hds: „Faktor Mensch als Mehrwert im Südtiroler Einzelhandel“

Landesrat Achammer gegen Verlegung des Ötzi auf den Virgl

Donnerstag, 28. März 2019 | 20:51 Uhr

Bozen – Rund 100 Wirtschaftstreibende aus dem Bezirk Bozen Stadt und Land haben an der diesjährigen Bezirksversammlung des hds – Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol teilgenommen. Im Mittelpunkt der Bezirksversammlung, die vor kurzem am Sitz der Mila Bergmilch Südtirol in Bozen stattgefunden hat, standen unter anderem das Projekt Geoanalyse Südtirol, betriebliches Welfare und die Ehrung langjähriger Mitglieder.

Eröffnet wurde die Versammlung durch die beiden Bezirkspräsidenten Simone Buratti und Christian Giuliani. Für Buratti sei es wichtig, den persönlichen Austausch und den Netzwerkgedanken unter den Unternehmern zu fördern. „Die Stärkung des WIR-Gefühls innerhalb des Verbandes und der Zusammenhalt sind ein großes Anliegen“, so Buratti. Giuliani hingegen unterstrich die Bedeutung der lebendige Orte: „Einkaufen als Erlebnis, der Faktor Mensch, die Individualität sind Faktoren, die unseren Einzelhandel ausmachen und einen Mehrwert etwa gegenüber dem Onlinehandel schaffen.“

hds-Präsident Philipp Moser dankte den Bezirkspräsidenten und dem Ausschuss für ihren Einsatz und erklärte in seiner Begrüßung, dass sich der Verband weiterhin für eine Regelung der Sonn- und Feiertagsöffnungen einsetzen werde. hds-Vizepräsident Sandro Pellegrini betonte hingegen, dass sich der Verband lokal und gesamtstaatlich über den Dachverband Confcommercio direkt an der Ausarbeitung des Kollektivvertrages beteilige und somit arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen einbringen und mitbestimmen könne.

Der neue Landesrat für Handel und Dienstleistungen, Philipp Achammer, wies auf den derzeitigen akuten Fachkräftemangel in Südtirol hin. Jungen Menschen solle vermehrt aufgezeigt werden, dass praktische Berufe Zukunft haben. Und diese sollten mehr wertgeschätzt werden. Er unterstütze den hds beim Thema Öffnungszeiten der Geschäfte, und er werde sich für eine autonome Regelung einsetzen. „Die totale Liberalisierung ist nicht unsere Zukunft“, so Achammer, der sich auch klar und deutlich dafür aussprach, den Ötzi im Stadtzentrum von Bozen zu belassen.

hds-Direktor Bernhard Hilpold eröffnete das Hauptreferat der Bezirksversammlung, das dem Thema der Geoanalyse in Südtirol gewidmet war. Die Geoanalyse ist eine digitale Landkarte Südtirols, die imstande ist, zukünftige Auswirkungen zu simulieren, Aufschluss über die Frequenzen sowie die Passantenströme zu geben und ist somit ein verlässlicher Indikator für die Attraktivität einzelner Bezirke, Orte oder Einkaufsstraßen. Martin Stampfer, hds-Bereichsleiter für Orts- und Stadtentwicklung, zeigte die Möglichkeiten dieses innovativen Instrumentes an einem konkreten Fallbeispiel im Bezirk auf.

Analysiert und simuliert wurden die Auswirkungen des neuen Kaufhauses „Waltherpark“ in Bozen samt vorgeschlagener Verlegung des Ötzi-Museums auf den Virgl. Die wichtigsten Ergebnisse: Der Waltherpark weist eine Frequenz von bis zu 16.000 Besuchern pro Tag auf. Die Auswirkungen auf die Frequenz in der Innenstadt sind unterschiedlich, wobei einzelne Bereiche eine Befruchtung verzeichnen; allerdings beschränkt auf einzelne Straßen und Plätze wie Lauben und Waltherplatz. Die Gastronomie erleidet Einbußen. Die Stadtviertel außerhalb des Zentrums verlieren hingegen an Attraktivität und Frequenz (bis zu acht Prozent). Die Einkaufszentren im Gewerbegebiet Bozen Süd verzeichnen Rückgänge (Twenty bis zu zwölf Prozent, Centrum bis zu 14 Prozent). Was hingegen die vorgeschlagene Verlegung des Ötzi auf den Virgl anbelangt, so wird auf dem Hügel ein Frequenzzuwachs von bis zu 3927 Besuchern pro Tag gemessen. Die Auswirkungen auf die Touristenfrequenz in der Innenstadt sind negativ (bis zu minus 20 Prozent). Die Abnahme der allgemeinen Frequenz am Waltherplatz ist massiv.

Anschließend stellte Josef Gander als gutes Beispiel für einen vitalen Betrieb in einem Ort seinen Betrieb, die Kaffeerösterei Kuntrawant (Prad und Lana) und seine Geschäftsidee vor. Authentizität und Kundennähe sind dabei der Schlüssel zum Erfolg.

Abgeschlossen wurde die diesjährige Bezirksversammlung mit der Ehrung langjähriger hds-Mitglieder im Bezirk. Prämiert wurden folgende Betriebe beziehungsweise Mitglieder für 40 Jahre Mitgliedschaft: Bäckerei Pichler Kg aus Eggen/Deutschnofen, Bergmilch Südtirol Gen., Musik Import Kg, Bäckerei Lemayr GmbH und Ventura Gianni aus Bozen, Elektro Planer Ohg aus Völs, Gross Manfred aus Kastelruth, Kellerei Ritterhof GmbH aus Kaltern, Stuefer Franz und Co. Ohg aus Deutschnofen, Winkler Import GmbH aus Siebeneich/Terlan sowie Radio TV Zambaldi Karl aus Neumarkt.

Vor dem offiziellen Teil der Bezirksversammlung wurde im Rahmen eines Aperitifs das Thema des betrieblichen Welfare vorgestellt. Sabine Mayr, Bereichsleiterin im hds für Arbeitsrecht und Gewerkschaftsangelegenheiten, informierte über die neuen Welfare-Leistungen, mit denen Unternehmen die Steuervorteile optimieren und so nicht nur die Kaufkraft der Beschäftigten steigern können, sondern auch gleichzeitig deren Wohlbefinden und Produktivität. „Es handelt sich demnach um eine interessante Neuerung für Unternehmen, aber auch für Arbeitnehmer, die steuerbegünstigt Güter und Serviceleistungen in den Bereichen Gesundheit, Vorsorge, Ausbildung von Kindern für sich oder ihre Angehörigen in Anspruch nehmen können“, so Mayr.

 

 

Von: bba

Bezirk: Bozen

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