Von: APA/Reuters
Eine drohende Ausweitung des Krieges gegen den Iran auf die Energieinfrastruktur am Golf hat am Mittwoch die Ölpreise nach oben getrieben. Nach Berichten über Angriffe auf das riesige iranische Erdgasfeld Pars kündigte die Islamische Republik an, drei konkrete Industrieanlagen der Energiebranche in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ins Visier zu nehmen. Der Preis für die Ölsorte Brent stieg um bis zu sechs Prozent auf über 109 Dollar je Fass.
Es war der erste bekannte Angriff in dem Krieg auf die iranische Energieinfrastruktur. Katar warf Israel eine “gefährliche und verantwortungslose” Eskalation vor. Eine israelische Stellungnahme lag zunächst nicht vor. Der iranischen Nachrichtenagentur Fars zufolge wurden bei dem Angriff auf Pars Tanks und Teile einer Raffinerie in Asaluyeh beschädigt.
Die iranischen Revolutionsgarden kündigten Vergeltungsschläge “in den kommenden Stunden” an und riefen zur Evakuierung konkreter Ziele auf: Die saudische Raffinerie Samref, das Erdgasfeld Al Hosn in den Emiraten sowie in Katar der petrochemische Komplex Messaiid, die Messaiid Holding Company und die Raffinerie Ras Laffan. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Katar ziehe das Personal von dieser Raffinerie ab.
Iran stoppt Erdgaslieferungen an Irak
Der Iran stoppte einem irakischen Regierungsvertreter zufolge die Erdgaslieferungen in das Nachbarland, um den eigenen Bedarf zu decken. Dies bedroht die Stromversorgung im Irak, der bis zu 40 Prozent seines Energiebedarfs aus dem Iran bezieht. Das angegriffene Feld Pars ist der iranische Teil des weltweit größten Erdgasvorkommens, das sich die Islamische Republik mit Katar teilt. Der Iran nutzt das dort geförderte Erdgas fast ausschließlich für den Eigenbedarf. Wegen des Krieges hat Katar seine Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) bereits vollständig eingestellt. Infolgedessen fehlen dem Weltmarkt derzeit 20 Prozent des Angebots. Analysten befürchten, dass Schäden an den Anlagen den Ausfall verlängern könnten.
In den etwa drei Wochen des Krieges hatten die USA und Israel bisher darauf verzichtet, iranische Energieanlagen am Golf anzugreifen. Ein solcher Schritt könnte Vergeltungsschläge gegen andere Produzenten nach sich ziehen und es den Weltmärkten erschweren, sich von der bisher größten Unterbrechung der fossilen Energieversorgung zu erholen. Grund ist die fast vollständige Sperrung der Straße von Hormuz.
Trump setzt Schifffahrtsgesetze aus
US-Präsident Donald Trump setzt im Kampf gegen steigende Energiepreise und Lieferengpässe infolge des Iran-Kriegs auf eine Lockerung der Schifffahrtsgesetze. Die Regierung kündigte am Mittwoch an, den sogenannten Jones Act für 60 Tage auszusetzen. Dies erlaube es Schiffen unter ausländischer Flagge vorübergehend, Treibstoff, Düngemittel und andere Güter zwischen US-Häfen zu transportieren. Sprecherin Karoline Leavitt bezeichnete den Schritt als weitere Maßnahme, um kurzfristige Verwerfungen am Ölmarkt abzufedern. Die US-Schifffahrtslobby American Maritime Partnership zeigte sich dagegen tief besorgt. Die Ausnahme dürfe nicht dazu führen, dass US-Arbeitsplätze verloren gehen.
Das Gesetz aus dem Jahr 1920 schreibt vor, dass Waren zwischen US-Häfen nur von Schiffen transportiert werden dürfen, die in den USA gebaut wurden, unter US-Flagge fahren und sich zum größten Teil in US-Besitz befinden. Kritiker sehen darin seit Langem einen Preistreiber, während Befürworter und Gewerkschaften die Bedeutung für die heimische Industrie betonen.
Vance will weitere Maßnahmen bekanntgeben
US-Vizepräsident JD Vance zufolge will die Regierung in Washington in den kommenden 24 bis 48 Stunden weitere Maßnahmen zu den Energiepreisen bekanntgeben. Der Agentur Bloomberg zufolge sollen sich Vance und andere hochrangige Regierungsvertreter am Donnerstag mit Vertretern der Ölindustrie treffen. Ein Anstieg des Öl- und damit auch der Diesel- und Benzinpreise birgt politischen Sprengstoff in den USA, die am 28. Februar den Krieg zusammen mit Israel gegen den Iran begonnen hatten. Vor der Kongresswahl im November ist die Teuerung in der Bevölkerung ein zentrales Thema. Der Preis für eine Gallone Diesel stieg auf über fünf Dollar (1,15 Euro pro Liter). Zuletzt hatte eine Gallone Diesel im Jahr 2022 diese Marke erreicht. Die damalige Inflationswelle setzte den damaligen US-Präsidenten Joe Biden politisch empfindlich zu.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen