INPS und Pensplan Centrum AG stellen aktuelle Zahlen vor

Rente: Unterschiedliche Behandlung von Mann und Frau

Freitag, 11. März 2022 | 13:34 Uhr

Bozen – Dass Frauen im Vergleich zu Männern weniger Gehalt und weniger Rente beziehen, ist zwar kein Geheimnis, findet aber (noch) nicht genug Gehör: Anlässlich des Internationalen Tags der Frau wurde dieses Thema am 11. März 2022 bei einer vom staatlichen Vorsorgeinstitut INPS gemeinsam mit der Pensplan Centrum AG organisierten Veranstaltung im Palais Widmann in Bozen debattiert.

Den Grußworten des Landeshauptmanns der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol und Regionalassessors für die Zusatzvorsorge, Arno Kompatscher, folgten die Vorträge der Präsidentin der Pensplan Centrum AG, Johanna Vaja, der Präsidentin des Beirats zur Gewährleistung der Gleichbehandlung der INPS, Maria Giovanna De Vivo und der Vorsitzenden des Beirats zur Förderung des weiblichen Unternehmertums der Handelskammern Trient und Bozen, Claudia Gasperetti und Marina Rubatscher Crazzolara. Die Schlussworte sprach die Vizepräsidentin der INPS, Marialuisa Gnecchi.

Landeshauptmann der Autonomen Provinz Bozen und Regionalassessor für die Zusatzvorsorge Arno Kompatscher begrüßte die Initiative sehr; die Sensibilisierung der Bevölkerung zu diesem Thema sei von grundlegender Bedeutung. Sein Dank ging an die Organisatoren des heutigen Treffens: „Die in unserer Gesellschaft ungleich verteilten Rollen führen zu einem starken Ungleichgewicht in den Karrieren von Mann und Frau, was sich wiederum auf deren Gehälter und Renten auswirkt. Daher muss die Perspektive geändert werden und konkrete Hilfen für Frauen geschaffen werden, damit diese auf lange Sicht wirtschaftlich abgesichert werden. Mit diesem Ziel im Hinterkopf haben wir die Beiträge zur Unterstützung der gesetzlichen Rente und der Zusatzvorsorge in den Erziehungs- und Pflegezeiten verlängert.“

Rente: Unterschiedliche Behandlung von Mann und Frau

Die Pensplan Centrum AG ist eine Dienstleistungsgesellschaft der Region Trentino – Südtirol sowie der beiden autonomen Provinzen, mit der Aufgabe in der Region ein Vorsorgesparsystem („Pensplan“) zu fördern und zu entwickeln, um die Zukunft der Bürger/innen finanziell abzusichern. Die Präsidentin der Pensplan Centrum AG, Johanna Vaja, zeigte zunächst die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die gesetzliche Rente auf: Die Zahlen zeigen eindeutig, dass hier auch heute noch mit zweierlei Maß vergütet wird: 1.916 Euro pro Monat beträgt die Durchschnittsrente der Männer im Trentino, 1.661 Euro pro Monat in Südtirol. Die Frauen der beiden Provinzen, die vor der Pensionierung im Privatsektor beschäftigt waren, erhalten im Durchschnitt 808 Euro und 804 Euro an monatlicher Rente. Auch im Öffentlichen Dienst sieht es nicht viel anders aus. In der Provinz Trient müssen die Frauen mit 33 % weniger Rente als ihre männlichen Kollegen auskommen, in Südtirol erhalten Frauen 31 Prozent weniger als Männer. Noch gravierender präsentiert sich der Unterschied bei den Selbstständigen: Im Trentino erhalten die Frauen 42 Prozent weniger Rente als die Männer, in Südtirol 37 Prozent weniger.

Ein ähnliches Bild präsentiert sich bei der Zusatzrente: Auch hier zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen Mann und Frau. Das Kapital der persönlichen Zusatzrentenpositionen der Frauen in den mit Pensplan Centrum AG konventierten Zusatzrentenfonds Laborfonds, Plurifonds, Raiffeisen Offener Pensionsfonds und Pensplan Profi ist im Durchschnitt 36 % niedriger als das der Männer. Bei der Auszahlung bedeutet dies natürlich wiederum eine niedrigere Zusatzrentenleistung für die Frauen. „Diese Ungleichheit muss stärker hervorgehoben werden“, betonte Vaja „Frauen sind seit vielen Jahren die Hauptzielgruppe unserer Informations- und Sensibilisierungskampagnen, da sie wirtschaftlich schlechter abgesichert sind und eine angemessene Vorsorge brauchen. Eine solche Vorsorge kann zum Beispiel durch den Beitritt in einen Zusatzrentenfonds aufgebaut werden.“

