicherheit

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