WIFO-Wirtschaftsbarometer Sommer 2020

Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich verschlechtert

Donnerstag, 27. August 2020 | 09:53 Uhr

Bozen – Das Geschäftsklima im Einzelhandel und im Kfz-Handel und Reparatursektor ist deutlich schlechter als im vergangenen Jahr. Besonders schwierig ist die Lage in der Bekleidungsbranche und generell in allen Sparten, die stark mit dem Tourismus verbunden sind. Dies ergibt sich aus der Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

Die Ertragslage im Jahr 2020 wird von 43 Prozent der Südtiroler Einzelhandelsunternehmen negativ beurteilt. Dieser Wert spiegelt die Schwierigkeiten wider, mit denen die Kaufleute konfrontiert sind, insbesondere diejenigen, die einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit Touristen erzielen.

Im April war der Umsatz durchschnittlich um mehr als ein Drittel niedriger als im Vorjahresmonat. Selbst im Mai, als die Beschränkungen für die Geschäftseröffnungen aufgehoben wurden, lag das Geschäftsvolumen um etwa ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau. Darüber hinaus mussten die Einzelhändler aufgrund der Maßnahmen zur Einschränkung der Epidemie Kostenanstiege hinnehmen. Sie klagen auch über eine Verschlechterung der Kreditzugangsbedingungen und der Zahlungsmoral der Kunden . Die Epidemie und der Lockdown führten somit zu einer Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere im Vergleich zu großen Online-Händlern.

Kleine Handelsbetriebe waren am stärksten von der Krise betroffen: Zwei Drittel der Unternehmen mit bis zu drei Mitarbeitern und die Hälfte der Unternehmen mit vier bis neun Mitarbeitern melden eine schlechte Ertragslage, während dieser Anteil bei Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeiter auf in etwa ein Viertel sinkt.

Die starke Verschlechterung der Ertragslage betrifft alle Branchen des Einzelhandels. Besonders schwierig ist die Situation für Bekleidungs- und Schuhgeschäfte, von denen viele auf Saisonschlussverkäufe angewiesen waren, um ihre Lager zu leeren und im Hinblick auf den Herbst neue Liquidität zu schaffen. Auch die Drogerien und der Wanderhandel gehören zu den Sparten, die stark leiden. Eine teilweise Ausnahme bilden die Supermärkte, die leicht wachsende Umsätze und fast immer eine zufriedenstellende Rentabilität melden.

Das Geschäftsklima hat sich heuer auch im Kfz-Handel und Reparatursektor deutlich verschlechtert: Weniger als zwei Drittel der Unternehmen halten die Ertragslage für zufriedenstellend. Auch hier wurde das Geschäftsvolumen durch die Sperrmaßnahmen stark beeinträchtigt. Die Umsatzverluste im April betrugen mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, bevor sie im Mai auf ein Viertel zurückgingen. Zwei Drittel der Unternehmen im Kfz-Sektor melden, dass die Nachfrage auch im Juni immer noch unter dem Vorkrisenniveau lag, obwohl der Autoverkauf an Privatpersonen Signale einer Erholung zeigte. Die schwache Nachfrage ist teilweise auch auf den Rückgang der Investitionen in Fahrzeuge in anderen Wirtschaftssektoren zurückzuführen. Schließlich sind viele Unternehmer über die starke Verschlechterung der Zahlungsmoral der Kunden besorgt.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, unterstreicht die Chancen, welche die Digitalisierung im Einzelhandel bietet: „Es ist wichtig, dass auch kleine Einzelhändler das Internet nutzen, um sich neue Absatzkanäle zu eröffnen. Die öffentlichen Institutionen müssen diesen Wandel unterstützen und fördern. Über ihre Initiative ‚Digitales Unternehmen – PID‘ unterstützt die Handelskammer die Unternehmen bei der Digitalisierung und der Erstellung von Online-Shops.“

Nachfolgend die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

Philipp Moser, Präsident hds – Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol:

„Die Zeit ist reif für eine Webtax für digitale Großkonzerne, die bis dato hierzulande dank Steueroptimierungen und -verschiebungen in andere Staaten keine Steuern für ihre Umsätze zahlen. Mit einer Digitalsteuer sollen eklatante Steuerlücken geschlossen und Onlinekonzerne in die Pflicht genommen werden. Derzeit haben stationäre Betriebe im Handel einen enormen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Onlinegiganten.“

Federico Tibaldo, Präsident Confesercenti Alto Adige Südtirol:

„Durch die von Covid-19 verursachte Situation wurde jegliche Wirtschaftsprognose für 2020 hinfällig. Die Einzelhändler reagierten jedoch mit dem typischen Optimismus derjenigen, die es gewohnt sind, eine positive Beziehung zu den Kunden aufzubauen. Steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Einkommen, stagnierende Investitionen beunruhigen die Einzelhändler aufgrund der unvermeidlichen Auswirkungen auf den Konsum. Die öffentliche Verwaltung hat vieles getan, aber jetzt brauchen wir gezielte Maßnahmen für einen wirtschaftlichen Aufschwung, der nicht länger warten kann.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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23 Kommentare auf "Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich verschlechtert"


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Black Lady
Black Lady
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Jedermann redet von :
Nachhaltig
Langlebig
Regional
Ecc. Ecc.
Und gleichzeitig kauft fast jedermann online.
Egal woher die Ware kommt,
bezw. wie sie ist.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 4 Tage

… außerdem verschicken wir unsere einheimischen Produkte ins Ausland.