Deutliche Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern

„Während der Pandemie hat die INPS agile Arbeitsformen eingeführt und es damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts ermöglicht, das Arbeitsleben mit den Erfordernissen des Familienlebens zu vereinbaren“, erklärte die Präsidentin des Beirats zur Gewährleistung der Gleichbehandlung (CUG) der INPS, Maria Giovanna de Vivo. „Auf diese Weise konnten wir unsere gewöhnlichen Tätigkeiten fortführen, die mit der Pandemie verbundenen Zusatzleistungen erbringen und unsere Bürgerinnen und Bürger effizient informieren ohne Abstriche machen zu müssen.“
Das Thema der Ungleichbehandlung und der „weiblichen“ Arbeitswelt rückt immer mehr in den Mittelpunkt. So wurde beim G20-Gipfel im Juli 2021 das Thema Gender equalitydiskutiert und eine Road map mit politischen Zielen für die Talentförderung und die höhere Frauenquote in der Arbeitswelt erstellt. Die Zahlen zeigen eindeutig, dass auf gesamtstaatlicher Ebene eine starke Ungleichbehandlung herrscht, genauso wie in unserer Region. In der Provinz Bozen zum Beispiel liegt das jährliche Durchschnittsgehalt im Privatsektor bei circa 26.000 Euro, bei Frauen bei etwas über 16.000 Euro. In der Provinz Trient, das insgesamt eher niedrigere Löhne aufweist (ähnlich wie in ganz Italien), sind die Werte ähnlich: Ein männlicher Arbeitnehmer des Privatsektors verdient durchschnittlich 24.000 Euro, eine Frau nur etwa 15.000 Euro im Jahr.

„Diese Unterschiede finden sich auch im Öffentlichen Dienst wieder”, erklärte die Präsidentin des Beirats zur Gewährleistung der Gleichbehandlung (CUG) der INPS, Maria Giovanna di Vivo. Italienweit verdienen die Frauen etwa 28.000 Euro im Jahr, die Männer hingegen 38.000 Euro. In Südtirol sind die Löhne zwar höher, doch die Ungleichbehandlung bleibt deutlich bestehen: 45.000 Euro für die Männer gegenüber 31.000 Euro für ihre Kolleginnen. Die Zahlen im Trentino ähneln denen von ganz Italien: Hier liegt die jährliche Vergütung in der öffentlichen Verwaltung durchschnittlich bei circa 38.000 Euro für die Männer und bei 26.000 Euro für die Frauen.

Förderung von Selbstständigen und Unternehmerinnen nötig

Die Vorsitzenden des Beirats zur Förderung des weiblichen Unternehmertums der Handelskammern Bozen und Trient, Claudia Gasperetti und Marina Rubatscher Crazzolara lenkten ihrerseits das Augenmerk auf die Projekte zur Förderung der Unternehmerinnen in den beiden Provinzen. „Es besteht ein großer Bedarf an einer Politik, die die Arbeit der Frauen aufwertet, diese unterstützt, für ihre wirtschaftliche Entwicklung sorgt, Arbeitsplätze schafft, das Bruttoinlandsprodukt erhöht und damit auch die Vorsorge stärkt“, erklärte Gasparetti. „Der Bevölkerungsrückgang und die zu niedrigen Renten müssen nicht von den Frauen selbst bekämpft werden. Es handelt sich hierbei um eine Problematik, die gemeinsam und nachhaltig angegangen werden muss. Der Arbeitsmarkt verlangt immer mehr kreative, technische und digitale Fähigkeiten. Man muss selbstständig sein und Verantwortung übernehmen und unsere Unternehmerinnen und Selbstständigen zeigen auch, dass sie dies können“, fügte Marina Rubatscher Crazzolara hinzu.

