Symptom einer verunsicherten Heimat – ein Kommentar

Pkw: Südtirols Lust auf Gebrauchte

Donnerstag, 08. August 2019 | 10:30 Uhr

Bozen – Die Nachricht, dass in Südtirol im ersten Halbjahr sage und schreibe 63,4 Prozent mehr Gebrauchtwagen als im gleichen Vorjahreszeitraum verkauft wurden, schlug in den heimischen Sommer ein wie eine Bombe.

Auch im Südtirol News-Forum wurde eifrig Ursachenforschung betrieben. Zu Recht meinen viele Leser, dass die Lust auf gebrauchte Pkw mit der Eigenart vieler Südtiroler zusammenhängt, dem Nachbarn und dem „Dorf“ unbedingt zeigen zu müssen, dass man sich auch selbst ein Luxusfahrzeug leisten kann. Da den meisten Landsleuten dabei vor allem nur die üblichen drei deutschen Luxusmarken einfallen, muss es halt ein Gebrauchter sein, wenn man sich einen BMW, Mercedes oder Audi als Neuwagen schon nicht leisten kann.

APA/APA (dpa)/Karl-Josef Hildenbrand

Das mag schon sein, aber diese „Unsitte“ ist vor allem weder neu, noch kann sie den exorbitanten Unterschied zum letzten Jahr erklären. Vielmehr hängt der Hunger auf Gebrauchtwagen mit der Verunsicherung der Südtiroler zusammen. Die Verbannung der „bösen Euro-3-Diesel“ aus dem Bozner Stadtgebiet lässt viele Pendler zu frischen Gebrauchten greifen. Überhaupt führen Klimadiskussion, die Debatte um „schmutzige“ Diesel und das Hin und Her um den „richtigen“ Motor der Zukunft – Elektro-, Wasserstoff- oder Hybridantrieb – zu einer immer stärkeren Verunsicherung der Verbraucher.

Die Unsicherheit, was die Zukunft bringen wird, lässt die Einheimischen derweil lieber zu einem Gebrauchten greifen. Diese Entwicklung ist aber auch gefährlich. Schlägt dieses Klima auf andere Sparten durch, würde dies die ohnehin lahme Konjunktur weiter abschwächen. Das kann sich wohl keiner wünschen.

Die Verantwortlichen sind aufgefordert, bald für Klarheit zu sorgen, wohin die Reise geht – in Bozen, in Südtirol, in Italien und in Europa.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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15 Kommentare auf "Pkw: Südtirols Lust auf Gebrauchte"


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netzexperte
netzexperte
Grünschnabel
14 Tage 56 Min

Ich glaube nicht, dass es was mit “Verunsicherung” zu tun hat. Eher wohl damit, dass Neuwagen unverschämt teuer sind und im ersten Jahr, bzw. den ersten 3 Jahren so einen Wertverlust erleiden, dass man nur blöd sein kann, wenn man einen neuen kauft. Mit einem guten Jahreswagen oder auch 3JahreWagen fährt man genausolang und nicht weniger gut, spart sich aber eine Menge Zaster.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
13 Tage 4 h

das ist deine meinung, dass man mit einem gebrauchten wagen genauso lange fährt wie mit einem neuen ist rein mathematisch nicht möglich, außer man hat mit einem neuwagen pech, mit dem preis und der preisentwicklung hast du recht und das ist der eigentliche grund…auf der anderen seite ist ein gebrauchtwagen reparaturanfälliger und hat viele andere nachteile…wenn man viele km macht, das auto berufsmäßig braucht und sicher unterwegs sein will, ist meiner meinung nach ein neuwagen, vom preis abgesehen, von vorteil, einjahreswagen (vorführwagen) angesehen, aber die sind auch teuer

tschonwehn
tschonwehn
Tratscher
13 Tage 4 h

@netzexperte das sehe und mache ich genau so. Ein fast neuer, gebrauchter Jahreswagen und dann eine Menge Geld gespart.

netzexperte
netzexperte
Grünschnabel
11 Tage 23 h

@falschauer aber sicher ist das möglich, sofern man nicht davon ausgeht, dass man ein Auto ein Leben lang behalten will (was eh keiner will bzw. tut). Der Wertverlust eines Autos im ersten Jahr ist pervers. Am besten einen Jahreswagen in Deutschland kaufen, da spart man am meisten. Im Verhältnis (v. a. bei Zubehör bzw. Ausstattung) sind da nochmal 20-30% Ersparnis drin als wenn man das Auto in Italien kauft.

tom
tom
Superredner
10 Tage 18 h

Beachte aber, dass beim Import eines Gebrauchtwagens Ökosteuer fällig werden kann, beim Kauf beim hiesigen oder italienischen Händler aberr nicht. Aus diesem Grund sollten die Chancen gut stehen, dass dieser Schwachsinn fallen kann

Alter Hase
Alter Hase
Neuling
10 Tage 5 h

Ich schließe mich dieser Meinung an! Ich denke, eine gute Strategie ist ein PKW zu kaufen das ein Jahr alt ist: das Auto ist noch ein Jahr lang in Garantie und kostet viel weniger als ein neues. Wenn man es nach zwei Jahren verkauft, das Auto ist dann 3 bis 4 Jahre alt, dann ist der Wertverlust begrenzt, man hat noch keine großen Reparaturen gehabt und man kann sich somit wieder über ein (fast) neues Auto freuen.

Popeye
Popeye
Superredner
13 Tage 3 h

Habe 2004 mein letztes Privatauto verkauft. Super. Es blieb mit ueber Jahren viel Geld fuer nuetzlicher Sachen die obendrein den Umwelt nicht verseuchen, weniger Platz einnehmen und so weiter.
Ich verwende das Auto nur noch wenn es echt nicht anders geht. Also selten.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
12 Tage 23 h

hut ab, das nennt man umweltbewusstsein

tom
tom
Superredner
10 Tage 18 h

Auf dem Land leider nicht möglich

Plodra
Plodra
Grünschnabel
15 Tage 3 h

Andere Sparten: Immobilien? Politik? Heiratsvermittlung? 

Neumi
Neumi
Kinig
14 Tage 19 h

gebrauchte Zahnpasta.

tom
tom
Superredner
14 Tage 9 Min

@Neumi gebrauchtes Klopapier?

fuxschwoaf
fuxschwoaf
Neuling
11 Tage 19 h

Bin auch der Meinung das den Meisten wohl das nötige Kleingeld fehlt. Das sieht man ja schon in der Werbung, da steht meist nur mehr der Preis wieviel einem der Wagen monatlich an Raten kosten würde.

Mars
Mars
Grünschnabel
11 Tage 5 h

Das hat nichts mit Verunsicherung zu tun.
Ein Neuwagen ist beim Fenster hinaus geworfenes Geld.
Ich kaufe seit 30 Jahren immer einen gebrauchten.

Mammy
Mammy
Tratscher
10 Tage 16 h

wenn ich fragen darf wieviele hast du denn gekauft in den 30 jahren??

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