Von: mk
Bozen – In Infrastrukturen zu investieren bedeutet, in die Zukunft der Regionen und der EU zu investieren, denn sie sind von grundlegender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand. Deshalb müssen bestehenden Verbindungen unter der Auslastung der vollständigen Kapazitäten genutzt, sowie ein modernes Mobilitätssystem geschaffen werden, das auf Straße, Schiene und Intermodalität setzt. Es braucht gemeinsame Lösungen auf europäischer Ebene, keine einseitigen Verbote. Notwendig sind u.a. die schnelle Verwirklichung des Brennerbasistunnels mit all seinen Zulaufstrecken; Investitionen, um die Autobahn noch moderner zu machen; die Abschaffung des Nachtfahrverbots in Tirol, um die Brennerautobahn effizient zu nutzen; die Verwirklichung neuer Verbindungen, um Waren- und Personenverkehr zu erleichtern und bestehende Strecken zu entlasten.
Dies wurde deutlich bei der Tagung „Infrastrukturen für ein regionales Wachstum. Entwicklungsmöglichkeiten nördlich und südlich des Brenners“, die von der Industriellenvereinigung der Region Trentino-Südtirol organisiert wurde, und heute im Itas Forum in Trient stattfand.
Der stellvertretende italienische Ministerpräsident und Minister für Infrastruktur und Mobilität, Sen. Matteo Salvini, hat bei der Tagung eine Videobotschaft (hier abrufbar) überbracht.
Statements der Referenten und teilnehmenden Organisationen
Alexander Rieper, Präsident Unternehmerverband Südtirol: „Der Brennerkorridor gehört nicht einer Region: Er ist eine europäische Infrastruktur, die sich von Venetien bis nach Bayern erstreckt, er ist wirtschaftliches und soziales Rückgrat Europas. Wir brauchen gemeinsame Lösungen, denn das Thema betrifft alle: Güter- und Personenverkehr, Lkws und Pkws. Der Brenner-Basistunnel ist ein strategisches Bauwerk, doch es muss auch entlang der Autobahn investiert werden. Die Fortschritte bei den Fahrzeugemissionen zeigen, dass es Lösungen gibt. Wir müssen den technologischen Fortschritt nun in organisatorischen und politischen Fortschritt umsetzen.“
Lorenzo Delladio, Präsident Confindustria Trento: „Spricht man von Verkehr und Infrastruktur, so denkt man an LKWs und Transportunternehmen, doch in Wirklichkeit geht es um die Industrie, um das „Made in Italy“. Die gesamte nationale Produktion wird auf der Straße, auf der Schiene, auf dem Luft- oder Seeweg transportiert. Die Infrastrukturen und die Organisation des Verkehrs haben deshalb unmittelbare Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Mit dieser Veranstaltung wollten wir die Bedeutung dieser Themen unterstreichen und auf die zentrale Rolle von Bauvorhaben wie dem Brennerbasis-Tunnel, dem viergleisigen Ausbau der Eisenbahn, der Brenner-Autobahn sowie des Netzes von Umschlagplätzen und Flughäfen in Norditalien hinweisen. Diese müssen immer besser miteinander verbunden sein, um maximale Effizienz beim Personen- und Güterverkehr zu gewährleisten.“
Leopoldo Destro, Vizepräsident Confindustria zuständig für Verkehr, Logistik, Tourismusindustrie: „Der Brenner ist das Rückgrat des skandinavisch-mediterranen Korridors und eine strategische europäische Infrastruktur für die Wirtschaft. Jedes Jahr werden fast 180 Millionen Tonnen Güter über die italienischen Alpenpässe transportiert. Effiziente transalpine Infrastrukturen sind zentral für die Industriepolitik, heute jedoch stellen sie einen Flaschenhals für die Wettbewerbsfähigkeit Italiens und Europas dar. Bislang wurden die Alpenpässe nach nationaler Logik verwaltet, und genau darin liegt das strukturelle Problem. Effiziente und zuverlässige Verbindungen zu gewährleisten bedeutet, Kosten und Unsicherheiten für die Unternehmen zu reduzieren, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, das Wachstum der europäischen Produktion zu unterstützen und den EU-Binnenmarkt zu stärken.“
Maurizio Fugatti, Landeshauptmann der Provinz Trient: „Die Mobilität ist entscheidend für die Entwicklung der Alpenregionen und für die Nord-Süd-Verbindung Europas. Der Brennerkorridor ist eine lebenswichtige Verkehrsader. Deshalb sind Investitionen in Nachhaltigkeit, Innovation und Sicherheit auf der A22 sowie in die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene mit dem BBT und den Zulaufstrecken von strategischer Bedeutung. Um Wirtschaft und Region zu stärken, braucht es zudem neue Verbindungen, wie jene der „Valdastico“.