In ihren Schlussworten gab die Vizepräsidentin der INPS, Marialuisa Gnecchi zu verstehen, dass „[…] ohne eine wirkliche Aufgabenteilung in der Familie, sprich die Erziehungs- und Pflegezeiten, die Arbeits- und Gehaltsprobleme der Frauen nicht gelöst werden können und sie somit auch keine Karrierechancen und angemessenen Renten erhalten werden. Die Dienstleistungen für Familien müssen verbessert werden – auch sie sollten als qualifizierte Arbeitsplätze gelten, egal, ob es sich um die Kindertagesstätten, Kindergärten, Grundschulen mit Ganztagesbetrieb, Altersheime oder andere Dienste für die Bevölkerung handelt.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Gredner
Gredner
Kinig
2 Monate 12 Tage

Es ist auch kein Geheimnis, dass es KEINE Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau gibt, und es sich hier einfach um eine (bewusste) Fehlinterpretation der Zahlen handelt indem Äpfel mit Birnen verglichen werden.

saltner
saltner
Grünschnabel
2 Monate 12 Tage

Und wia moansch des? Aso sprecheten die Zohlen jo für sich

Neumi
Neumi
Kinig
2 Monate 12 Tage

@saltner Zahlen sprechen nie für sich. Sie stehen immer in einem Kontext, der auch – aber nicht nur – von der Fragestellung abhängt.

Oder was genau sagt dir 17?

Die Pension hängt davon ab, wie viel man eingezahlt hat. Wenn 2 Personen, die gleich lange gearbeitet haben und gleich viel eingezahlt haben, verschieden viel Pension kriegen, DANN gibt es eine Ungleichbehandlung.
Ich hab mir jetzt nicht die Mühe gemacht, die Zahlen zu analysieren. Aber 2 verschiedene absolute Werte sagen eben nichts anders aus als das die beiden Werte unterschiedlich sind. Ob es eine Ungleichbehandlung gibt, lässt sich daraus nicht ablesen.

nuisnix
nuisnix
Kinig
2 Monate 12 Tage

wahrscheinlich meint er, dass frauen früher in pension gehen dürfen, im schnitt älter als männer werden und somit (entsprechend der üblichen pensionsberechnung) insgesamt womöglich sogar auf die gleiche pensionssumme kommen…

*helmaufsetz*

mmhm_sel_schu
mmhm_sel_schu
Tratscher
2 Monate 12 Tage

Wiso gibt es dann einen Unterschied zwischen Bürger und Politiker? Dieses Thema wird immer noch schön unter den Teppich gekehrt, Rentenvorauszahlungen usw…

The Hunter
The Hunter
Superredner
2 Monate 12 Tage

👍👍👍👍👏👏👏👏👏 genau so isches, wenn schon gleichberechtigung nor von olle Bürger

Lausr17
Lausr17
Grünschnabel
2 Monate 12 Tage

Ich möchte auch nur Teilzeit arbeiten und trotzdem die selbe Rente bekommen.
Das Elternzeit, sowie Pflege sollte auf jeden Fall für die Rente gelten.
Der Rest ist Quatsch.
Frauen gehen früher in Rente und Leben länger, kassieren somit auch länger.
Ähnlich ist es bei der Krankenversicherung. Frauen gehen regelmäßiger und insgesamt häufiger zum Arzt.
Sowas ist mir im Grunde egal, nur wenn man beginnt zu rechnen, dann bitte auf eine ehrliche Art…

Neumi
Neumi
Kinig
2 Monate 12 Tage

Unterschiedliche Behandlung von Berufsständen gib’s jedefalls. Da war doch dieser eine, dessen Mitgliedern bei Antritt der Pension eine Vorauszahlung erhalten, die noch um einiges höher ausfällt, weil diese Personen eine höhere Lebenserwartung haben.

Amadeus
Amadeus
Tratscher
2 Monate 12 Tage

Mein Gott, diese Statistiken. Für gleichen Beruf, gleiche Einstufung und gleiche Arbeitszeiten bekommen Frau und Mann natürlich das gleiche Gehalt oder den gleichen Lohn. Deshalb auch die gleich hohe Rente. Die heute ausbezahlten Renten beziehen sich doch auf die letzten 30, 40 und 50  Arbeitsjahre. Natürlich spielte da  
die Ungleichheit in der Gesellschaft im Allgemeinen eine große Rolle, wurden arbeitende Frauen viel öfter ausgenutzt und hatten weniger Möglichkeiten Vollzeit zu arbeiten. Wie denn?

Offline1
Offline1
Kinig
2 Monate 12 Tage

“Stimmungsmache per Überschrift” Den Unterschied bei den Renten macht nicht das Geschlecht !!, sondern das über die Lebensarheitsleistung erzielte Einkommen und die davon eingezahlten Beiträge.

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