Von: importer
Die extrem niedrigen Pegelstände an der Donau haben auch in Serbien Auswirkungen auf die Wirtschaft. Besonders betroffen sind die Stromerzeugung sowie die Schifffahrt. Kreuzfahrten sind de facto eingestellt und Frachtschiffe können nur noch rund ein Viertel ihrer Ladekapazität transportieren. Die Donau-Kraftwerke Djerdap 1 und Djerdap 2 produzieren rund ein Drittel weniger Strom, die Versorgung ist laut offiziellen Angaben jedoch gesichert.
Nach Angaben von Dusko Anicic vom serbischen Stromnetzbetreiber EMS ist die Stromversorgung des Landes “derzeit stabil” und besser als in der Region. Auch Premier Djuro Macut hat nach einer Sitzung des regierungseigenen Krisenstabes am Montag die Situation als “stabil” bezeichnet, allerdings die Landsleute zu “rationeller Ressourcennutzung” aufgefordert, ohne Konkreteres anzugeben.
Ministerin ruft zum Stromsparen auf
Auch Energieministerin Dubravka Djedovic Handanovic rief am Sonntag zu Stromsparmaßnahmen auf. Die zwei wichtigsten Donau-Kraftwerke an der Grenze zu Rumänien haben laut Ministerin bereits in den vergangenen drei Monaten um 20 bis 30 Prozent weniger Strom erzeugt. Die außerordentliche Situation müsse genau verfolgt werden, meinte die Ministerin, die gegenüber dem TV-Sender RTS gleichzeitig auf die bessere Wasserversorgung der drei Wasserkraftwerke an der Drina, dem Grenzfluss zu Bosnien, verwies.
Die Donau-Schifffahrt durch Serbien wurde zwar nicht eingestellt, der Warentransport dürfte sich nach Meinung von Vladimir Batalovic vom Verkehrsministerium allerdings kaum noch rechnen. Wie er dem TV-Sender RTS am Montag erläuterte, würden Lastkähne mit einer Tragfähigkeit von 1.000 Tonnen derzeit nur noch zwischen 250 und 300 Tonnen befördern. Kreuzfahrten gibt es laut Batalovic wegen des niedrigen Wasserpegels in Serbien zur Zeit praktisch keine mehr.
Donau-Theiß-Donau-Kanalsystem droht auszutrocknen
Wegen des historischen Tiefststands der Donau kam es in Nordserbien zu einer massiven Krise des regionalen Wassersystems. Das für die Wasserversorgung in der Region und die Landwirtschaft wichtige Donau-Theiß-Donau-Kanalsystem droht auszutrocknen. In mehreren Vojvodina-Städten – so etwa in Sombor, Kula und Vrbas – wurde in den vergangenen Tagen der Ausnahmezustand ausgerufen. Die Provinzregierung stellte 270 Millionen Dinar (2,3 Mio. Euro) für Notmaßnahmen bereit.
Serbische Landwirtschaftsexperten verwiesen auf den Schaden, der vor allem im Maisanbau zu erwarten ist. Konkrete Angaben über das Schadenausmaß gibt es derzeit aber noch nicht.
Das Institut für Öffentliche Gesundheit wies wegen des niedrigen Wasserpegels auf die erhöhte Flussverschmutzung hin und riet vom Verzehr von Donau-Fischen ab, solange der Wasserpegel so niedrig bleibt.
In der Ortschaft Bezdan, unweit der ungarischen und kroatischen Grenze, wurde am Montag mit minus 163 Zentimetern der niedrigste Donau-Pegelstand seit 1909 gemessen. Damals war ein Stand von minus 143 Zentimetern unter dem Pegelnullpunkt notiert worden.




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