Nik1
Nik1
Superredner
1 Monat 4 Tage

Dann sollten unsere Politiker dafür sorgen, dass in Spitäler und Seniorenheime Produkten verwendet werden die aus Südtirol kommen und nicht Kilometerweit aus Italien heraufgekarrt werden nur weil sie ein paar Cent billiger sind.

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

und gleichzeitig leben “wir” vom Fremdenverkehr, und gleichzeitig hätten wir gerne dass südtiroler/italienische Produkte im Ausland gekauft werden ……. nur Ottonormalverbraucher soll gefälligst nicht im Ausland oder Online kaufen! verdrehte Welt!

Psycho
Psycho
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

@Nik1 genau!!! und in Verona werden Südtiroler Äpfel und Joghurt billiger verkauft als bei uns!!
Selbst gesehen!

monia
monia
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Erwarte für 2021 eine Pleitewelle nix gesehenen Ausmaßes in Südtirol im Handel und Tourismus! Zweistellige Arbeitslosenrate wird dann auch bei uns das erste Mal Realität werden.

Missx
Missx
Kinig
1 Monat 2 Tage

@monia
Darauf kannst du lange warten

Storch24
Storch24
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

ALLEN ist es , oder geht es, in dieser Zeit schlechter. Jeder muss den € drei mal umdrehen. Die Preise für Lebensmittel sind jetzt nochmals extrem gestiegen, und das obwohl die Supermärkte immer offen hatten.
Was noch dazu kommt, die Preise im Einzelhandel sind bei uns in Südtirol extrem hoch. Irgendwas bleibt dann auf der Strecke

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 4 Tage

Insgesamt wäre es vielleicht rentabler, EINEN Artikel darüber zu schreiben, für wen sich die Lage NICHT verschlechtert hat. Der wäre auch ganz kurz.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Kenne da Jemanden. Da reicht nicht EIN Artikel, das verlangt eine SERIE ! Ein Traum von Bär !!
Ach, genug von mir geschwärmt.

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Nein, der wer jetzt jammert, kriegt mehr Beiträge 🙃

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Hat der Rückgang im “Bekleidungshandel” jetzt etwas mit dem Rückgang im Tourismus oder dem vermehrten Onlinehandel zu tun ?? Der Urlauber kauft sicher nicht online …

falschauer
1 Monat 4 Tage

ort des geschehens unter den bozner lauben in einen bekleidungsgeschäft, eine bundesdeutsche frau lässt sich bedienen und probiert mehrere kleider, als sie endlich das richtige gefunden hat fragt sie nach dem preis, welcher ihr zu hoch war, sie hätte nämlich dasselbe kleid zu einem wesentlich günstigeren preis online gesehen, wenn man ihr für das kleid denselben preis gewähren würde, nähme sie dieses ansonsten würde sie es online bestellen…..dieser deal wurde richtigerweise abgelehnt und die frau verließ fast verärgert das geschäft

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

typisch!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Tratscher
1 Monat 3 Tage

@falschauer 
Das war vermutlich ein dreister Bluff (mehrere Kleider probieren und dann beim “richtigen” den Online-Preis zu wissen). 
Der “Deal” ging völlig zu Recht nach hinten los.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@falschauer…das ist eine Frechheit. Da sollte man für Beratung und Probieren etwas verlangen dürfen…

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@Tantemitzi..typisch was ????

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Tantemitzi..da du mir nicht antwortest, habe ich den Kommentar von @falschauer nochmals gelesen und jetzt auch so verstanden, wie du und die anderen 👎 DrückerInnen es meinen könntest/en. Die vermeintliche “Kundin” war eine “bundesdeutsche”.

Missx
Missx
Kinig
1 Monat 2 Tage

Typisch deutsch vielleicht

Missx
Missx
Kinig
1 Monat 2 Tage

@Ars Vivendi
Blitzkneiser

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Missx..bravo, bist auch schon !!! draufgekommen…

sophie
sophie
Superredner
1 Monat 4 Tage

Wen wunderts noch!!! Wo soll das ganze Geld her???

Mutti
Mutti
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Wenn viele online bestellen gibs bold koane Geschäfte mehr…. Und donn wert a online bestellen teurer…. 🙄

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