Daniel Alfreider, Landeshauptmann-Stvr. Südtirol: “Für Südtirol hat die Bereitstellung moderner, leistungsfähiger und sicherer Infrastrukturen oberste Priorität. Genau aus diesem Grund investieren wir entschlossen in den Bau des Brenner-Basistunnels, ein Bauwerk, das einen echten Paradigmenwechsel im Personen- und Güterverkehr einläuten wird. Gleichzeitig wird die Mobilität auf der Straße weiterhin eine unverzichtbare Rolle spielen: Deshalb müssen wir die Dekarbonisierung und Digitalisierung des Straßenverkehrs entschlossen vorantreiben.“
„Infrastrukturen und Innovation für ein regionales Wachstum“
Alberto Baban, Präsident der Stiftung Nord Est: „Der Brenner darf nicht mehr nur als logistischer Flaschenhals gesehen werden, der zu überwinden ist, sondern als eine neu zu projektierende infrastrukturelle Grenze. Im 20. Jahrhundert verband er Fabriken und Märkte. Heute muss er Unternehmen, Stromnetze, Wasserstoff, Daten und Energiesicherheit miteinander verbinden. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, von einer Logik der nationalen Durchquerung zu einer Logik der europäischen Plattform überzugehen: der Brenner als gemeinsame Infrastruktur von Italien, Österreich und Deutschland im Dienste von Waren, Energie, Industrie und Dekarbonisierung. Hier wird die Zusammenarbeit zwischen Staaten zu europäischer Industriepolitik.“
Thomas Baumgartner, Past President ANITA, zuständig für Brenner: „Die Brennerachse ist der Hauptkorridor für den Import- und Exportverkehr. Auch die Wirtschaft der Region Trentino-Südtirol hängt stark von den stetig wachsenden Exporten ab. Die regionalen Lebensmittelproduzenten haben ihre natürlichen Absatzmärkte jenseits der Alpen und würden lokal oder national keine ausreichenden Absatzmöglichkeiten finden. Das Eisenbahn- und Autobahnnetz über den Brenner ist für das Überleben und den Wohlstand des regionalen Wirtschaftssystems von entscheidender Bedeutung. Die von Tirol einseitig auferlegten und gegen die EU-Vorschriften verstoßenden Beschränkungen stellen einen enormen wirtschaftlichen Schaden für Italien und noch mehr für die Region Trentino-Südtirol dar. Die nationale und regionale Politik haben die Aufgabe, das Wachstum unseres Wirtschaftssystems auch in Zukunft zu gewährleisten, indem sie die Kapazitäten der Infrastruktur an die Verkehrsbedürfnisse anpassen und effizient und nutzbar machen.
