Umwelt leidet

Onlinehandel triumphiert über Nachhaltigkeit

Donnerstag, 19. November 2020 | 21:45 Uhr

Bozen – Durch die Coronakrise sind die Umsätze im Onlinehandel deutlich angestiegen und somit auch das Sendungsvolumen von Waren verbunden mit einer Reihe von Problematiken in der Logistik.

So zeigt die aktuelle Logistik-Studie des Händlerbunds in Deutschland, dass für fast zwei Dritteln der Onlinehändler das Thema Nachhaltigkeit im Zuge der Covidkrise an Relevanz verloren hat, so der hds – Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol. Vor der Pandemie behandelten aufgrund der Diskussion rund um die Retourenvernichtung und der Fridays-for-Future-Bewegung noch fast 50 Prozent Nachhaltigkeit mit hoher Priorität. „Es scheint somit bei der Zustellung nun eher die Regel zu gelten ‚Hauptsache, das Ding kommt an‘. Das ‚Wie‘ ist eine andere Frage“, stellt hds-Präsident Philipp Moser fest.

Während der Pandemie verzeichneten Onlinehändler auch mehr Retouren, also Waren, die online bestellt werden und einfach wieder kostenlos zurückgeschickt werden. „Diese zahlreichen Retouren führen zu Einbußen, obwohl sie ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells vor allem der Onlinegiganten sind“, erklärt Moser. 59 Prozent der Onlinehändler machten aufgrund der vermehrten Rücksendungen ein Minus. Darüber hinaus waren bei etwas mehr als einem Viertel Retouren nur noch als B-Waren verwertbar, zwei Drittel erhielten beim Rückversand beschädigte Waren. Ebenso gibt es Berichte über mehr „Spaßkäufe“, bei denen Artikel erst gekauft wurden, dann aber den Kunden zufolge doch nicht benötigt und zurückgesandt wurden.

„Die Rücksendungen sind ein kostenintensives Geschäft für die Konzerne. Das scheint aber wenig zu interessieren. Wichtig ist, dass die Dienstleistung reibungslos läuft und die Ware zugestellt wird. Die Verkehrs- und Umweltbelastung durch dieses Hin und Her in der Logistik ist für die meisten kein Thema“, kommentiert der hds-Präsident. Ein Umdenken und ein Einwirken im Konsumverhalten seien dringend notwendig. Schon eine Rücksendegebühr für Retouren könnte die Zahl der Rücksendungen senken.

„Die Zeit ist auch reif für eine Webtax für digitale Großkonzerne, die bis dato hierzulande dank Steueroptimierungen und -verschiebungen in andere Staaten keine Steuern für ihre erwirtschafteten Umsätze zahlen. Es braucht den Mut, um hier endlich eine länderübergreifende, internationale Lösung zu finden“, betont abschließend der hds-Präsident.

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare

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7 Kommentare auf "Onlinehandel triumphiert über Nachhaltigkeit"


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Missx
Missx
Kinig
7 Tage 4 h

Klar boomt der Onlinehandel
So steht mir der Weltmarkt offen.
Ich kaufe nur noch Lebensmittel im Geschäft. Aber sogar Lebensmittel, die länger halten und die ich bei uns nicht immer bekomme, bestelle ich ab sofort online

Faktenchecker
6 Tage 23 h

Bananen sind halt schwer zu bekommen.

Missx
Missx
Kinig
6 Tage 20 h

@Faktenchecker
Müstest eigentlich Lästermaul heißen

Neumi
Neumi
Kinig
6 Tage 19 h

@ MissX nah, würden alle Lästerer so heißen, könnte man uns (dich inbegriffen) nicht mehr voneinander unterscheiden.

1litermuelch
1litermuelch
Tratscher
7 Tage 13 h

Solche konzerne sollten an die kasse gebeten werden. Dei stuiergelder fahln ins!!! Z.b. Geldmangel in dr sanität… (Corona) und do leidet wiederum is volk drunter, wos so fleißig af amazon inkafen „muass“

Neumi
Neumi
Kinig
7 Tage 2 h
Man kann Waren auch lokal kaufen und dann wieder kostenlos zurückgeben, mit genau den selben Konsequenzen für die Geschäfte. Oder gilt der europäische Kundenschutz bei uns nicht? Ich für meinen Teil sende nur dann Retour, wenn’s gar nicht anders geht. ps: Amazon bezahlt sicher nicht alle Steuern in Italien, die Mehrwertsteuer bleibt aber sehr wohl hier, so wie die Steuern der Gehälter, die sie in Italien bezahlen. Ich hab aber auch schon von italienischen Händlern bestellt, da bleibt alles im Lande. Sobald Südtiroler Unternehmen mal den selben Service bieten wie diese anderen italienischen Händler, werde ich sicher auch öfters lokal… Weiterlesen »
der echte Aaron
der echte Aaron
Superredner
7 Tage 2 h

Solange ich mit dem Auto in die Stadt fahren muss und meist im Stau stehe (besonders im Sommer) dann noch teures Parkhaus zahlen muss, kaufen ich auch lieber Online! Ist sogar Umweltschonender, denn der Frächter fährt so oder änderst, ob mit meinem Packet oder ohne…… 

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