Ausfall der Filmförderung

“Filmriss beim Land”

Mittwoch, 28. April 2021 | 17:26 Uhr

Bozen – Die Südtiroler Filmschaffenden sind erzürnt. Seit Anfang der Woche ist offiziell, dass der zweite Jahres-Termin zur Antragstellung beim Filmfund der IDM heuer ersatzlos gestrichen wurde. Bereits der erste Termin im Jänner war wesentlich geringer dotiert als in den Vorjahren.

Es ist wirtschaftlich kurzsichtig und hat eine verheerende Signalwirkung einer – trotz Covid – florierenden Branche die Grundlage zu entziehen. Das Land riskiert damit nicht nur einen nachhaltigen Vertrauensverlust in den Standort Südtirol, sondern auch, dass Filmschaffende anstatt Steuern und Beiträge in die gebeutelten Kassen einzuzahlen, sich in die Reihen der Unterstützungsbedürftigen begeben“, sagt Nela Märki, Präsidentin des Filmschaffenden-Verbandes FAS. Der zuständige Landesrat Philip Achammer begründe den Schritt mit fehlenden Geldern infolge der Corona-Krise und beteuere, den nächsten Fördercall über den Nachtragshaushalt regeln zu wollen, allerdings ohne Zahlen über die angestrebte Höhe nennen zu können.

Auch FAS-Ko-Präsident Georg Zeller unterstreicht wie bereits in den vergangenen Wochen, dass es sich beim Filmfund nicht um „Zuschüsse handelt, die an Antragsteller aus Südtirol, Rom, oder dem Ausland verschenkt werden“, sondern vielmehr um eine Investition, die um ein Mehrfaches im Land wieder ausgegeben werde und bislang zur Schaffung einer starken Branche mit einem sehr guten internationalen Ruf beigetragen habe. „Zahlreiche Mitglieder unseres Verbandes haben MitarbeiterInnen ausgebildet, hohe Summen in neueste Technologien investiert und Projekte unter Einbindung unzähliger einheimischer Fachkräfte entwickelt und geplant, die nun möglicherweise nicht durchgeführt werden können“, so Zeller.

Florian Geiser, technischer Leiter der Südtiroler Postproduktionsfirma Cine Chromatix Italy, schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir wurden von Land und IDM immer wieder dazu motiviert, in die neue Kreativ-Branche zu investieren. Im Vertrauen auf die versicherte Nachhaltigkeit haben wir in Meran 10 hochwertige Arbeitsplätze geschaffen und neueste Gerätschaften und IT angekauft, um unseren Kunden ein standesgemäßes Know-How und die entsprechenden Workflows bieten zu können. Ohne Filmfund werden aber die größeren Spielfilme und TV-Produktionen ausbleiben, die für unser Überleben grundlegend sind.“

Tatsächlich basiere die Finanzierung von Filmproduktionen überall in Europa auf Fördermodellen, der Filmfund der IDM ist also keine Ausnahme, sondern unabdingbare Voraussetzung für die lokale Filmwirtschaft. Bei der Antragstellung würden sowohl künstlerisch-kreative Kriterien beurteilt, als vor allem auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit für Südtirol: Südtiroler Filmschaffende und Unternehmen müssten ins Filmteam eingebunden werden, insbesondere werde darauf geachtet, dass sie immer häufiger wichtige Positionen besetzen. Außerdem müsse für jeden geförderten Euro ein Mehrfaches wieder im Land ausgegeben werden, ein Mechanismus dank dessen im letzten Jahr ein sogenannter Südtirol-Effekt von 246 Prozent der investierten Fördersumme erzielt wurde.

Auch außerhalb des Landes sorge der Ausfall des Fördertermins bereits für große Aufmerksamkeit. Die deutsche „Produzenten-Allianz“ frage bei den Verantwortlichen an, ob es für die Planung von Projekten in Südtirol noch eine Zukunft gebe. Denn häufig würden bereits die Drehbücher für Film- und TV-Projekte gezielt auf eine Region konzipiert. Ähnlich besorgt zeige sich eine Film-Produzentin aus der Schweiz: „Wir arbeiten seit mehreren Jahren an einer TV-Serie, die in Südtirol angesiedelt ist und hier einen Umsatz im siebenstelligen Bereich generieren sollte. Wenn die Förderung aber als Finanzierungspartner wegfällt, werden wir uns anderswo umschauen müssen.“

Der Imageschaden für die Branche sei schon jetzt sehr groß. „Was über Jahre hinweg aufgebaut wurde, bricht gerade wie ein Kartenhaus zusammen“, so die Präsidenten des Filmschaffenden Verbandes.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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15 Kommentare auf "“Filmriss beim Land”"


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DontbealooserbeaSchmuser
7 Tage 17 h

Würden die “Flimschaffenden” eine wirkliche Leistung erbringen, müssten sie nicht vom Steuerzahler verköstigt werden.