Raffaele Boscaini, Präsident Confindustria Veneto: „Es gilt, an drei für die Entwicklung entscheidenden Fronten zu investieren. Erstens: eine bessere Gestaltung der Beziehungen zwischen den Nachbarländern, um eine gemeinsame Lösung für den Schwerverkehr zu finden, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit in Einklang bringt. Die zweite: eine echte Weiterentwicklung der Intermodalität. Die dritte betrifft zwei vorrangige Infrastrukturprojekte für die Unternehmen in unseren Regionen: die Fertigstellung der Valdastico Nord, für die ich eine steigende Nachfrage aus den betroffenen Gebieten vernehme und hoffe, dass es gelingt, die bisher verlorene Zeit bei der Entscheidung für die eine oder andere Option für die Anbindung an Trient aufzuholen, sowie den Bau des Brenner-Basistunnels.“
Diego Cattoni, Geschäftsführer Brennerautobahn AG: „Manchmal neigen wir dazu, den Wert der Dinge zu vergessen, an die wir uns mittlerweile gewöhnt haben, aber gerade deshalb muss man sich vor Augen halten, dass die A22 nicht vom Himmel gefallen ist und dass der heutige Entwicklungsstand von Trentino-Südtirol ohne die Brennerautobahn undenkbar wäre.“
Umberto Lebruto, italienischer Vorstand der Brenner Basistunnelgesellschaft (BBT SE): „Die Steuerung des Personen- und Güterverkehrs entlang der Brennerachse stellt heute eine der größten Herausforderungen für die Effizienz und Nachhaltigkeit der europäischen Verkehrsverbindungen dar. In diesem Zusammenhang ist der Brenner-Basistunnel eine strategische Infrastruktur, um die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene zu fördern, die Widerstandsfähigkeit der Verkehrsströme zu stärken und die Kontinuität eines der wichtigsten grenzüberschreitenden Korridore Europas zu gewährleisten. Die Inbetriebnahme des Brenner-Basistunnels wird zudem eine Verbesserung des wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Wohlergehens in allen anliegenden Gemeinden bringen.“
Teilnehmer an der Podiumsdiskussion „Politik und Wirtschaft im Dialog über Infrastruktur und Entwicklung“
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., betonte: „Echte Entlastung bringt erst der Brenner-Basistunnel samt Zulaufstrecken. Bis das endlich umgesetzt ist, müssen wir vorhandene Kapazitäten auf Straße und Schiene optimal nutzen. Das bedeutet unter anderem: Abbau von Verkehrsbeschränkungen, Aufbau einer länderübergreifenden Plattform zur Koordinierung aller Baumaßnahmen und Erarbeitung guter Simulationstools für den grenzüberschreitenden Verkehr.“
Matthias Danzl, IV-Tirol-Verkehrsexperte: „Der Brenner Basistunnel ist die große Chance, den Güterverkehr über die Alpen stärker auf die Schiene zu bringen. Damit daraus Entlastung wird, müssen Zulaufstrecken, Verladeterminals und europäisch abgestimmte Regeln rechtzeitig stehen. Nur wenn die Verlagerung auf die Schiene auch im Betrieb wirtschaftlich funktioniert, kann sie spürbare Wirkung entfalten.“
Elisa De Berti, Beauftragte für Infrastruktur und Programmumsetzung Region Veneto: „Die Fertigstellung des Brennerkorridors, der Ausbau und die Sicherung der Verbindungen zwischen Venetien und dem Trentino sowie die Sanierung der Hauptverkehrsachsen sind vorrangige Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken und die Erreichbarkeit der Regionen zu verbessern. In diesem Sinne sind Brenner, Valdastico und Valsugana Bausteine eines Infrastrukturnetzes, das immer sicherer, integrierter und effizienter werden muss, um mehr Wettbewerbsfähigkeit, einen reibungslosen Verkehrsfluss und eine bessere Erreichbarkeit der Gebiete für Bürger und Unternehmen zu gewährleisten.“
Mattia Gottardi, Landesrat für Verkehr der Provinz Trient: “Politik und Industrie müssen sich austauschen und zusammenarbeiten, um die Investitionen in die Mobilität zu stärken. Diese ist wesentlicher Motor für das Wirtschaftswachstum. Die Regionen nördlich und südlich des Brenners müssen sich immer stärker vernetzen, eine gemeinsame Vision verfolgen, die auf Entwicklung, Innovation und den europäischen Zusammenhalt ausgerichtet ist, und die Chancen nutzen, die die großen Verkehrskorridore und die neuen Herausforderungen des Wandels bieten.“




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