SGBCISL nennt Prioritäten für 2026

“Neues Jahr, alte Probleme”

Freitag, 16. Januar 2026 | 13:46 Uhr

Von: Ivd

Bozen – Neben den Vertragsverhandlungen zählen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, der Einsatz für eine sozial gerechte Politik und eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik zu den gewerkschaftlichen Schwerpunkten für 2026. Die Prioritäten für das neue Jahr hat das Landessekretariat des SGBCISL heute in Bozen bei der traditionellen Pressekonferenz zu Jahresbeginn vorgestellt.

„Neues Jahr, alte Probleme“, so der Einstieg der SGBCISL-Landessekretäre in den gewerkschaftlichen Ausblick auf 2026. Dies angesichts vieler Probleme, die größtenteils noch nicht gelöst seien: „von den Löhnen, die mit den Lebenshaltungskosten nicht mithalten, bis zu den vielen Arbeitsunfällen und dem teuren Wohnen – Themen, welche die Gewerkschaft auch heuer beschäftigen.“

Der Fachkräftemangel müsse über die Qualität der Arbeit und die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen angegangen werden, um die Abwanderung vieler junger Menschen aus Südtirol einzudämmen und den lokalen Arbeitsmarkt für auswärtige Arbeitskräfte attraktiver zu gestalten. „Ja, es gibt viel Arbeit in Südtirol, viel davon ist aber in Anbetracht der hohen Lebenshaltungskosten unzureichend entlohnt. Es braucht Vertragserneuerungen mit höheren Löhnen und eine Wirtschaftspolitik, die Südtirols Wirtschaftsstruktur breit aufstellt, ohne übermäßig auf den Tourismus ausrichtet zu sein, und die Innovation und Forschung fördert. Es gilt auch auf jene Branchen zu schauen, die Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit bedeuten und folglich spezialisierte und besser bezahlte Arbeitsplätze bringen“, so Generalsekretärin Donatella Califano.

Der SGBCISL fordert von der Landespolitik, die soziale Gerechtigkeit zu fördern. Bei der Vergabe von Unterstützungsleistungen seien der Bedarf genau zu erheben und auch die erzielten Effekte zu bewerten, mit dem Ziel, die soziale Treffsicherheit zu erhöhen. „Vereinfachung und übereilt umgesetzte Lösungen sind Feinde der Gerechtigkeit“, so die Generalssekretärin, auch mit Blick auf die Landesleistung bei niedrigen Renten und das Pflegegeld, die 2026 ein vorrangiges Thema sein werden.

„Die Arbeitsunfälle bleiben ein großes Problem, die Zahl steigt, Südtirol liegt über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt. Wir tun immer noch zu wenig für die Unfallvorbeugung“, mahnte Generalsekretär Georg Plaickner. „Prävention ist wichtig, nicht nur im Hinblick auf die Reduzierung der Arbeitsunfälle. Ein Handlungsfeld ist ebenso der Problembereich Gewalt am Arbeitsplatz, wie auch die Angriffe auf Arbeitnehmer bestimmter Berufsgruppen, die direkten Kundenkontakt haben, etwa in Bussen und Zügen oder im Gesundheitswesen.“

Francesco Bruccoleri hat auf einige Formen von Belastung am Arbeitsplatz hingewiesen. „Stress und Unbehagen erfordern eine Unternehmenskultur, die auf die Menschen achtet“. Er verwies zudem auf den Schalter bei Belastungen am Arbeitsplatz, der sich an SGBCISL-Mitglieder richtet und betroffenen Arbeitnehmer eine Unterstützung bietet.

Mehr Angebot und niedrigere Preise – um diese Ziele zu erreichen, schlägt der SGBCISL einen Landes-Wohnplan für mehr bezahlbaren Wohnraum vor, eine umfassende landesweite Planung, die derzeit fehle. Dabei seien auch der Bedarf und die Zielgruppen zu erheben, um geeignete Wohnlösungen finden zu können, so Plaickner.

Organisationssekretär Walter Gasser präsentierte einige Zahlen zu den im Jahr 2025 erbrachten Dienstleistungen und zum Mitgliederstand. Der SGBCISL konnte im abgelaufenen Jahr 55.164 Mitglieder verzeichnen und sich damit als mitgliederstärkste Gewerkschaft in Südtirol behaupten. „Ein Fünftel der Mitglieder ist jünger als 36, dieser Anteil ist seit Jahren stabil. Es ist sehr erfreulich, als Gewerkschaft auf das Vertrauen auch vieler junger Menschen zählen zu können. Auch die Verteilung nach Geschlecht, Sprachgruppen und das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern spiegelt im Wesentlichen die Südtiroler Gesellschaft wider.“ Was die Dienstleistungen anbelangt, so wurden in den SGBCISL-Büros über 30.000 Steuererklärungen und über 23.000 ISEE- und EEVE-Erklärungen abgefasst sowie über 8.000 Arbeitslosengeldanträge und rund 6.000 Anträge auf die Familiengelder des Landes und des Staates bearbeitet. Außerdem konnten die Fachgewerkschaften aus Streitfällen über drei Millionen Euro an Lohnforderungen für die betroffenen Arbeitnehmer einfordern.

Bezirk: Bozen

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