Vielleicht sollten sie sich eine richtige Arbeit suchen?

So ist das
7 Tage 5 h

Ob richtige Arbeit oder nicht, das Land muss Prioritäten bei den Ausgaben setzen, aber dabei vergisst es immer die Politikergehälter und die Privilegien, die wieder erhöht wurden.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
7 Tage 17 h

Das Reduzieren der Filmförderung ist ganz klar verschmerzbar in Zeiten, wo sogar im Bildungswesen gespart wird (keine Leistungsstipendien, keine Bücherschecks für Oberschüler, keine Fahrkostenzuschüsse für Abendschüler)…

Die Verhältnismäßigkeit rinnt die Etsch hinab…

Dafür aber werden mit geschenkten EU-Geldern Speicherbecken und Schlachthöfe gebaut – im Namen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes
…………..
😀 😀 😀

Neumi
Neumi
Kinig
7 Tage 4 h

Reduzieren … klar. Streichen … das ist zu viel.

Als Alternative kann man sich ja immer noch im Fernsehen das nächste Dschungelcamp anschauen, da wurde nicht gekürzt. Vielleicht gibt’s ja auch eine Neuauflage der Alm.

corona
corona
Superredner
7 Tage 3 h

Du sagst es, nuisnix!
Das ist der echte Skandal, was da mit den EU-Geldern passieren soll.
Anstatt z.B. alle Schulen des Landes mit zeitgemäßer IT auszustatten.

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
7 Tage 17 h
Hallo nach Südtirol, wenn die ehemals reichlich gedeckte Tafel Südtirols aus den Tischteilnehmern Handel,Gastro,Handwerk und Tourismus ausfällt fallen natürlich auch keine fetten Krumen mehr herunter, das muss Kulturschaffenden einleuchten. Man muss im Übrigen lange und hartnäckig im Internet ausforschen das auch “Das versunkene Dorf” rund um die Vertreibung der Heimischen für den dortigen Reschenstausee ein IDM-Projekt gewesen ist.  War aber wohl zu südtirolfreundlich und deswegen zum Schämen. Da wird lieber für die Netflixserie rund um “Curon” getrommelt.. Kleiner Tipp: Südtirol ist ein Schatz im Silbersee in Sachen Landschaft,Kultur,Geschichte.Das fein verfilmt rollt auch wieder der Fördereuro für das geschlagene Landl. Südtirol… Weiterlesen »
corona
corona
Superredner
7 Tage 3 h

Falsch. Südtirol mit seinem jahrzehntelangen Overtourism braucht überhaupt kein Marketing. Downsizing ist der Trend der nächsten Jahre.

Yeti 79
Yeti 79
Grünschnabel
7 Tage 15 h

Endlich endet diese sinnlose Geldverschwendung

Guri
Guri
Superredner
7 Tage 12 h

sinnlos genau wie das Museon Kunst . . Südtirol muss nicht alles nachmachen was in Wien usw…angesagt und berechtigt ist . Südtirol soll sich seiner alten Werte besinnen , denn nur deshalb kommen tausende Stammgäste , die uns erhalten . mich wegen irgend eines Netflix schmarrn !

Horti
Horti
Tratscher
7 Tage 16 h

Viele Menschen leiden unter der fehlenden Hilfe vom Staat. Ihr seid das kleinste Rad im System.

Gescheide
Gescheide
Tratscher
7 Tage 15 h

Vollkommen verständlich in der derzeitigen Situation…

Bracken
Bracken
Grünschnabel
7 Tage 14 h

wer brauch des a schun ?!

Doolin
Doolin
Superredner
7 Tage 17 h

…Filmriss isch mir ah schun amoll passiert…
😢

Chrys
Chrys
Tratscher
7 Tage 15 h

Bei der Filmförderung unterstützte das Land Filmproduktionen.
Um die zugesagte Summe ausbezahlt zu bekommen musste man belegen, zirka die doppelte Summe im Lande ausgegeben zu haben, also Hotelleistungen oder sonstige freiberufliche Tätigkeiten in Anspruch genommen zu haben. So kamen zirka 40% des ausgegebenen Beitrages wieder herein und weitere Einnahmen oder Ersparnisse hatte der Landeshaushalt weil Arbeit geschaffen wurde und die Firmen Steuern bezahlt haben.
Nicht zu vergessen sind die Werbeeffekte.  

Offline
Offline
Universalgelehrter
7 Tage 4 h

Dass für (nicht) absehbare Zeit an allen Ecken und Enden gespart werden muss, leuchtet wohl ein. Die zur Verfügung stehenden (EU) Gelder müssen zielgerichtet in lebenswichtige Bereiche des öffentlichen Lebens investiert werden. Dass dabei der IDM, welcher in der Vergangenheit nicht gerade durch “oscarverdächtige” Produktionen aufgefallen ist, nicht an oberster Stelle der “Empfänger” staatlicher Unterstützung steht, kann ich nachvollziehen….

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