Studie des WIFO

Potenzial der Südtiroler Gewerbegebiete ausschöpfen

Donnerstag, 26. November 2020 | 12:15 Uhr

Bozen – Als Zentren der Produktion und anderer wirtschaftlicher Tätigkeiten bilden Gewerbegebiete einen wichtigen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit einer Region. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hat in seiner neuen Studie einen genauen Blick auf die Gewerbegebiete in Südtirol geworfen und ihre Stärken und Schwächen analysiert.

Südtirol verfügt aktuell über eine Gewerbefläche von 1.907 ha, die sich auf 777 Gewerbegebiete verteilt. Die Größe der Gewerbegebiete reicht dabei von kleinen Zonen mit nur wenigen 100 Quadratmetern bis hin zu großen Gewerbegebieten von über zehn Hektar. Während sich letztere auf größere Gemeinden und nahe der Hauptverkehrsachsen konzentrieren, sind kleine Gebiete über das ganze Land verteilt und befinden sich auch in entlegenen Seitentälern.

Rund 7.265 Betriebsstätten mit 74.355 Beschäftigten befinden sich in Südtirols Gewerbegebieten. Jeder dritte Beschäftigte (37,4 Prozent) der gewerblichen Wirtschaft Südtirols ist somit in einem Gewerbegebiet tätig. In den Sektoren Verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Großhandel und Handel/Reparatur von Kfz ist dieser Anteil deutlich höher.

Auf Basis der Bevölkerungsprognose bis 2030 und zwei unterschiedlichen Annahmen zur zukünftigen Wirtschaftsstruktur zeigt das WIFO zwei mögliche Szenarien für den künftigen Gewerbeflächenbedarf auf: Diese ergeben für 2030 einen leichten Rückgang des Gewerbeflächenbedarfs von 1,5 Prozent (bei gleichbleibender Wirtschaftsstruktur) bzw. einen etwas stärkeren Rückgang um 6,3 Prozent (bei Fortschreibung der vergangenen Entwicklung der Wirtschaftsstruktur).

Die Ergebnisse der Studie zeigen zudem, dass eine Aufwertung großer Gewerbegebiete wirtschaftlich, gesellschaftlich und raumordnerisch sinnvoll ist. Viele große Gewerbegebiete in Südtirol haben sich seit ihrer Entstehung nur wenig weiterentwickelt, die Anforderungen an ein modernes Gewerbegebiet haben jedoch stetig zugenommen. Außerdem geht die wirtschaftliche und raumordnerische Bedeutung eines Gewerbegebiets weit über die jeweiligen Gemeindegrenzen hinaus. Aus diesem Grund ist es notwendig, die Planung und Weiterentwicklung der Gewerbegebiete auf funktionale Räume auszurichten.

Kleinere Gewerbegebiete haben indes eine wichtige Funktion für die Entwicklung des ländlichen Raums sowie die Schaffung von qualifizierten Arbeitsplätzen in der Peripherie und leisten so ihren Beitrag gegen die Abwanderung.

„Durch das neue Raumordnungsgesetz verschieben sich viele Kompetenzen – auch die Gewerbegebiete betreffend – vom Land auf die Gemeinden. Diese sind nun besonders gefordert, die zukünftige Entwicklung des Gemeindegebietes nachhaltig zu planen“, betont Maria Hochgruber Kuenzer, Landesrätin für Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege.

„Unternehmen benötigen auch in Zukunft genügend Flächen, um sich weiterentwickeln zu können. Ideal wäre es daher, bereits bestehende, schwach genutzte Flächen optimal zu nutzen und brachliegende Flächen einer neuen Nutzung zuzuführen. Hier ist die öffentliche Hand auf Landesebene gefordert, die Weiterentwicklung und die Wiederbelebung von Gewerbeflächen zu unterstützen“, so Handelskammerpräsident Michl Ebner.

Auf der WIFO-Website www.wifo.bz.it/gewerbegebiete zeigt eine interaktive Karte die Gewerbegebiete für alle Südtiroler Gemeinden. Für jedes Gebiet ist auch ein Fact-Sheet mit näheren Informationen abrufbar.

Die Studie „Flächen mit Potenzial: Gewerbegebiete in Südtirol – Wirtschaftliche Analyse und Ausblick“ liegt in der Handelskammer Bozen in gedruckter Form auf und steht auf der Website www.wifo.bz.it/studien zum Download bereit.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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