KFS-Vortragsreihe

„Feuer am Erziehungsdach – Dauerbrenner gemeinsam lösen“

Montag, 05. November 2018 | 12:28 Uhr

Bozen – „Feuer am Erziehungsdach“: FamilienTeam®-Trainerin Katharina Swoboda hat für die Vortragsreihe des Katholischen Familienverbandes Südtirol (KFS) einen durchaus provokanten Titel gewählt. Im September und Oktober war sie in Montan, Gais, Vahrn, Schlanders und Blumau zu Gast und gab den etwa 200 Zuhörerinnen und Zuhörern anhand praktischer Beispiele, Ideen und Werkzeuge mit, um Dauerbrenner in der Erziehung liebevoll und gelassen zu lösen.

Wenn Eltern gefragt werden, wie viel Energie sie am Tag für verschiedene Bereiche aufwenden, dann ist die Reihenfolge meist folgende: An erster Stelle kommen die Kinder. Sie nehmen vor allem bei Müttern über die Hälfte der Energie ein. Was übrigbleibt, wird fast ausschließlich dem Beruf zugewiesen, dazwischen etwas für den Haushalt abgezwackt – dasselbe gilt für die Paarbeziehung oder Freundschaften. Die Zeit für sich selbst kommt ganz zum Schluss und, wird genauer nachgefragt, ist dafür eigentlich gar kein Platz mehr. Für Katharina Swoboda, FamilienTeam®-Trainerin und akademische Heilpädagogin ist diese Aufstellung nichts Neues. Und genau deshalb ist sie ein zentraler Punkt, auf den bei der KFS-Vortragsreihe „Feuer am Erziehungsdach – Dauerbrenner gemeinsam lösen“ eingegangen wurde. Denn es sollte genau umgekehrt sein. „Damit Familie gelingen kann, müsste die Ich-Zeit an erster Stelle stehen, an zweiter Stelle die Partnerschaft – dann erst kommen die Kinder“, weiß die Referentin, die vor kurzem in ganz Südtirol unterwegs war.

Erziehung geschieht vor allem nonverbal

Was für viele provokant klingen mag, ist im Grunde klar verständlich und hat mit der Vorbildfunktion der Eltern zu tun. Kinder, die beobachten, dass ihre Mütter und Väter sich selbst Gutes tun und auf das eigene Wohl achten, lernen, dass auch sie selbst wertvoll sind und entwickeln sowohl ein gesundes Selbstvertrauen als auch Selbstliebe. Kinder, die ihre Eltern als Paar erleben, das sich gegenseitig unterstützt und sich respekt- und liebevoll zueinander verhält, werden sich auch dementsprechend gegenüber anderen verhalten. „Erziehung geschieht vor allem nonverbal. Wenn es uns bewusst wird, wie genau uns unsere Kinder beobachten und wie viel sie daraus lernen, ist das eigentlich eine gute Nachricht“, erklärt Swoboda. „Viele Eltern sehen sich heute in der Verantwortung einer Unzahl an Anforderungen gerecht werden zu müssen“, beschreibt sie die Situation vieler Mütter und Väter. Den eigenen Weg für sich und die Familie zu finden, sei dadurch schwieriger geworden und im Alltagsstress passiere es nicht selten, dass Eltern und Kinder in Konfliktsituationen explodieren. „Die Kinder haben sehr feine Antennen, sie sind wie Seismographen und halten ihren Eltern den Spiegel vor“, erklärt die FamilienTeam®-Trainerin. Wie oft geschehe es etwa, dass wir unsere Kinder im Spiel mit ihren Stofftieren dieselben Worte verwenden hören, mit denen wir sie vielleicht erst selbst ermahnt haben.

Dauerbrenner in Szene gesetzt

Wenn es um immer wiederkehrende Konflikte geht, wie etwa Diskussionen rund ums Fernsehen, Zimmeraufräumen, Zähneputzen, Aufstehen oder Schlafengehen, ist „Dauerbrenner“ ein viel verwendeter Begriff. „Oft sind es nur Kleinigkeiten, die uns nerven, die wir aber den ganzen Tag hindurch mittragen und die sich auf die Beziehung zu unseren Kindern auswirken“, betont die Referentin. Um solche Konflikte anschaulich darzustellen greift Katharina Swoboda bei ihren Vorträgen gern auf einen kleinen „Assistenten“ zurück. Pepe ist zwar eine Puppe und als solche stumm, doch trotzdem lassen sich mit ihm klassische Szenen nachspielen, in denen sich nicht wenige Eltern wiedererkennen. So auch bei der KFS-Vortragsreihe, bei der die klassischen Dauerbrenner-Szenen besprochen und sowohl die Gefühlsebene des Kindes, als auch jene der Eltern analysiert wurden.

Bin ich Vorbild?

„Mütter und Väter sind in vielen Situationen weniger auf ihr Kind wütend, sondern auf sich selbst und auch die Kinder tun kaum einmal etwas mit böser Absicht“, erklärt Swoboda und fordert die Eltern auf: „Gesteht euch ein, dass ihr sauer oder gestresst seid. Stellt euch aber immer die Frage, wie ihr aus der Situation herausgehen und was ihr eurem Kind mitgeben wollt. Überlegt, was ihr von eurer 3-Jährigen, von eurem 6- oder 15-Jährigen verlangen könnt.“ Eltern müssen oft sehr abrupt eine Entscheidung treffen. Trotzdem lohne es sich, zuerst auf den Pausenknopf zu drücken und einmal tief durchzuatmen, bevor man in eine Diskussion hineingehe. Denn komme es zu Machtkämpfen, seien eben nicht immer die Eltern die Gewinner. „Wofür sollen mir meine Kinder einmal dankbar sein, wenn sie erwachsen sind? Bin ich dafür Vorbild? Wer sich diese Fragen stellt, dem gelingt es bedeutend leichter, den eigenen Erziehungsweg konsequent zu gehen“, ist sich Swoboda sicher.

FamilienTeam®-Elternkurse

Dauerbrenner im Familienleben sind auch Thema der FamilienTeam®-Elternkurse, die der Familienverband in ganz Südtirol ab einer Teilnehmerzahl von 8 Personen anbietet. Eltern finden Antworten auf die Fragen: Was kann ich tun, wenn mir mein Kind auf der Nase herumtanzt? Wie setze ich liebevoll aber bestimmt Grenzen? Wie sorge ich für mich selbst und tanke nach einem anstrengenden Tag wieder auf? Wie können wir uns als Erziehungspersonen bei dieser gemeinsamen Aufgabe unterstützen? Was kann ich tun, damit brenzlige Situationen erst gar nicht entstehen? Wie schaffe und bewahre ich eine innige Beziehung zu meinem Kind?

Nähere Informationen unter: www.familienverband.it

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

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