Stahl, Holz und Dämmstoffe derzeit knapp

Steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe machen Handwerkern zu schaffen

Samstag, 19. Juni 2021 | 15:50 Uhr

Bozen – Steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe stellen auch für viele Südtiroler Unternehmen derzeit ein großes Problem dar. Die aktuelle Lage und die Folgen dieser Preisentwicklung waren Gegenstand der lvh-Vorstandssitzung vom Donnerstag.

Nahezu absurd scheint die derzeitige Situation am Markt: Nach der Coronakrise konnten die Wirtschaftskreisläufe endlich wieder hochgefahren und neue Aufträge angeschoben werden, bis ein unerwartetes Szenario eintrat: Materialknappheit und explodierende Rohstoffpreise. „Europaweit bereitet diese Entwicklung große Sorge und führt zu Schwierigkeiten in den Betrieben“, erklärte lvh-Präsident Martin Haller. Vor allem für Materialien wie Stahl, Holz und Dämmstoffe gibt es nach wie vor Lieferengpässe und eklatante Preissteigerungen, sodass eine neue Diskussion über mehr Rohstoffunabhängigkeit entstanden ist. „Bei Betrieben, sowie bei Kunden besteht zum Teil große Unsicherheit, wie sich die Situation weiter entwickeln werde. Einige Prognosen besagen zwar, dass sich die Rohstoffnachfrage wieder einpendeln und damit auch die Preise wieder regulieren werden, aber konkrete Signale hierfür gibt es noch nicht“, sagte Haller.

Welchen Handlungsspielraum Verbände und Institutionen in diesem weltweiten Kontext haben können, ist ungewiss. „Gemeinsam mit dem nationalen Handwerkerverband Confartigianato gibt es derzeit Bestrebungen im sogenannten Vereinfachungsdekret eine Preisrevisionsklausel einzubauen, um sowohl den Vergabestellen als auch den Wirtschafsteilnehmern bei großen Preisschwankungen die Möglichkeit einer Preisrevision zu geben. Alternativ könnte auch eine Preisgleitklausel angedacht werden, um extreme Preissteigerungen abzufedern“, berichtete der lvh-Verbandschef.

Nationale Anpassungen für öffentliche Aufträge

Im öffentlichen Vergabewesen wurden auf Staatsebene einige Erleichterungen mit dem Decreto Semplificazioni vom 31.05.2021 eingeführt. Um vor allem auch die Investitionsgelder, welche über den Recovery Fund bereitgestellt werden sollen, möglichst zielgerichtet, schnell und unbürokratisch auf den Markt zu bringen, ist eine Anpassung des Kodex der Verträge auf Staatsebene notwendig. „Die Vergabe von Aufträgen und Konzessionen durch öffentliche Auftraggeber stellt einen unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor dar“, erklärt der Landtagsabgeordnete Ger Lanz, „in der Regel entfallen bis zu 90 Prozent auf Vergabeverfahren unterhalb der EU-Schwelle, was ca. 75 Prozent des Vergabevolumens entspricht. Es ist somit verständlich, dass dieser Bereich für die Wirtschaftsteilnehmer, aber auch für lokale Verwaltungen von zentralem Interesse ist.“

Anfang Mai hat Lanz einen Begehrensantrag eingereicht, damit der Südtiroler Landtag die italienische Regierung und das Parlament auffordert, bei der anstehenden Überarbeitung des Vergabekodex für öffentliche Aufträge verschiedene KKMU-freundliche Grundsätze anzuwenden. Neben der Orientierung an den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit, der Qualität, der Arbeitsrechtsbestimmungen, der Umweltschutzbestimmungen und der Verhältnismäßigkeit gibt es weitere neun Punkte, die zukünftig auf staatlicher Ebene angewendet werden sollen. Von zentraler Bedeutung ist unter anderem die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von KKMU durch die Aufteilung der öffentlichen Aufträge in quantitative Lose und qualitative Lose. Der gegenteilige Fall sollte von der Vergabestelle begründet werden.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe machen Handwerkern zu schaffen"


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Fuzzi
Fuzzi
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Was da auch immer dahintersteckt, der “Leidtragende” ist wie meistens, der Endkonsument…..

So ist das
1 Monat 7 Tage

Das ist er leider immer, denn höhere Preise und Spesen werden weitergegeben und am Ende steht der Konsument.

Buffalo
Buffalo
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Holz liegt wohl genug in der Gegend herum

saggarnixmehr
saggarnixmehr
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Jede Menge, Rundholz kostet im übrigen immer noch deutlich weniger als 2018.

Hollywood
Hollywood
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

@Buffalo So ist es. Wir haben Holz zum Focken füttern in unseren Wäldern rumliegen. Wir könnten das reichste Land der Welt sein mit einem erfahrenen Unternehmer an der politischen Spitze. Leider haben wir nur egoistische, selbstverliebte Virusschwurbler vorne dran.

Nette
Nette
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Lokale „Kleinst- Klein und Mittel Unternehmer“ in einem Atemzug mit der Vergabe an öffentlichen Aufträgen erwähnen… Berücksichtigt man den bürokratischen Aufwand (Kosten) einer Ausschreibung um ihn schlussendlich doch an dem billigsten Anbieter mit Niedriglöhnern aus der Ferne zu vergeben, frage ich mich wozu lokale „KKMU“ überhaupt angeschrieben werden? Gewollte verkaufte Heimat, Hauptsache die €, die Zahlen und Verträge stimmen. Nachhaltigkeit und 0 km stehen zwar Schönheitshalber in den Verträgen, aber bis zum Schluss bekommen öfters und immer mehr Schwindlige Zahlenverdreher die Aufträge.

berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Wollte man wirklich die KKMU an Aufträgen teilnehmen lassen, so wären die Umstände längst geregelt. Davon geredet wird schon immer und lange, nur ging es von Jahrzehnt zu Jahrzehnt nur ins Gegenteil. Und das auf Kosten der Qualität, Nachhaltigkeit und hauptsächlich auf Kosten der Steuerzahler. Angefangen von schlechter, unzureichender Planung, Auswahl der Anbieter, Referenzen und Leistungsnachweisen, laufender Kontrolle der Ausführung. Zuviele Arbeiten sind im Nachhinein “sanierungsbedürftig” wenn nicht ganz neu zu machen. Kurzsichtig, schlampig und teuer, scheint der allgemeine Trend. Viele Projekte werden buchstäblich mit offenen Augen “in den Sand gesetzt”!

OrB
OrB
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Geduld sollte man sich fett hinter die Ohren schreiben und das gilt für alle Seiten.
Es muss nicht immer schneller und größer sein.
Leider ist immer der Endkosument der Leidtragende denn in Südtirol werden seit über zehn Jahren keine Gehälter mehr an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst.

Einheimischer
Einheimischer
Superredner
1 Monat 6 Tage

Das sind nicht höhere Preise,
Sondern gesteuerte Inflation…

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